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Vorfall im Revier Köllnischfeld / Verfahren gegen 400 Euro Geldstrafe eingestellt

Vor Gericht: Jäger erschießt Rehkitz-Mutter

Springe. „Falsches Tier, falsche Entscheidung“: Mit diesen Worten beschreibt ein 40-jähriger Jäger den Abschuss eines Rehs, das immer noch seinen Nachwuchs stillte. Geschehen war der jagdliche Frevel im September 2013 im Revier Köllnischfeld. Wegen fahrlässigen Schießens eines Muttertiers musste sich der Mann gestern vor dem Springer Amtsgericht verantworten.

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Autor:

Annegret Brinkmann-Thies

Es geschah bei einer mehrtägigen Gesellschaftsjagd, bei der der Angeklagte von seinem Ansitz aus auf Rotwild wartete. Hier habe sich in den Abendstunden zunächst eine Gruppe Rotwild mit Ricken und Kälbern gezeigt, erzählte der Mann gestern. Doch die Kälber, die er durchaus hätte schießen dürfen, ästen außerhalb seines Sichtfelds im Unterholz.

Nach einiger Zeit sei aus anderer Richtung ein weiteres Reh auf die Lichtung und damit in den Schussbereich des 40-Jährigen gekommen. Er habe das Tier sorgfältig beobachtet. Merkmale, die auf ein Muttertier hinwiesen, habe er aber an dem Tier nicht festgestellt. Auch das Gewicht des Rehs, das eher gering war, habe für ihn auf ein sogenanntes Schmaltier, also eine Art Teenager in der Rotwild-Welt, hingedeutet. Er schoss – und erlegte eine säugende Ricke, wie sich später herausstellte. „Das will man nicht als Jäger“, bekannte der 40-Jährige, der als Gast zu der Gesellschaft geladen gewesen war. Nach seiner Einschätzung habe aber alles dafür gesprochen, dass es sich um ein junges Tier ohne Nachwuchs handelte.

Freiwillig verzichtete der Mann in den folgenden Tagen auf weitere Abschüsse, um an jener Stelle auf das Kalb zu warten, das seine tote Mutter suchen würde. Doch es erschien nicht. Ein anderer Jäger erlegte allerdings ein Jungtier in etwa 500 Metern Entfernung – möglicherweise das Waisenkind.

Mutterlose Kälber werden von den anderen Tieren ausgestoßen, erklärte Forstdirektor a.D. Joachim Menzel als Zeuge. Er selbst hatte an der Jagd nicht teilgenommen, der Staatsforst im Revier Köllnischfeld gehörte aber in seinen Zuständigkeitsbereich. Der Schütze bekam kurz nach dem Vorfall einen Anruf vom Vorsitzenden eines Hegerings, der ihn als „lausigen Waldmenschen“ bezeichnete. Ihm wurde eine Selbstanzeige nahegelegt. Als er sich darüber informieren wollte, war bereits Strafanzeige gestellt, so der Angeklagte. Richterin Tanja Künnemann stellte das Verfahren schließlich gegen eine Geldauflage von 400 Euro ein.

Geladen war auch ein Sachverständiger, der aber nicht mehr gehört wurde. Nach Prozessende machte er aber deutlich, dass ein Jäger das Tier eindeutig als Muttertier hätte erkennen müssen.



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