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Angeblich Pläne für die Streichung von bis zu 470 Klinik-Stellen / Was wird aus dem Springer Krankenhaus?

Und wieder geht die Angst um

Springe. Die Stimmung im Springer Krankenhaus ist gedrückt. Viele der Beschäftigten sorgen sich wieder einmal um ihren Arbeitsplatz. Das Gespenst eines drohenden Stellenabbaus geht um. Schlimmer noch – die Angst vor einer Schließung des ganzen Standortes.

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Autor:

marc Fügmann

Genährt werden entsprechende Befürchtungen durch angekündigte Rationalisierungsmaßnahmen. Der erst seit einem Monat amtierende, neue medizinische Geschäftsführer Diethelm Hansen hat den Ruf eines harten Sanierers.

So sind bereits Details aus einem Konsolidierungsprogramm durchgesickert, mit dem der hoch verschuldete Klinikkonzern aus der Krise gesteuert werden soll. War bislang die Rede von 400 Vollzeitstellen, die bis zum Jahr 2017 – angeblich ohne betriebsbedingte Kündigungen – abgebaut werden sollen, geht es nach Informationen der Neuen Deister-Zeitung inzwischen bereits um 470. Weil ein Großteil der Beschäftigten in Teilzeit arbeitet, könnten bis zu 800 Kräfte betroffen sein.

„Die Erfahrung hat leider gezeigt, dass immer zuerst die kleinen Häuser betroffen sind“, klagt eine langjährige Mitarbeiterin des Krankenhauses Springe und fügt hinzu: „Wir haben Angst.“ In der Belegschaft herrsche große Unruhe. Der Betriebsrat habe bei der Geschäftsführung in Hannover schon um ein klärendes Gespräch gebeten, sei aber vertröstet worden. Hansen habe in den nächsten Wochen keine Zeit für einen Termin mit dem Springer Personal gehabt, heißt es.

Viele Mitarbeiter des Regionsklinikums halten es offenbar für möglich, dass im Zuge der neuerlichen Sparrunde ein Standort ganz dicht gemacht werden soll, weil so auf einen Schlag viele Stellen gestrichen werden könnten. Konkrete Pläne dafür bestünden nach seinen Informationen nicht, winkt Michael Aschenbach von der Gewerkschaft Verdi ab. Zumal dies bislang ausdrücklich von Geschäftsführung und Gesellschaftern ausgeschlossen worden sei. Aschenbach, der als Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat des Unternehmens sitzt, sagt aber auch: „In einer Konsolidierungsphase gibt es immer Momente, in denen es keine Denkverbote mehr gibt.“ Verdi halte überhaupt nichts von einem Arbeitsplatzabbau. Aschenbach hält die Idee von Stellenstreichungen sogar für „ziemlich einfallslos. Wir brauchen eher mehr als weniger Leute.“ Schon heute sei die Belastung vor allem im Pflegebereich sehr hoch.

Auch die Schließung einzelner Standorte wäre ein falsches Signal, glaubt Aschenbach – eines gegen Bürgernähe. Gerade an der Peripherie der Region sei es wichtig, eine flächendeckende Versorgung sicherzustellen. Wenn dieses weiterhin das erklärte politische Ziel sei, müsse auch die Finanzierung sichergestellt werden.

Gespart werden müsse zweifellos – aber an anderer Stelle. „Wir müssen uns beispielsweise fragen: Wo gibt es Angebote, die sich nicht rechnen?“

Die Lage des Springer Krankenhauses sei strategisch von großer Bedeutung, glaubt auch die Völksener Landtags- und Regionsabgeordnete Gabriele Kohlenberg (CDU), die ebenfalls Mitglied des Aufsichtsrates ist. Es sei ein Trugschluss, anzunehmen, dass sich bei einer Schließung des Standortes alle Patienten im Einzugsgebiet automatisch nach Hannover orientieren würden.

Dass nun wieder einmal über die Zukunft der 100-Betten-Klinik am Deister spekuliert und so neue Unruhe ausgelöst werde, ärgere sie maßlos, sagt Kohlenberg. Der ständige Wechsel innerhalb der Geschäftsführung habe aber unstrittig dazu geführt, dass sich das Klinikum schon lange in einer sehr schwierigen Situation befindet. Befeuert wurde die Debatte ihrer Ansicht nach von der SPD, die auf Landesebene deutlich gemacht habe, dass sie kleine Krankenhäuser für nicht überlebensfähig halte. „Natürlich mache ich mir weiter Sorgen um Springe“, gibt Kohlenberg offen zu. Sie werde aber weiter energisch für den Erhalt aller kleinen Standorte kämpfen.

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