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Was die Riesen-Schlaglöcher für die Anlieger bedeuten

SPRINGE. Ein Ärgernis sind sie für alle, die Schlaglöcher an der Eldagsener Straße. Besonders betroffen fühlen sich Pendler – und Anwohner, die nicht nur mit großen Löchern vor der Haustür, sondern auch mit dem Lärm durch vorbeifahrende LKW leben müssen.

Sanierung im Schneckentempo: Die Schlaglöcher auf der Eldagsener Straße sind mehrere Zentimeter tief. Das hat auch SPD-Fraktionschef Bastian Reinhardt vermessen (kleines Bild) – und sich sogar an den Ministerpräsidenten gewandt. Foto: Mischer
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Ralf T. Mischer Redakteur zur Autorenseite

Einer von ihnen ist Andreas Just. Bereits im Februar 2017 hatte er die Stadt Springe und die Straßenmeisterei in Wennigsen wegen der Probleme kontaktiert – jedoch ohne Erfolg. „Eigentlich bin ich es leid. Es muss doch kurzfristig etwas gemacht werden: Wir werden nachts jedes Mal wach, wenn leere LKW die Straße entlangbrettern“, sagt er. Bei den Nachbarn klapperten durch die Erschütterungen gar die Gläser im Schrank.

„Es müsste sich jemand von den Verantwortlichen einmal hierhinsetzen, dann wüssten sie Bescheid", so Just: Er könne nicht nachvollziehen, wenn Politiker erklären, alles Mögliche getan zu haben. Die Tempobeschränkung auf 30 Stundenkilometer ist aus seiner Sicht nicht hilfreich: „Statt mit 70 Stundenkilometern brettern die Autos jetzt mit 50 durch die Gegend.“

Der Springer Tobias Mattern fährt als Berufspendler jeden Tag zwei Mal über die Schadstellen – morgens und abends. Eine vernünftige Alternative dazu hat er nicht. „Ich versuche zwar, den Löchern auszuweichen – aber wenn der Gegenverkehr kommt, ist das nicht möglich.“ So fürchtet er, dass sein Auto eines Tages Schaden nimmt. Ersetzen würde ihm diesen niemand. Um für Abhilfe zu sorgen, hat Mattern bereits vor Monaten auf der Mängelmelder-Internetseite der Stadt auf die Schlaglöcher hingewiesen. Als Reaktion habe man ihm mitgeteilt, dass nicht die Stadt, sondern das Land dafür zuständig sei. „Das weiß ich selbst“, sagt Mattern. Allerdings gebe es beim Land keine Stelle, bei der man schadhafte Straßen melden könne: „Ich hätte mir gewünscht, dass die Stadt die Schadensmeldung an das Land weiterleitet.“

„Eine Vollkatastrophe“, ärgert sich auch Uta Rabe. Sie ist nicht nur Geschäftsführerin beim Autohaus Mensenkamp an der Eldagsener Straße, sondern auch Anwohnerin. „Direkt zwischen unseren Häusern ist ein riesiges Schlagloch – wenn da nachts die LKW durchfahren, stehen wir senkrecht im Bett.“ Ihre Mutter habe wegen der Lärmbelästigung bereits 2016 Kontakte zur zuständigen Straßenmeisterei in Wennigsen aufgenommen: „Per Mail hat sie eine Zusicherung bekommen, dass das im vergangenen Jahr gemacht werden sollte“, berichtet Rabe.

Im Alltag habe sie festgestellt, dass sich kaum jemand an das Tempo-30-Limit halte. „Und wenn man sich daran hält, bekommt man einen Vogel gezeigt und wird wild hupend überholt.“ Ob da die Einführung des Schritttempos sinnvoll sei, stellt sie infrage.

Gleichzeitig müssen die Mitarbeiter des Autohauses „extrem vorsichtig fahren“, etwa bei Probefahrten nach Reparaturen. Schließlich wurden die Kundenfahrzeuge gerade instand gesetzt und sollten danach auf der Straße nicht gleich den nächsten Schaden davontragen.

SPD-Fraktionschef Bastian Reinhardt will nichts unversucht lassen: Am Sonntag hat er in Sachen Schlaglöcher nicht nur die SPD-Landtagsabgeordnete Kerstin Liebelt angeschrieben, sondern auch gleich den Ministerpräsidenten Stephan Weil. Um das Problem an der Landesstraße mit Fakten zu untermauern, griff er selbst zum Zollstock: „Aktuell ist das eine Schlagloch 1,70 Meter lang und neun Zentimeter tief“, stellte er dabei fest. „Seit mehreren Jahren versuchen wir nun mit Meldungen nach Hannover auf dieses Problem aufmerksam zu machen. Leider bisher ohne Erfolg“, ärgert sich Reinhardt. Die Straße sei in einem katastrophalen Zustand, der sich von Woche zu Woche verschlechtere. „Als die Auffahrt zur Bundesstraße im vergangenen Jahr saniert wurde, hätten die Fräsarbeiten und die Sanierung nur zehn Meter weiter ausgedehnt werden müssen und man hätte das größte Loch schon mit abgedeckt. Leider war das nicht möglich.“

Anwohner Torsten Baxmann kann nicht nachvollziehen, warum die Sanierung der Straße für das Land keine Priorität hat – schließlich sei der Straßenzustand „eine riesige Belastung". Zum Lärm und den Erschütterungen komme auch das Wasser, mit dem sich die großen Löcher bei Regen füllen. „Da bleibt kein vorbeigehender Fußgänger trocken.“

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