weather-image

Warum sich Hendrik Frie typisieren ließ

SPRINGE/LÜDERSEN. Auf einmal ging alles ganz schnell: Nachdem er mehr als ein Jahr nichts mehr von einer Stammzellenspende gehört hatte, kam Anfang des Jahres der Anruf für Hendrik Frie. Die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) benötige dringend seine Stammzellen für einen Patienten, erinnert sich Frie.

Zwei Jahre darf Hendrik Frie keinen persönlichen Kontakt zu dem Empfänger aufnehmen. Danach könnte er sich aber vorstellen, ihn oder sie kennenzulernen. FOTO: PR
saskia

Autor

Saskia Helmbrecht Redakteurin zur Autorenseite

Mit gerade einmal 17 Jahren ließ sich Frie typisieren – bei einer Aktion im Otto-Hahn-Gymnasium. Zahlreiche Schüler des elften Jahrgangs ließen sich als Stammzellenspender registrieren, erinnert sich der heute 21-Jährige. 2016 dann der erste Anruf – kurz nach den Abiturprüfungen ruft ihn die DKMS an und bittet ihn, zum Hausarzt zu gehen und sich auf eine Spende vorzubereiten. „Danach bekam ich keine Rückmeldung mehr.“ Erst im Februar 2018 folgt der nächste Anruf – und dieses Mal ist es dringend. „Die Spende wurde dringend benötigt, der Anruf kam an einem Freitag und gleich zu Beginn der nächsten Woche habe ich alles mit meinem Arbeitgeber abgesprochen.“

Zur Voruntersuchung musste er in die Charité nach Berlin fahren und dort einen halben Tag bleiben. „Mir wurde Blut abgenommen, ich habe ein EKG gemacht und ein Ultraschall wurde angeordnet.“ Wenig später liegt das Ergebnis vor: Frie ist ein geeigneter Spender und gesund.

Vor der Transplantation musste er sich fünf Tage lang selbst Spritzen geben – mit einem Wachstumsfaktor, der die Produktion von Stammzellen im Blut erhöht. „Man fühlt sich, als hätte man eine heftige Grippe, ich hatte Rückenschmerzen und Gliederschmerzen.“ Dreimal täglich musste er sich die Spritzen geben. „Das war aber gar nicht schlimm, geübt habe ich mit Spritzen mit Kochsalzlösung.“

Bei der Spende selbst musste er fünf Stunden lang still im Krankenhausbett liegen, angeschlossen an die Maschinen. Durch die Maschine wurden die Stammzellen herausgefiltert und ihm gleichzeitig das Blut wieder zurückgeführt. „Über den Zeitraum wurde mein gesamtes Blut etwa drei Mal durch die Maschine geleitet , vergleichbar ist das mit Dialyse.“

Aber auch diese Stunden seien schnell vorbeigegangen. „Ich war hinterher etwas schlapp, aber es war nicht so schlimm, wie ich es mir vorgestellt hatte.“ Nach einem Mittagessen und einer Untersuchung konnte er noch am selben Tag das Krankenhaus wieder verlassen. Frie hatte sich für eine periphere Blutstammzellenspende entschieden. Eine zweite Variante ist die Entnahme der Stammzellen aus dem Rückenmark. Zweifel seien ihm nicht gekommen. „Für mich stand das fest, als ich mich typisieren ließ, dass ich das dann auch mache, weil ich weiß, dass es die letzte Überlebenschance eines Patienten ist“, so Frie. Viele seiner Freunde hätten gar nicht gewusst, was eine Stammzellenspende überhaupt ist oder wie das Verfahren abläuft. „Dabei ist es einfach ein tolles Gefühl und eine Chance, jemandem das Leben zu retten – und das mit eigentlich so wenig Aufwand.“

Die DKMS hätte ihn die gesamte Zeit begleitet, alle Kosten übernommen und ihm mit Rat und Tat zur Seite gestanden. „Ich hatte dort einen festen Ansprechpartner, an den ich mich jederzeit wenden konnte, die Betreuung war wirklich super.“ Jetzt will der Lüderser, der auch Blut- und Organspender ist, andere auf die Typisierung aufmerksam machen.



Anzeige
Weiterführende Artikel
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt