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Unter der Oberfläche

Bennigsen. Er hat nur scheinbar leichte Kost produziert. Zumindest wenn man nach Hans Gustav Böttichers – besser bekannt als Joachim Ringelnatz – Zeitgenossen wie Hermann Hesse, Erich Kästner, Kurt Tucholsky oder Karl Zuckmayers Einschätzungen geht. Sie alle zählten den mal humorvollen, mal nachdenklichen Autor zu den ganz großen Wortkünstlern. Und als solchen brachte Gabriele Rose den Besuchern ihres Vortrages Joachim Ringelnatz auch näher, verlor dabei jedoch den Menschen dahinter nie aus den Augen.

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Es ist voll in der Rudolf-von-Bennigsen-Bibliothek, als Rose mit ihrem Vortrag beginnt. So voll sogar, dass einige der Besucher im Parterre Platz nehmen müssen. Doch dank moderner Technik können sie trotzdem jedes Wort verstehen.

Rose zeichnet den gewundenen Lebensweg des 1883 in Wurzen bei Leipzig geborenen Hans Gustav Bötticher gekonnt nach. Er wuchs als Kind eines Zeichners für Tapetenmuster und bekannten Kinderbuchautors und einer an Kunst begeisterten Mutter auf. Das färbte ab. Erste Werke seines Schaffens wurden bereits 1897 in der Zeitschrift „Kinderlust“ und in „Auerbachs deutschem Kinderkalender“ veröffentlicht. Wirkliches Interesse an seiner Dichtkunst kommt aber erst 1909 auf. In der Schwabinger Künstlerkneipe „Simplicissimus“ wird er von der Wirtin Kathi Kobus zum – wenn auch schlecht bezahlten – Hausdichter gekrönt.

Rose erzählt anschaulich vom Lebensweg des zunächst aufmüpfigen Schülers, der schließlich Seemann wird, aber danach noch andere Berufe ausprobiert und schließlich beim Schreiben bleibt.

Erst nach dem Ersten Weltkrieg, den er als Soldat miterlebt, beginnt Bötticher unter dem Namen Joachim Ringelnatz zu zeichnen. 1920 heiratet er Leonharda Pieper.

Seinen Lebensunterhalt verdiente er ab dann als Vortragskünstler seiner eigenen Gedichte, zunächst von München und später von Berlin aus.

Während seine Frau, die er liebevoll Muschelkalk nannte, in München wohnte, feierte er seine größten Erfolge in Stuttgart, Hamburg, Frankfurt und Berlin. 1933 verhängen die Nationalsozialisten gegen ihn ein Auftrittsverbot.

1934 stirbt Ringelnatz und hinterlässt neben seinen vielen Gedichten auch zahlreiche Bilder.

Das Publikum ist begeistert, hängt Rose an den Lippen und bedankt sich schließlich mit großem Applaus für das anschauliche Lebensbild, das sie gewürzt mit vielen Gedichten gezeichnet hatte.hov



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