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Warum Eisvögel gern an der Haller leben

SPRINGE. Er wird als Indikator für saubere und fischreiche Gewässer gehandelt – und ist zurück: Der Eisvogel kommt wieder an der Haller vor. Besonders im renaturierten Bereich des Gewässers findet das Tier mit dem prächtigen Gefieder offenbar optimale Jagd- und auch Brutbedingungen.

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Mischer

Autor

Ralf T. Mischer Redakteur zur Autorenseite

Experten sind begeistert – ebenso wie Naturfans auch Facebook und sogar der Bürgermeister.

„Grundsätzlich ist das Vorkommen des Eisvogels ein gutes Zeichen für die Qualität eines Gewässers“, sagt Rudolf Krause vom Naturschutzbund (Nabu) Springe. Immerhin sei das Tier für die Jagd auf Fischreichtum und für die Brut auf Steilabbrüche angewiesen – beide Bedingungen erfülle die Haller bereits seit einigen Jahren. So mäandriere der Fluss im renaturierten Bereich durch die Landschaft, was eben zu genannten Steilabbrüchen führe. Aber auch im Bereich von Sedemünder hat Krause den Eisvogel bereits beobachtet.

Er ist eine in Deutschland streng geschützte Art. Experten rechnen damit, dass bis zu 7000 Eisvogelpaare des in der Sonne schillernden Vogels in Deutschland vorkommen. In Deutschland steht das Tier auf der Roten Liste der besonders gefährdeten Arten.

Womöglich löst auch deshalb sein regelmäßiges Auftauchen in der Hallerniederung für Begeisterung bei Naturfreunden im Netz. „Muss mal ein dickes Lob aussprechen“, schreibt ein Facebook-Nutzer“, „wer immer die Idee zur Renaturierung der Haller hatte – ich habe heute einen Eisvogel dort gesehen“. Von dem Facebook-Nutzer und Naturfan bekommt die Verwaltung einen „dicken Schulterklopfer“. Weitere Nutzer schließen sich dem Lob an.

Zur Freude von Bürgermeister Christian Springfeld, der das Lob weitergeben möchte– und betonnt, dass er sich vorstellen kann, mit der Renaturierung weiter zu machen. Heißt: Dass er eine Erweiterung der Renaturierungsfläche befürwortet.

Bislang wurde die Haller im Bereich der Feldmark zwischen Kläranlage und Alvesrode, sowie flussaufwärts am Oberlauf der Ramke ökologisch aufgewertet. Ein Fluss, der mäandert, braucht mehr Platz, die Renaturierung erfolgte auf Flurstücken in der Gesamtgröße von 64 847 Quadratmetern.

Krause vom Nabu hält sich mit einer Einschätzung der Chancen einer möglichen Ausweitung der Renaturierung betont zurück – und verweist stattdessen auf das Renaturierungsprojekt des Nabu im Bereich des Ziegeunerwäldchens in der Hallerniederung zwischen Gestorf und Eldagsen.

Bei Dieter Erdmann füllt das Thema Haller-Renaturierung mittlerweile zehn Aktenordner. Erdmann ist bei der Stadt für die Gewässer-Renaturierung zuständig – und er betont, dass die Renaturierung dort, wo die Politik sie beschlossen hat, abgeschlossen ist. Der linke Nebenfluss der Haller, die Rambke, ist laut Erdmann dabei der ökologisch wertvollste Flussabschnitt. „Überall in den renaturierten Bereichen haben wir der Natur wieder Platz gegeben – und die hat ihn sich zurückerobert“, sagt Erdmann. Die Gewässer seien infolgedessen breiter geworden, nähmen mehr Platz ein: „Heute findet man Forellen, früher hätte eine Forelle dort nicht einmal wenden können.“

Das Renaturierungsprojekt, das 2003 abgeschlossen wurde, war von Land und Bund gefördert worden – nur für ein Drittel der Gesamtkosten musste die Stadt damals aufkommen. Und die Europäische Union nimmt die Kommunen in Deutschland weiter in die Pflicht: Laut der europäischen Wasserrahmenrichtlinie sollen Flüsse, Seen, Übergangsgewässer, Küstengewässer und Grundwasser spätestens bis zum Jahr 2027 in einem guten Zustand sein. Was das genau heißt? Zumindest Fließgewässer sollen sich im Idealfall so natürlich wie möglich durch die Landschaft schlängeln. Dafür stellt die EU auch Fördermittel in Aussicht.

In Springe fehlt es für die weitere Renaturierung der Haller laut Erdmann in erster Linie an einer Sache: „Die Schwierigkeit ist, dass man dafür Platz links und rechts des Baches braucht. Und das ist nicht einfach, wenn die Grundstückseigentümer nicht mitmachen.“ Konkret sei Glück vonnöten, um an weitere Flächen heranzukommen und die Renaturierung weiter voranzubringen. „Wenn sich die Gelegenheit ergibt, ist das sinnvoll“, sagt Erdmann.

Information

Die Haller ist ein 21 Kilometer langer Nebenfluss der Leine. Sie entspringt in der Hallerquelle, einer Karstquelle bei Springe an der Deisterpforte und mündet bei Nordstemmen in die Leine. Das Fließgewässer durchquert auf seinem Weg zur Mündung neben Springe auch die Städte Nordstemmen sowie Elze.



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