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Was den Waldfriedhof attraktiv macht

SPRINGE. Der Waldfriedhof ist beliebt, er soll erweitert werden. Aber was macht ihn so attraktiv? Eine Spurensuche. Wenn Bernd Gallas Besucher durch den Waldfriedhof führt, ist das für ihn Arbeit. Der Stadtförster ist gespannt. Vor allem darauf, wie der Wald an der Sophienhöhe in Springe auf den Gast wirkt.

Ein Baum zum Anfassen, Stadtförster Bernd Gallas versteht, warum manche Bäume Menschen in besonderer Weise rühren. Foto: Weißling
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Katharina Weißling Redakteurin zur Autorenseite

SPRINGE. Der Waldfriedhof ist beliebt, er soll erweitert werden. Aber was macht ihn so attraktiv? Eine Spurensuche. Wenn Bernd Gallas Besucher durch den Waldfriedhof führt, ist das für ihn Arbeit. Der Stadtförster steht da in seiner Forstkleidung und ist gespannt. Vor allem darauf, wie der Wald an der Sophienhöhe in Springe auf den Gast wirkt. „Da gibt es Bäume, die Menschen regelrecht anziehen. Da könnten wir, was die Gräber angeht, theoretisch mehrfach überbucht sein“, sagt der Förster. Glasklare Gradmesser für die Attraktivität solcher Exemplare kann er trotz aller Erfahrung nicht benennen.

Dass diese Umgebung den Menschen guttut, davon ist Gallas allerdings überzeugt; er freut sich, wenn die Beschäftigung mit dem Friedhof auch die Neugier weckt auf etwas, das vielen fremd geworden ist: der Wald selbst.

Bäume anfassen und sogar umarmen, um deren Energie zu spüren, das kommt vor bei denen, die hier sind. Manch ein anderer geht dem Impuls nach, hier aufzuräumen, im wahrsten Sinne des Wortes. Während Gallas den Wald beschreibt, wie er sich entwickelt, Vorfreude auf Buschwindröschen im Frühjahr weckt, knackt und raschelt es um ihn herum. Bucheckern und Eicheln fallen in diesem Jahr besonders zahlreich zu Boden. Die Anspannung der Trauernden, so beschreibt er es, lege sich in dieser Atmosphäre sichtlich, sie geht mit dem Wind.

Doch knallharte Auslese ist Teil des steten Wandels im Wald. Gerade erst hat Gallas mit knallorangener Farbe Bäume besprüht, die im nächsten Erweiterungsgebiet des Friedhofs keinen Platz haben. Tiefe Risse in der Rinde zeigen, dass ein Baum am Ende und nicht einmal mehr fürs Sägewerk wertvoll ist. Warum er schlappmachte, kann Gallas nur vermuten. „Um wie ein Arzt nachzuforschen, fehlt mir die Zeit“, bedauert er mit Blick auf eine Buche, die stumpf umgekippt ist. Stehendes Wasser an den Wurzeln könnte die Ursache sein oder ein schädlicher Pilz.

Was sonst noch verborgen im Boden steckt, entfaltet nach oben hin zuweilen besondere Schönheit. „Schauen Sie mal, der Ilex hier am Waldboden, das sieht doch fast parkähnlich aus, oder?“, sagt Gallas und deutet auf eine Baumgruppe, umgeben von grünen Bodendeckern.

Solche Blicke herauszustellen, die künftigen Friedhofsbäume zugänglich zu machen und Totholz zu entfernen, das gehört zur Vorbereitung des neuen Gebiets, das ebenfalls am Parkplatz Sophienhöhe gelegen ist.

Was weggeräumt wird, hier nicht mehr verrotten darf, mag dem Mikrokosmos des Waldstücks mal fehlen. Der Anblick aber wird gefälliger. Ein kleiner Zwiespalt für den Förster und Naturschutzbeauftragten Gallas. Die Asche der Verstorbenen allerdings hat auch für den Wald so ihren Charme. „Nährstoffreicher Phospordünger“, erklärt der Fachmann. Und weist darauf hin, dass im schönen Herbstlaub mit Sicherheit ein paar Moleküle ehemals geliebter Menschen stecken.



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