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Doppelter Jahrgang fordert logistischen Aufwand am OHG / 300 Prüfungen werden abgenommen

Turbo-Abitur: Eine Schule steht unter Druck

Springe (ame/ans). „Auf das Lehrerkollegium des Otto-Hahn-Gymnasiums (OHG) wartet eine gewaltige organisatorische Aufgabe.“ So beschreibt Carl-Clemens Andresen die Herausforderungen, die das „Turbo-Abitur“ auf sich ziehen wird. „Statt der üblichen 130 Abiturienten stürmen nach dem Schuljahr 2010/2011 knapp 300 Schulabgänger den Arbeitsmarkt oder die Universitäten.“

T. Malcharzik

Dass die Hochschulreife statt nach 13 bereits nach 12 Jahren erlangt wird, findet Andresen allerdings nicht sonderlich problematisch. „Um die zusätzliche Unterrichtungsversorgung zu gewährleisten, bekommen wir demnächst vier Planstellen.“ Durch freiwillige Mehrarbeit sei darüber hinaus bereits das Kollegium aktiv geworden – und konnte so zwei Lehrstellen erwirtschaften. Das entspreche 41 zusätzlichen Wochenstunden. „Im vergangenen und aktuellen Schuljahr konnten wir so jeweils 1,5 Förderstunden pro Jahr und zehnter Klasse geben“, sagt der Schulleiter. So hätten die Schüler den zusätzlichen Stoff aufholen können, den sie sonst in der 11. Klasse vermittelt bekommen hätten.

Tobias Malcharzik, Vertreter der OHG-Schülerschaft, steht dem „Turbo-Abitur“ skeptischer gegenüber: „Wir Schüler stehen unter einem enormen Druck und einige haben schon große Angst, das Abi nicht zu schaffen.“ Der 16-Jährige hat Glück: Im kommenden Schuljahr wird sein Jahrgang mit dem jetzigen 11. einen Doppeljahrgang für das Abitur bilden. In eine der 11. Klassen geht sein älterer Bruder. „Ich frage ihn immer noch, wenn ich mal Probleme mit dem Lernstoff habe – weil er mir noch voraus ist.“ Damit widerspricht Malcharzik der Einschätzung seines Schulleiters. Andresen sieht keinen gravierenden Leistungsunterschied zwischen dem 10. und 11. Jahrgang. „Ich bin darüber auch sehr überrascht, denke aber, dass es daran liegt, dass die Schüler der 10. Klassen wegen des Turbo-Abis besonders alarmiert und motiviert sind“, sagt er.

Für den Schülervertreter liegen die Nachteile des Abiturs nach 12 Jahren auf der Hand: „Ich habe jetzt schon wenig Freizeit, würde aber gerne ein Instrument oder Spanisch lernen.“ Doch dafür habe er neben seinem Pflichtprogramm aus drei mal neun Schulstunden und Hausaufgaben bereits jetzt keine Zeit.

C.-C. Andresen
  • C.-C. Andresen

Wenn die Zehntklässler ein Auslandsjahr absolvieren möchten, müssten sie sich das in Zukunft reiflich überlegen, meint Malcharzik. „Durch den vielen Schulstoff müssten sie die 11. Klasse auf jeden Fall wiederholen.“

Eine positive Entwicklung am OHG sieht der 16-Jährige in der Einführung eines Hausaufgaben-Scouts. „In jeder Klasse gibt es einen, der darauf achtet, dass die Hausaufgaben nicht länger als 90 Minuten dauern.“ Falls diese Zeit überschritten werde, spricht er den Lehrer an.

Schulelternratsvorsitzender Hans-Ulrich Siegmund spricht sich dafür aus, den Schülern weniger Hausaufgaben zu geben, damit sie noch etwas Freizeit haben. Prinzipiell finde er die Idee des Abiturs nach 12 Jahren allerdings gut. „Aber ich denke, dass auch die gesamte Fächeranzahl entrümpelt und neu strukturiert werden sollte“, sagt Siegmund. Denn die vermehrten Stunden seien schon eine Belastung für die Schüler. 38 Wochenstunden hätte der zehnte Jahrgang. „Wenn die Schüler zehn Stunden haben, sind sie erst gegen 17 Uhr zu Hause. Zeit für Sport oder zum Freunde treffen bleibt da kaum“, meint er.

Rektor Andresen: „Ich bedauere die Konkurrenz zwischen Schule und Verein.“ Auch Wilfried Baxmann, Vorsitzender des Sportrings, sieht noch Nachholbedarf: „Schulen und Vereine sollten mehr aufeinander zugehen.“



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