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Teurer Notdienst-Einsatz vor Gericht

SPRINGE. Ein abgebrochener Haustürschlüssel hat für einen Springer ein teures Nachspiel gehabt. Mehr als 1000 Euro musste er für das neue Schloss berappen, das ihm ein Monteur eines 24-Stunden-Notdienstes eingebaut hatte.

Foto: Archiv

Autor:

Anne Brinkmann-Thies

Der Springer zeigte anschließend den Monteur an, der sich jetzt vor dem Springer Amtsgericht wegen des Vorwurfs der Nötigung und des Wuchers verantworten musste. Die Strafrichterin sprach den Mann frei.

Der Vorfall ereignete sich bereits vor drei Jahren in einem Springer Einfamilienhaus. Der heute 64-jährige Hauseigentümer wollte mit einem seiner drei Hunde Gassi gehen, als ihm beim Zuschließen der Haustür der Schlüssel abbrach. „Drinnen waren aber meine beiden anderen Hunde fest“, sagte der Mann. Er verständigte einen Schlüssel-Notdienst, scheinbar mit Sitz in Springe. Doch die Firma, so stellte sich heraus, hatte ihren Sitz im Ruhrgebiet.

Ein Monteur war aber nach rund 45 Minuten vor Ort. Zunächst habe der Firmenmitarbeiter von einer Summe von 300 Euro gesprochen, erinnerte der Hausherr. Er habe daraufhin eine Auftragserteilung unterzeichnet. Die Kosten hätten sich aber quasi mit jedem Handschlag des Monteurs erhöht, berichtete der Springer. Sie kletterten von 600 Euro für ein neues Schloss über rund 800 Euro für ein Zylinderschloss samt Sicherheitsbeschlägen auf schließlich 1025 Euro, weil noch neue Türbeschläge notwendig wurden.

Der Auftraggeber zahlte - in bar. Zunächst fuhr er, anschließend auch noch seine Tochter, zur Bank, um die entsprechenden Beträge abzuheben. „Der Monteur hat gesagt, ich müsse bar bezahlen, sonst bekomme ich die Schlüssel nicht“, erklärte der Hausherr. Zudem habe er ein wenig Angst gehabt vor dem Mann. „Ich befürchtete, dass er mir an den Kragen geht, wenn ich nicht zahle“, sagte der Springer.

Der Angeklagte habe damals nicht so gepflegt ausgesehen wie jetzt vor Gericht, fügte er hinzu. Dem Angeklagten entlockte diese Aussage einen Ausruf des Entrüstens. Der Mann arbeitet schon lange nicht mehr bei der Firma, die inzwischen in Konkurs gegangen ist. Die Beträge, die er bei solchen Einsätzen von den Kunden einfordern müsse, seien vorgegeben gewesen, berichtete er. Eine erste Verhandlung in dieser Sache hat es bereits vor eineinhalb Jahren gegeben. Damals wurde der Prozess ausgesetzt: Ein Gutachten sollte klären, ob der Preis für ein neues Schloss branchenüblich sei. Der Preis sei eindeutig zu hoch gewesen, erklärte die Richterin. Den Monteur sprach sie dennoch frei. Er habe den Hausherrn nicht genötigt zu zahlen, der sich wiederum in keiner Zwangslage befunden habe. Deshalb sei auch kein Wucher nachzuweisen.



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