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Verbrennung nach Sauna-Aufguss

SPRINGE. Schwere Verbrennungen hat eine Kundin eines Springer Fitnessstudios im vergangenen Sommer erlitten, weil eine 21-jährige Mitarbeiterin einen Sauna-Aufguss falsch dosiert hatte.  Jetzt musste sich die Angeklagte wegen fahrlässiger Körperverletzung vor dem Springer Amtsgericht verantworten.

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Autor

Anne Brinkmann-Thies Reporterin

Sie war sehr betroffen, die 21-jährige Eldagserin, die nun auf der Anklagebank saß. Unter Tränen schilderte sie den verhängnisvollen Sonnabend im Juli vergangenen Jahres. Die Sportlerin, die den Saunabereich besuchen wollte, hatte um neue Aufguss-Flüssigkeit gebeten. „Ich hatte das schon lange nicht mehr gemacht und bin hektisch geworden“, berichtete die junge Frau. Mit fatalen Folgen. Denn statt das Aufgussmittel in der vorgeschriebenen Konzentration von 0,5 bis 3-Prozent mit dem Aufgusswasser zu mischen, kippte sie so viel Konzentrat hinzu, das sich eine 20-prozentige Mixtur mit entsprechend hohem Alkoholanteil ergab. Als die Saunabesucherin den Aufguss verwendete, bildete sich eine Stichflamme. Die Frau erlitt dadurch schwere Verbrennungen am ganzen Körper. Sie musste rund zwei Wochen lang in der Medizinischen Hochschule Hannover stationär behandelt werden. Mehr als 20 Prozent ihrer Haut waren von den Verbrennungen betroffen.

Das ging aus einem medizinischen Gutachten hervor, das die Jugendrichterin verlas. Das Opfer konnte nicht am Prozess teilnehmen. Die Frau befindet sich nach wie vor in psychologischer Behandlung und ist seit dem Unfall nicht arbeitsfähig. „Ich habe den Aufguss selten gemacht, ich war mit der Situation überfordert“, berichtete die Angeklagte, die nur aushilfsweise in dem Fitnessstudio gearbeitet hatte und sich nun in einer Ausbildung befindet. Deshalb sei sie unter Stress geraten. „Waren Sie denn allein, konnten Sie niemanden um Rat fragen?“, wollte der Staatsanwalt wissen. Am Wochenende sei sie meist allein gewesen, antwortete die junge Frau. Wann sie vorm Unglückstag zuletzt eine Aufgussmischung selbst angesetzt hatte, konnte sie sich nicht erinnern. Der Staatsanwalt sprach mit Blick auf die Ereignisse von einer „extrem tragischen Geschichte“. Die Jugendrichterin stellte das Verfahren gegen die junge Frau ein. „Sie sind sichtlich mitgenommen“, sagte sie zu der jungen Frau. Eine Geldstrafe sei für die Angeklagte, die nur über ein Taschengeld verfügt, nicht hilfreich. Selbst eine Entschuldigung dem Opfer gegenüber wolle sie nicht anordnen. Die verletzte Frau habe deutlich signalisiert, dass sie traumatisiert sei und jede Erinnerung an diesen Tag scheue.



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