weather-image
17°

Südlink-Infomarkt in Springe: Transparenz mit Gummibärchen

Wenn ein Unternehmen irgendwo einen Infotisch aufbaut, tauchen sie wie von Zauberhand auf: Gummibärchen, Kugelschreiber, Tragetaschen. Alles gratis. Das gilt auch, wenn das Unternehmen nichts verkaufen will, sondern informieren: Tennet hatte eingeladen zum Infomarkt rund um die Megastromtrasse Südlink. Ein Besuch.

Viele Informationen: Besucher der Südlink-Veranstaltung im Schulzentrum Nord.
zett2

Autor

Christian Zett Redaktionsleiter zur Autorenseite

Beim Reinkommen wird‘s an diesem Dienstagabend erst mal lecker: Ein großes Schnittchen-Buffet ist aufgebaut, es gibt Gratis-Essen und Freigetränke. Die Atmosphäre in der kleinen Aula erinnert an eine Ausbildungsbörse oder an eine kleine Wirtschaftsschau: Stände, Präsentationen, Broschüren, leise Gespräche, angeregte Diskussionen.

Gekommen sind vor allem die, die Konsequenzen befürchten, wenn der Südlink in einigen Jahren tatsächlich vorbei an Bennigsen, Eldagsen, Alferde verläuft: Landwirte, Naturschützer, Anwohner. Sie informieren sich an Modellen, die die Verlegung der Leitungen zeigen. Diskutieren vor digitalen Karten des Korridors, der momentan noch einen Kilometer breit eingezeichnet ist, am Ende aber auf 35 Meter oder weniger zusammenschrumpfen wird. „Ich will wissen, was das für den Boden bedeutet, wie er sich erwärmt“, sagt eine Landwirtin. Gibt es Auswirkungen auf Anpflanzungen.

Bernd Gallas vom Springer Naturschutzbund diskutiert nebenan mit einer Tennet-Mitarbeiterin über das Naturschutzgebiet „Ziegeunerwäldchen“ bei Eldagsen. Momentan führt der Planungskorridor direkt am Rand der Fläche vorbei – wie eng es später wird, ist noch unklar. „Das Problem sind die Bauarbeiten“, sagt Gallas. Wie betreffen sie das Gebiet? Und: Verbaut der Südlink im wahrsten Sinne des Wortes die Chance, das Ziegeunerwäldchen um eingeplante Erweiterungsflächen im Süden zu vergrößern?

Das Tennet-Team bemüht sich um die Besucher, gibt geduldig und freundlich Antworten: Trassenverlauf, Bauweise, Auswirkungen. Referentin Elisabeth Benecke freut sich über die ruhige Atmosphäre – ein Grund, um das Infomarkt-Format zu wählen: Zu Beginn habe man auch mit klassischen Vorträgen und Fragestunden gearbeitet, sagt sie.

Doch dabei seien viele einzelne und sehr individuelle Anliegen unter den Tisch gefallen. Nun könne jeder gezielt den Experten ansteuern, den er brauche. „Natürlich schimpft auch mal jemand“, sagt Benecke. Gerade in Ortschaften, in denen es schon ICE-Trassen, Autobahnen, große Umspannwerke gebe, werde der Südlink natürlich noch kritischer beäugt.

Das Thema Entschädigung für betroffene Grundstückseigentümer (oft Landwirte) sei dagegen weniger häufig ein Thema: „Wir machen den Leuten klar, dass das der Gesetzgeber regeln muss, nicht wir“, sagt Benecke.“ Sie steht jetzt vor dem Baustellen-Modell, das mit Mini-Bäumen und Fahrzeugen an eine Modelleisenbahn erinnert. Hier sieht man, wie die Kabel tatsächlich verlegt werden sollen.

Bleibt es bei den geplanten 320-kV-Kabeln, gibt es vier Gräben mit je zwei Leitungen. Bis zum Sommer, sagt Benecke, solle sich entscheiden, ob man stattdessen 525-kV-Leitungen nutze: Dann käme man auch bei Springe mit zwei Gräben á zwei Leitungen aus – und einem deutlich schmaleren Streifen: 15 statt 35 Meter, schätzt sie. Seit 16.30 Uhr hatten Benecke und Kollegen bereits Vertreter des Rats in einem Nebenzimmer über das Südlink-Verfahren informiert. Zwei Stunden später endet das Gespräch, auch Bürgermeister Christian Springfeld kommt nun beim Infomarkt vorbei. Tennet habe sich bislang „sehr transparent“ präsentiert, auf alle Fragen habe es eine Antwort gegeben: „Man merkt, dass man es mit Profis zu tun hat“, kommentiert der Bürgermeister. Dann startet er seinen Rundgang, vorbei am Tisch mit den Gummibärchen. Die kleinen Tütchen sind bedruckt mit einem großen Strommast.



Anzeige
Weiterführende Artikel
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt