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27°

Warme Gedanken

Springe. Wer‘s warm haben will, muss zahlen: Mit einem ungewöhnlichen Pilotprojekt versucht die St.-Andreas-Gemeinde, den hohen Heizkosten Herr zu werden. Ab dem Herbst wird die Kirche bei Gottesdiensten und Veranstaltungen auf 10 Grad heruntergekühlt. Wem das zu kalt ist, der muss Geld auf den Tisch legen – pro zusätzlichem Grad werden 25 Euro fällig.

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Der Kirchenvorstand habe sich nach langer Beratung zu diesem Schritt entschieden, erklärt Pastor Klaus Fröhlich. Die Heizkosten – gut 5000 Euro im Jahr – seien „nicht mehr zu verantworten“. Alein jeder Gottesdienst koste rund 150 Euro. Den Weg vieler anderer Gemeinden habe man nicht gehen wollen: Dort wird in den kalten Monaten die Kirche geschlossen; die Gottesdienste finden etwa im Gemeindehaus statt. „Wir wollen aber unbedingt unseren sakralen Raum zugänglich machen“, sagt Fröhlich.

Mit Fachleuten beriet der Kirchenvorstand seinen Plan: Welche Temperatur ist vertretbar? Was hält die Orgel aus? „Das war eigentlich unsere größte Sorge.“ So kam man schließlich auf eine Grundtemperatur von 10 Grad . „So warm wie an einem durchschnittlichen Herbsttag wird es immer sein“, sagt Fröhlich. Trotzdem wolle man vorbeugen – und die Gottesdienstbesucher zum Tragen ihrer Mäntel ermutigen. „Wir legen aber auch Decken bereit.“ Außerdem sollen die Gottesdienste höchstens eine Stunde dauern, um die Kälte nicht unerträglich werden zu lassen. Einzige Ausnahme: die Weihnachtsfeiertage. „Hier schenken wir einander eine warme Kirche“, verspricht Fröhlich.

Wer an allen anderen Tagen in diesen Genuss kommen will, muss zahlen – 25 Euro pro Grad. Wer also den sonntäglichen Gottesdienst bei den sonst üblichen 16 Grad erleben möchte, der muss 125 Euro auf den Tisch legen – allein oder als Gruppe. Das gleiche gilt für Konzertveranstalter und alle anderen, die die Kirche warm nutzen möchten. Bei ersten Anfragen für den Herbst und Winter hat der Kirchenvorstand bereits auf die Zahlungspflicht hingewiesen.

Die Regelung gilt erst einmal bis Jahresende, erklärt Fröhlich: „Dann wollen wir schauen, ob sich das so bewährt hat.“ Der Pastor will die Änderung auch in einem geschichtlichen Zusammenhang bewertet wissen: Dass Kirchen im Winter kühl sind, sei eine „jahrhundertealte Gewohnheit“. Er hofft auf den Segen der Gemeinde: „Es kann und darf doch nicht sein, dass das Geld allein auch noch darüber entscheidet, ob in unserer Kirche Gottesdienst ist!“, heißt es in einem Schreiben.

Wer jetzt darauf hofft, mit ausreichend Geld eine Art Kirchen-Sauna betreiben zu können, den muss Fröhlich enttäuschen: Durch die mangelnde Dämmung des alten Gemäuers und mit Rücksicht auf die Orgel „kommt man nicht auf viel mehr als 20 Grad – selbst wenn man volle Kanne durchheizt“. zett

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