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Weil in Völksen eine Ära endet: Ulrike Flemes spendet Inneneinrichtung ihres Marktes an die BBS

Vom Traditionsgeschäft ins Kaufmannslädchen

Völksen. „Die Nase hoch und dann rum“, sagt Ulrike Flemes. Dann darf Alex Junghans es probieren. Der BBS-Schüler hat den Dreh mit dem Regalboden schnell raus. Überhaupt: In nur dreißig Minuten haben die jungen Männer den Laden leer geräumt, der einst Generationen von Völksenern mit Lebensmitteln und mehr versorgte.

„Und jetzt einfach mal was eintippen“ – Ulrike Flemes erklärt Fabian Hoppe (l.) und Alex Junghans die elektron

Autor:

Markus Richter

Für Ulrike Flemes und ihren Mann Herbert ist spätestens gestern Vormittag eine Ära zu Ende gegangen: Sie haben ihren Frischemarkt Wesseler Ende November dichtgemacht, 155 Jahre nach seiner Gründung und über 30 Jahren unter der Leitung von Flemes. „Die Zeit war jetzt dafür gekommen“, sagt die Inhaberin. Ein Nachmieter ist nicht in Aussicht. Und so tut Ulrike Flemes Gutes für den Nachwuchs: Sie unterstützt ein Projekt der Berufsbildenden Schulen Springe, indem sie unzählige Regale, Einkaufswagen, den Kassiertisch und sogar eine neuwertige Waage umsonst abgibt.

Fabian Hoppe und Daniel Warmbold haben dafür freiwillig auf ihren „Lieblingsunterricht“ verzichtet, sagen sie schmunzelnd. Dafür müssen sie aber kräftig anpacken. Besonders der Kassentisch entpuppt sich als schwerer Brocken, den alle nur gemeinsam in den Anhänger wuppen können. Draußen steht Lehrerin Gabriele Griese, gibt Anweisungen zum Verladen der Einrichtung in ihrem Pferdeanhänger. Zusammen mit Marina Elm hat die Pädagogin unterrichtsfreie Zeit für das besondere Projekt genutzt.

Elm selbst stammt auch aus einer Händlerfamilie, ist in der Einzelhandelsbranche aufgewachsen. Als das Geschäft geschlossen werden musste, gab es keine Abnehmer für all die Gegenstände. „Es wäre damals ein schöner Gedanke gewesen, wenn junge Leute etwas damit hätten anfangen können.“

„Die Nase hoch und dann rum“ – Alex nimmt unter Anleitung Regalböden auseinander.
  • „Die Nase hoch und dann rum“ – Alex nimmt unter Anleitung Regalböden auseinander.
Zum Abtransport bereit: Die BBS-Schüler nehmen den Kassierbereich mit nach Springe.
  • Zum Abtransport bereit: Die BBS-Schüler nehmen den Kassierbereich mit nach Springe.

Dann ist die Waage fertig zum Verladen. Ulrike Flemes, die sich freut, dass die angehenden Kaufmänner etwas damit anfangen können, erklärt mit Freude und ein wenig Stolz die Funktionsweise des Gerätes. „Dafür muss man noch richtig oben einschalten“, sagt sie lachend und deutet an ihre Stirn. Alex und Fabian tippen drauf los, freuen sich über ein bisschen Lernen zwischen dem ganzen Geschleppe.

Die BBS richtet gerade einen eigenen kleinen „Kaufmannsladen“ in ihren Räumen ein. Einen mit echter Ware und richtiger Ausstattung. Dort trainieren die angehenden Händler Kundengespräche und proben den Ernstfall. Das traurige Ende des Völksener Traditionsgeschäftes hat dann doch noch einen guten Zweck erfüllt. Für Ulrike Flemes steht jetzt schon fest: „Wenn ihr euren Laden eingerichtet habt, komm ich zur Einweihung vorbei!“



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