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Gelebtes Ehrenamt: 40 Jahre war Horst Dey in Flegessen Vereinschef – jetzt geht der 73-Jährige in den Ruhestand

„Von Duschen konnten wir damals nur träumen“

Flegessen. „Das war die Zeit, da haben wir uns nach dem Spiel noch im Bach abgewaschen, denn von Duschen konnten wir damals nur träumen“, sagt Horst Dey und blickt nachdenklich auf das etwas unscharfe alte Schwarz-Weiß-Foto. „Das war im Juni 1955, unser erstes Spiel nach einer einjährigen Ruhepause“, erinnert sich der 73-Jährige und tippt mit dem Finger auf den vorne links knienden Spieler. „Das bin ich.“

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Autor:

Christoph Huppert

Nach vier Jahrzehnten an der Spitze seines FC geht Horst Dey in den wohlverdienten Ruhestand.

Nur wenig ist an Zeugnissen übrig geblieben, denn ein Vereinsarchiv gibt es nicht. Aber in der Erinnerung ist für Horst Dey alles noch lebendig. „Von wegen Boom nach der WM ‘54, ganz im Gegenteil, mangels Interesse gab es damals sogar ein Jahr Pause.“

Genau am 3. Dezember 1971 habe er die Vereinsführung übernommen. „Ich hatte meine zwölfjährige Bundeswehrdienstzeit in Hannover abgeschlossen, war zur Stadtverwaltung nach Hameln gewechselt und konnte mich jetzt dem Verein widmen“, berichtet Dey. Der 1919 gegründete FC Flegessen-Has-perde sei zu dieser Zeit noch ein reiner Fußballverein gewesen. „Wir hatten vielleicht 60 bis 70 Mitglieder, alles Männer, klar, das mit den Frauen kam ja erst sehr viel später“, erinnert sich Dey.

Konsequent machte sich Horst Dey an den Ausbau des Vereins, gewann schnell das Interesse der Jugendlichen („Wir hatten fünf Jugendmannschaften“) und nahm im Januar 1974 die damalige TuSpo Flegessen mit unters gemeinsame Vereinsdach auf.

„So allmählich kamen neben Fußball damit auch andere Sportarten dazu: zuerst Tischtennis, dann im Februar ‘74 die Damengymnastiksparte, das Kinderturnen und andere.“ Immer wieder sei er in dieser Zeit auf die Mitglieder zugegangen, um sie für andere Sportarten zu begeistern.

Auch die äußeren Rahmenbedingungen wurden unter Deys Regiment verbessert. Hauptsächlich in Eigenleistung wurde im Jahr 1995 zusammen mit der Feuerwehr der Sanitärbereich geschaffen, der alte Sportplatz durch einen neuen samt Funktionsgebäude in der Nähe der Schule ersetzt. Immer wieder nutzte Horst Dey, seit 1981 auch Mitglied des Rates der Stadt Bad Münder, seine guten Kontakte, um den großen Traum von einer eigenen neuen Sporthalle zu verwirklichen. „Bei vielen Terminen wurde damals gesammelt. Egal, ob Adventsfeier, Sportlerball oder Osterfeuer, und 2005 haben wir die Halle dann tatsächlich gebaut.“ Die ist mit rund 420 Quadratmetern fast dreimal so groß wie die alte. Wandern, Tanzen, Volleyball, Leichtathletik, zu Beginn des neuen Jahrtausends hatte sich der ehemalige Fußballklub unter Deys Führung zum modernen Mehrspartenverein gemausert. Horst Dey zu seinem Erfolgsrezept: „Man muss viel Zeit und Arbeit investieren und vor allem zu allen Menschen guten Kontakt halten.“ Von der Führung eines Vereins könnten manche Politiker eine Menge lernen. Alles müsse demokratisch entschieden werden, die gefassten Beschlüsse dann aber „beharrlich durchgesetzt“ werden. „Und Sie müssen sich immer wieder neue Ziele stecken, wenn man kein Ziel hat, dann hat man auch keinen Erfolg.“.

Nach 40 Jahren gibt Horst Dey jetzt die Vereinsführung ab. Doch es findet sich kaum noch Führungspersonal, das die notwendige Zeit für die Erfüllung der Pflichten eines Vorsitzenden aufbringen kann. „Kaum einer drängt sich zu dieser Verantwortung“, klagt Dey. Bei der Jahreshauptversammlung Ende Januar soll die Führung deshalb auf mehrere Schultern verteilt werden. „Uns schwebt das Modell dreier gleichberechtigter Vorsitzender plus Kassenwart vor“, erklärt Dey, der bis dahin die Geschäfte weiterführen wird. Die Herausforderungen, denen sich die neue Vereinsführung stellen muss, sind vielfältig. „Denken Sie etwa an die immer wichtiger werdende Rolle des Seniorensports infolge des demografischen Wandels oder die Konkurrenz durch viele andere Freizeitangebote. Heute sind auch die jungen Leute schon sehr mobil, da muss man um jeden Einzelnen kämpfen.“ In vier Jahrzehnten hat Horst Dey seinen FC durch Höhen und Tiefen geführt, den Erfordernissen der Zeit erfolgreich angepasst und zielstrebig modernisiert. Dennoch befällt ihn beim Blick auf das alte Foto ein Hauch von Wehmut. „War eben eine ganz andere Zeit damals.“



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