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Warum die Landfrauen sich vom Ortsrat unverstanden fühlen

VÖLKSEN. Wenn ein Deutscher über Amerika redet, meint er die USA. Redet ein Amerikaner über die Deutschen, meint er Bayern. So ist das manchmal vielleicht auch, wenn die Politik über Vereine redet – und umgekehrt.

Handschlag: Helge Zdebel-Müller (links) von der Patchworkgruppe trifft sich mit Ortsbürgermeister Andreas Wietstock und der Springer Ortsvertrauensfrau der Landfrauen Springe, Marion Ohning. FOTO: MISCHER
Mischer

Autor

Ralf T. Mischer Redakteur zur Autorenseite

Oder, um es mit Konfuzius zu sagen: „Die ganze Kunst der Sprache besteht darin, verstanden zu werden.“ An dem Ziel haben jetzt die Landfrauen gemeinsam mit Ortsbürgermeister Andreas Wietstock (SPD) gearbeitet.

Wie berichtet, hatte der Ortsrat der Patchworkgruppe des Vereins jüngst einen Antrag auf Zuschüsse nicht bewilligt. Unter anderem, weil einigen Ortsratsmitgliedern nicht klar war, ob es sich bei den Landfrauen um einen Völksener Verein handelt. „Es war für uns der erste Antrag dieser Art“, betont Christiane Rodenberg, stellvertretende Vorsitzende der Landfrauen Springe – und Völksenerin.

Von Anfang an: Der 15. Geburtstag der Handarbeitsgruppe „Deisterflickwerk“ innerhalb des Landfrauenvereins wurde in Völksen gefeiert. Nicht zuletzt, weil die Mehrheit der Mitglieder in der Gruppe Völksenerinnen sind, sagt Christine Rodenberg, stellvertretende Vorsitzende des Landfrauenvereins Springe.

Und weil Völksen eben genau für solche Vereinsjubiläumsfeiern einen speziellen Zuschussetat hat, über den am Ende des Jahres verfügt wird, stellten die Landfrauen einen Antrag. Dabei geht es in der Regel nicht um hohe Beträge, sondern um Geld im niedrigen zweistelligen Bereich.

Einen genauen Betrag haben die Landfrauen aber nicht in ihren Antrag geschrieben – womöglich, weil sie nicht um die mögliche Zuschusshöhe wussten. Das allerdings war nicht der Hauptgrund dafür, dass die Mehrheit des Ortsrates den Antrag nicht bewilligte. Immerhin ist in Völksen vorgesehen, dass der Ortsrat Vereine aus dem Ort finanziell unterstützt werden. Und die Landfrauen Springe?

„Die Landfrauen sind in Völksen für den Ort sehr aktiv“, argumentiert Helge Zdebel-Müller von der Patchworkgruppe im Landfrauenverein. Deren Mitglieder wiederum sind nicht ausschließlich Völksenerinnen – sondern kommen auch aus anderen Ortsteilen. Das liegt an den Regeln der Landfrauen, erläutert Rodenberg. Auch wenn die Landfrauen in Völksen über 60 Mitglieder haben: „Wir sind nun mal ein Teil der Landfrauen Springe.“

Und dennoch in Völksen sehr aktiv. Rodenberg zählt auf: der Stand auf dem Weihnachtsmarkt, ihre Aktivitäten bei Erntedank, das Nähen der Babydecken fürs Starterpaket für Neugeborene – und und und. Natürlich auch das Fest, die Patchworkgruppe wurde vor 15 Jahren gegründet, sei für Völksener gewesen. „Solche Feiern halten doch den Ort zusammen“, sagt Zdebel-Müller.

Ortsbürgermeister Andreas Wietstock hört sich die Argumente während eines Treffens mit den Landfrauen an. Und er verweist darauf, dass vor Jahren einmal ausgearbeitet worden sei, wann Vereine vom Ortsrat Geld für Jubiläen erhalten können, und welche Bedingungen sie erfüllen müssen. Und er versichert: „Die Ablehnung war eine formale Sache, da bekommen wir eine Lösung hin – ich selbst sah da eigentlich keine Probleme.“ Die Landfrauen seien in Völksen aktiv „und setzen sich seit Jahren für Völksen ein“. Der Ortsrat soll nun erneut über den Zuschussantrag entscheiden. Das war schon Beschlusslage im Ortsrat: Dass die Landfrauen ihren Antrag präziser formulieren und für die nächste Sitzung im Januar erneut vorlegen.



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