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Waldzustandsbericht: Pilze als größte Gefahr für den Wald

Waldzustandsbericht: Pilze als größte Gefahr für den Wald

SPRINGE. Der heimische Wald ist gesund. Ziemlich gesund. „Dem Deister geht es so gut wie seit 300 Jahren nicht mehr“, sagt der Chef des Forstamtes Saupark, Christian Boele-Keimer. Und die Statistik des Landwirtschaftsministeriums gibt ihm recht. Nur der Klimawandel setzt einigen Baumarten zu.

Junge Pflanzen wachsen empor: Christian Boele-Keimer und Hünding Caro vor der Eichenschonung. Foto: Mischer
Mischer

Autor

Ralf T. Mischer Redakteur zur Autorenseite

Genau wie holzzersetzende Pilze.

Gute Nachrichten zuerst: Keine großen Anstiege der Schadstoffwerte in Luft und Boden – und auch die Schwermetallbelastung mit Blei und Cadmium „ist drastisch zurückgegangen“, wie Landesforsten-Pressesprecher Joachim Hansmann betont. Darin kann er einen „positiven Trend“ erkennen.

Forstamtschef Boele-Keimer sagt, dass bei Wanderern und Spaziergängern in diesem Jahr dennoch der Eindruck entstanden sein könnte, dass viele Bäume nicht ganz gesund seien. Und spricht die soggenannte „mittlere Kronverlichtung“ an – so etwas wie chronischer Nadel- oder Blattausfall. Der Anstieg dieser Erscheinung ist am Deister in erster Linie auf eine „große Buchenmast“ – wie der Forstamtschef sagt. Heißt: Die Buchen haben in diesem Jahr besonders viele Bucheckern getragen. Das hat die Bäume geschwächt, infolgedessen werden sie bereits im Sommer Laub ab, um Kraft zu sparen.

Ob es einen Zusammenhang zwischen vermehrter Fruchtbildung und dem Klimawandel gibt, das ist unter Experten umstritten. Klar ist jedoch, dass extreme Wetterereignisse wie große Trockenperioden und lang anhaltende Hitze die Pflanzen anfällig machen für Krankheiten und Schädlingsbefall. Vor allem Pilze stellen am Deister eine Gefahr für die Gehölze dar.

Am Deister ist das gefürchtete Eschentriebsterben, das durch den Pilz Hymenoscyphus fraxineus verursacht wird, zwar auch Thema. Boele-Keimer: „Die Eschen brechen uns weg.“ Aber diese Baumart kommt nicht in großen Anpflanzungen vor, sondern ist dem Gesamtbestand eher beigemischt. Wenn da die Bestände stark gelichtet werden, fällt das nicht so stark auf. Anders ist das bei den Pappeln. Denen setzt der Schlauchpilz Cryptodiaporthe populea stark zu – und hat in diesem Jahr bereits für mächtige Veränderungen im Waldbild rund um die Deisterstadt geführt.

Weil der Pappelrindenbrand ein etwa ein Hektar großes Areal am Rand des Sauparks befallen und die Bäume massiv geschädigt hat, wurden sie komplett gefällt. Mittlerweile wachsen junge Eichen auf der Fläche. „Es ist eine tolle Möglichkeit: Wann haben wir auf einer solch großen Fläche schon die Chance, Eichen zu pflanzen“, sieht Boele-Keimer auch die positiven Seiten am Krankheitsbefall.

Denn in den 1920er-Jahren war die Eiche gefährdet: Die sogenannte Eichenfraßgesellschaft, hungrige Insekten, setzten den Bäumen schwer zu. Jungpflanzen konnten sich überhaupt nicht mehr behaupten. Experten fürchteten damals sogar um den Fortbestand der ganzen Baumart. Davon kann heute keine Rede mehr sein. Nicht zuletzt Dank der aktuellen Pflanzaktion nimmt der Bestand zu.

Boele-Keimer: „In viele Fällen hilft sich die Natur einfach selbst.“

Information

Ein windstiller Tag im Wald und plötzlich kracht es. Ein stattlicher, scheinbar gesunder Baum kippt um. „Das kann passieren“, sagt Hubert Klimke, Pilzexperte aus Völksen. Grund sind holzzersetzende Pilze an den Wurzeln der Bäume, wie etwa der tropfende Schillerporling. Andere Arten, wie das falsche weiße Stängelbecherchen, sorgen für ein Massensterben von Eschen. — weltweit und im Deister. Wer wenigstens das Holz noch nutzen möchte, beeilt sich, es zu fällen. Unterdessen sitzen die Fruchtkörper des gefährlichen Pilzes schon unter den Blättern: Kleine Becher, die darauf warten, ihre Sporen in den übrigen Wald auszusenden. Noch ein Schreck für Waldbesitzer: Der aggressive Hallimasch-Pilz, welcher zuvor gesunde Bäume innerhalb kürzester Zeit niederlegt. „Vom Kampf zwischen solchen Pilzarten und den Bäumen bekommen wir kaum etwas mit“, sagt Klimke. Dabei beklagt er mangelndes Wissen um Pilze nicht nur im Bereich der Pharmazie, sondern auch bei Forstbetrieben. „Pilze sind uralte Lebewesen, die eine gewisse Evolutionsintelligenz entwickelt haben“, führt er aus.

Bisher gebe es nur wenige kluge, menschliche Gegenstrategien, sehr wohl aber undurchdachtes Eingreifen, das Pilze zu nutzen wissen. „Wer Bäume stark zurückschneidet, muss auch das Geld in die Hand nehmen, die Schnittwunden mit Wundbalsam zu versorgen“, betont Klimke. Anderenfalls biete der Baum ein Einfallstor für Pilze.



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