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Was eine 18-Jährige bei der Ausbildungssuche erlebt

SPRINGE. Kurz vor Beginn des neuen Ausbildungsjahres sind laut aktuellster Veröffentlichung 75 Schulabsolventen noch ohne Ausbildungsvertrag. 76 Lehrstellen werden in Springe angeboten, Ende Juni waren davon noch 43 unbesetzt.

Die Lektüre der Stellenanzeigen gehört für die Schulabgänger zum Alltag dazu. SYMBOLFOTO: MISCHER
Mischer

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Ralf T. Mischer Redakteur zur Autorenseite

Der Grund dafür ist laut Arbeitsamt häufig, dass sich Jugendliche auf eine spezielle Branche konzentrieren – und dort werden dann die Stellen knapp.

Carolin Müller (Name von der Redaktion geändert), 18, aus Springe, hat bislang keine Ausbildungsstelle gefunden und hofft noch auf eine Zusage. Sie hat die Fachhochschulreife in der Tasche, sucht noch eine Ausbildung im Textil-Einzelhandelsbereich.

Dafür hat die Springerin bereits etliche Bewerbungen geschickt – meist nach Hannover. Eine Zusage hat sie noch nicht erhalten. Und auch keine Absage. „Da sind die Bewerbungsfristen schon längst verstrichen“, betont die 18-Jährige – und berichtet, dass es auch vielen ihrer Freundinnen so gehe, dass sie von den Betrieben, die Stellen suchen, keine Rückmeldungen bekämen.

Das ist ein Eindruck, den Hans-Ulrich Koch, Leiter des Berufsberater-Teams der Agentur für Arbeit, das für Springe zuständig ist, bestätigen kann: „Wir nehmen das schon wahr, dass das von den Bewerbern beklagt wird.“ Gründe gäbe es viele, im Zweifelsfall empfiehlt Koch den Bewerbern, sich zunächst in Geduld zu üben: „Es kann durchaus sein, dass der Stichtag noch nicht erreicht ist.“ Eine andere Möglichkeit sei, dass das Unternehmen andere Anforderungen stelle als die, die in der Stellenausschreibung angegeben würden. Wer sie nicht erfüllt, hört unter Umständen nichts mehr von dem Unternehmen. „Bei manchen Ausbildungsbetrieben ist es auch noch nicht angekommen, dass wir mittlerweile einen Bewerbermarkt haben.“ Bewerbermarkt bedeutet, dass nicht mehr der Ausbildungsbetrieb die Azubis aussucht, sondern dass die Auszubildenden sich den Betrieb aussuchen können. Weil die Zahl der Bewerber zurückgeht, der Bedarf der Betriebe aber bleibt.

Müller aber erlebt gerade am eigenen Leibe, dass das nur theoretisch zutrifft: Sollte es mit der Ausbildung im Traumberuf in diesem Jahr nicht klappen, möchte sie auf jeden Fall im Einzelhandel arbeiten – viele große Textilketten stellen auch ungelernte Kräfte ein. Die 18-Jährige möchte so erste Erfahrungen in der Branche sammeln.

Berufsberater Koch hält das nicht für ganz falsch: „Auf diese Weise kann sie in eine Branche hineinschnuppern.“ Dennoch gibt er auch die Empfehlung an Lehrstellensuchende, sich nicht auf eine bestimmte Branche zu fokussieren: „Man muss sich als Jugendlicher dem Markt anpassen, wenn man auf jeden Fall eine Ausbildung ergattern will.“ Und: ein Plan B sei immer sinnvoll, wenn man sich auf beliebte Berufe wie den Textil-Einzelhandel festgelegt hat.

Und auch ein langer Atem kann sinnvoll sein: „Es kommt auch vor, dass Jugendliche noch am 27. Oktober ihre Ausbildungsstelle antreten.“ Immerhin kündigen einige Jugendliche vorzeitig ihren Vertrag, Altbewerber hätten da manchmal noch Chancen.

Für alle, die zum Stichtag 1. August noch keinen Vertrag unterschrieben haben, besteht zudem die Möglichkeit einer sogenannten Einstiegsqualifizierung: Teilnehmer dieser Maßnahme werden sechs bis zwölf Monate lang gezielt auf den Beruf vorbereitet. Fest steht für Koch: „Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt wird besser, und viele Jugendliche hoffen deshalb, dass sie in ihrem Traumberuf anfangen können und nicht in einem Alternativjob, in dem sie nicht glücklich sind“, bilanziert der Berufsberater.



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