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Hunderte Springer haben Anspruch auf Zuschüsse – aber bei den Verantwortlichen herrscht Ratlosigkeit

Verwirrung um von der Leyens Bildungspaket

Springe. Ein warmes Mittagessen, Nachhilfe, Musikunterricht oder die Mitgliedschaft im Sportverein: Das Bildungspaket der Bundesregierung soll ab Januar auch hunderten Springer Kindern zugute kommen. Doch wie die gering verdienenden Familien an ihre Zuschüsse kommen sollen, ist wenige Wochen vor dem angepeilten Start offenbar noch völlig unklar.

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Christian Zett Redaktionsleiter zur Autorenseite

Koordiniert werden soll die Förderung durch die Jobcenter der Region Hannover, die sich auch jetzt schon um die heimischen Hartz-IV-Empfänger kümmern. Doch dessen Springer Zweigstellen-Leiter Andreas Wernitz hat bisher zum einen nur „vereinzelte Anfragen“ von Bürgen verzeichnet – und zum anderen wartet er ohnehin erst einmal ab: „Das muss ja in der nächsten Woche erst mal noch den Bundesrat passieren – und das sehe ich auch noch nicht. Aber vorher können wir auch schlecht auf die Träger und Anbieter zugehen.“

Mit denen müsse jedoch eine Vereinbarung über die Kostenabrechnung getroffen werden, so Wernitz. Sein bevorzugtes Modell: Die Anbieter rechnen die Kosten direkt mit dem Jobcenter ab. So wäre auch gewährleistet, dass die Zuschüsse tatsächlich nur für den vorgesehenen Zweck genutzt werden.

Einer dieser potenziellen Anbieter ist die Stadt Springe selbst. Jugendfachbereichleiterin Dagmar Wiese-Cordes hält das Bildungspaket für grundsätzlich sinnvoll – aber es sei auch „mit der heißen Nadel gestrickt“, sagt sie. Und fürchtet, dass bei einer nicht vollständigen Gegenfinanzierung letztendlich höhere Kosten auf Springe zukommen könnten – ähnlich wie beim Ausbau der Krippenplatzbetreuung. Ungeachtet dessen könne man als Stadt etwa bei der Bücherei oder beim Hallenbad Vergünstigungen schaffen, so Wiese-Cordes.

Auch der Kinderschutzbund Springe wartet unterdessen gespannt auf Signale aus Berlin und vom Jobcenter. Die Vorsitzende Roswitha Prüssing hofft, mit den Geldern aus dem Bildungspaket ihren pädagogischen Mittagstisch an Grundschulen sowie ihr Hausaufgabenhilfe-Angebot stabilisieren zu können. „Wenn es da mit den Spenden der Springer mal nicht mehr so klappen würde, müssten wir die Projekte nach einem halben Jahr stoppen.“

Momentan betreut der Kinderschutzbund beim Essen und der Hausaufgaben-Unterstützung laut Prüssing etwa 25 Springer Kinder. „Aber der Bedarf ist da viel höher.“ Vor einigen Jahren habe der Verein geschätzt, dass über 600 Mädchen und Jungen in Springe in Armut leben: „Dieser Wert wird seitdem nicht besser geworden sein“, mutmaßt Prüssing. Der Kinderschutzbund könne diesen theoretischen Bedarf nicht stemmen. „Und das geht auch mit Gutscheinen oder Zuschüssen nicht“, so die Vorsitzende, „aber es wäre zumindest schon mal eine Hilfe.“

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