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Fortuna Völksen freut sich über Annäherung zum Chor-Rivalen Augusta – dort passt das nicht jedem

„Ungewohnte Eintracht“

Völksen. Für Gudrun Ernert ist es „ein fast historisches Ereignis“: Die Vize-Vorsitzende von Fortuna Völksen schwärmt von einem Fest – das erste, das ihr Verein gemeinsam mit dem alten Rivalen Augusta Völksen ausgerichtet habe. In Zeiten sinkender Mitgliederzahlen wollen sich die beiden Chöre des Orts annähern. Doch es gibt auch kritische Stimmen.

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VON CHRISTIAN ZETT

Blick zurück: Die Spaltung der Völksener Chorlandschaft vollzieht sich im Winter 1886. Im Streit um die Nutzung der Übungslokale im Ort spalten sich einige Mitglieder von Fortuna Völksen ab und gründen den Chor „Augusta“. Im Laufe der nächsten 127 Jahre ist mal der eine Chor erfolgreicher, mal der andere. Doch die Rivalität bleibt: „Wo man eintritt, war manchmal auch eine Frage der Weltanschauung, der Politik“, sagt ein langjähriges Vereinsmitglied.

Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass insbesondere die älteren Mitglieder die neue Freundschaft der Chöre kritisch beäugen. Von Austrittsdrohungen ist die Rede – und davon, dass es Augusta ja eigentlich viel besser gehe als Fortuna; dass man sich nicht unter Wert verkaufen dürfe.

Im Vorstand von Fortuna sieht man das nüchterner. Vereinschef Hans-Peter Vogt stellt klar: „Unser Ziel ist es, zu unserem 150-jährigen Bestehen im kommenden Jahr ein eigenständiges Konzert zu geben.“ Darüber hinaus, räumt der erste Vorsitzende ein, müsse man sich mit Blick auf die Mitgliederzahlen und die „Singfähigkeit“ Gedanken an eine Annäherung an Augusta machen. „Die Tendenz geht klar dahin, die Frage zu stellen, wie es mit dem Chorgesang im Ort weitergeht.“ In jedem Fall gelte es, ein Schicksal wie das des Gesangvereins Bennigsen zu vermeiden: Der Chor hatte sich in diesem Jahr nach 150-jährigem Bestehen aufgelöst.

Grundsätzlich stoßen Vogts Gedankenspiele auch bei Augusta-Chef Andreas Gudewitz auf offene Ohren: Er hatte gegenüber der NDZ schon vor einer Weile angedeutet, er könne sich einen gemeinsamen Traditionschor vorstellen.

Das dürfte auch Gudrun Ernert freuen, aus deren Sicht das gemeinsame Fest der beiden Chöre im Gemeindehaus der evangelischen Kirche „in jeder Hinsicht ein voller Erfolg“ war. Sie spricht von „ungewohnter Eintracht“ – und beschreibt als „Höhepunkt der Veranstaltung einen Sketch: In ihm führen je ein Mitglied von Augusta und Fortuna die fiktive Zusammenführung beider Vereine vor – „mit viel Witz und Charme“, wie Ernert betont.

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