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Wärmenetz: Stadt sieht Chancen - und viel Arbeit und Kosten

SPRINGE. Ein Vorzeigeprojekt soll es werden, eines, das anderen Städten als Vorbild dient. Dieter Erdmann, Chef des Stadtentwässerungsbetriebs Springe (SES), sieht rund ums geplante Fernwärmenetz eine Menge Arbeit auf die Stadt zukommen.

Baustellen als Normalität? Das geplante Fernwärmenetz könnte dafür sorgen, dass etliche Straßen aufgerissen werden müssen, um Hausanschlüsse zu reparieren. FOTOS: ARCHIV/ MAGNUS WILLEKE/PIXELIO.DE
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Ralf T. Mischer Redakteur zur Autorenseite

Immerhin gebe es den „dringenden Bedarf“ die Hausanschlüsse im Bereich der geplanten Trasse zu überprüfen – und, wenn nötig, zu reparieren. Andere nötige Projekte müssten womöglich damit auf die lange Bank geschoben werden.

900 Hausanschlüsse wären laut Erdmann von der aktuellen Trassenplanung der Stadtwerke betroffen. Das heißt: In dem Bereich, in dem die Anschlüsse liegen, würden die Stadtwerke die Rohre für die Fernwärme verlegen. Und zwar laut Erdmann über den bestehenden Hausanschlüssen. Mit der Folge, dass die nicht mehr gut erreichbar seien: „Wenn an den Hausanschlüssen etwas kaputt ist, können wir keine Maschinen mehr einsetzen, um die Leitungen frei zu legen.“ Handarbeit ist gefragt – und die ist deutlich teurer. Erdmann rechnet damit, dass die Arbeiten bis um den Faktor drei teurer werden.

Nicht verwunderlich, dass der SES-Chef mit Blick auf vorhersehbare künftige Kostenexplosionen darauf setzt, möglichst viele Anschlüsse zu reparieren, bevor die Fernwärmeleitungen darüber liegen. Aber dazu müssen er und seine Mitarbeiter erst einmal wissen, welche Leitung kaputt ist.

Erdmann: „Wir haben über den Zustand der Hausanschlüsse und Leitungen in der Kernstadt aber keine genauen Informationen.“ Der Schwerpunkt der Kontrollen mit Spezialkameras und anschließende Reparaturen habe bisher in Bennigsen gelegen. Dort gelten die Kanäle als dringend sanierungsbedürftig und das wiederum als einer der Gründe dafür, dass der Ort häufig von Hochwasserereignissen heimgesucht wird.

Jetzt also Springe statt Bennigsen – und ein SES-Leiter, der sich ziemlich unter Zeitdruck sieht. „Selbst wenn nur ein Viertel der Anschlüsse saniert werden müssen, wären das immer noch 252 Stück.“ Die binnen zwei Jahren zu reparieren, sei schwer.

„Dann ist in der gesamten Stadt irgendwann nur noch ein Loch neben dem anderen“, fürchtet Erdmann. Denn die Prognose, dass ein Viertel neu gemacht werden müsste, betont er, sei optimistisch geschätzt. „Die wurden in der Zeit von 1950 bis 1970 gebaut, es gibt nicht viele Gründe anzunehmen, dass die Hausanschlüsse gut aussehen.“

Deshalb spricht Erdmann von einer „gewaltigen Anstrengung“, nicht nur finanziell und personell, sondern auch zeitlich. „Wir haben ein Jahr Planungszeit, können zwei Jahre bauen, Ende September 2019 muss alles fertig sein.“ Der Kanalexperte geht davon aus, dass ohnehin nicht alle Leitungen, die erneuert werden müssten, während der Zeit zu schaffen sind. Erdmann: „Dann müssten wir sechs Leitungen pro Woche erneuern.“

Die kurzfristige Planung soll noch dieses Jahr etwa 200 000 Euro kosten. Für die Bauarbeiten hat der Eigenbetrieb vorsichtshalber für die Jahre 2017 und 2018 bereits 3,4 Millionen Euro eingeplant. Dass etwas getan werden muss, daran lässt Erdmann keinen Zweifel: „Es wäre fahrlässig, wenn die Fernwärmeleitung gebaut wird, ohne dass vorher die Hausanschlüsse in Angriff genommen werden.“ Der SES-Ausschuss entscheidet am Dienstag, 22. November, über die Planungskosten.

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