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Zwölfter Jahrgang der Waldorfschule führt Stück von Sergi Belbel auf

Waldorfschule führt Stück von Sergi Belbel auf

SORSUM. Mit dem Theaterstück „Morir - Ein Augenblick vor dem Sterben“ von Sergi Belbel, einem katalanischen Schriftsteller und derzeitigen Intendanten des Nationaltheaters Barcelona, hat sich der zwölfte Jahrgang der Waldorfschule eine schwere Aufgabe aufgeladen.

Der Pfleger (Moritz Schinke) und sein nerviger Patient (Lennart Crüwell), der schließlich an einer Lungenembolie verstirbt. Foto: Voigtmann

Autor

Horst Voigtmann Reporter

Das nach expressiver Darstellungskunst verlangende Stück, wird aber auf überzeugende Art und Weise von den Schülerinnen und Schülern auf die Bühne gebracht. Dafür gebührt ihnen ein eindeutiges Chapeau – ohne Abstriche.

„Morir“ ist ein dichtes Stück mit fragmentarischen Szenen, die zunächst vermeintlich wahllos aneinandergereiht sind, um sich am Ende zu zusammenzufügen.

Ein schlafloser Drehbuchautor mit Schreibblockade sinniert über die Möglichkeit, Menschen im Moment des Sterbens die Chance zu geben, ein anderes, alternatives Leben weiterzuleben. So lässt er in verschiedenen Szenen mal brutal, mal komisch und auch melodramatisch sterben, weil ein Fixer durchdreht, ein Kind am Essen erstickt und mehr. In spiegelbildlicher Reihenfolge lässt er diese Alltagskonstellationen noch einmal durchspielen, ändert die Verkettung, um dem Tod ein Schnippchen zu schlagen – ob das gelingt?

Vermeintlich wahllos sind Ausschnitte von Lebensgeschichten aneinandergereiht, wie in einem Traum, und doch, im zweiten Teil der Aufführung fügen sie sich zu einem positiv überraschenden Ganzen zusammen. Am Ende stirbt nur einer, der Drehbuchautor aus der ersten Szene.

Wie in der griechischen Tragödie, spielt auch ein Chor in der Aufführung eine Rolle, der am Anfang und am Ende auf der Bühne steht und ein Gedicht des chinesischen Philosophen Laotse rezitiert:

„Wenn auf Erden an das Schöne als schön erkennen, so ist dadurch schon das Hässliche gesetzt. Denn Sein und Nichtsein erzeugen einander. Schwer und leicht vollenden einander. Lang und kurz gestalten einander. Hoch und tief verkehren einander. Stimme und Ton sich vermählen einander. Vorher und nachher folgen einander.“

Es ist ein Stück, über deren Botschaft die Besucher vermutlich noch lange nach der Aufführung nachdenken werden.

„Zufälle bestimmen das Leben – und das Sterben. Unvermeidlich erscheint einem oftmals der Fluss des Lebens – aber muss man in dieser Unvermeidlichkeit verharren?“, fragt Autor Sergi Belbel.

Das Stück wird am Sonnabend, 26. November, um 19.30 Uhr letztmalig aufgeführt.

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