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Sue Sheehan gibt US-amerikanische Staatsbürgerschaft ab

ELDAGSEN/DÖRPE. Zunächst war es ein Witz. Vor der Wahl Donald Trumps zum Präsidenten der Vereinigten Staaten hatte die in Illinois geborene Sue Sheehan scherzhaft angekündigt: „Wenn er Präsident wird, gebe ich meinen amerikanischen Pass zurück.“ Nicht glauben wollend, dass so viele für den Republikaner stimmen würden.

Sue Sheehan zeigt ihren deutschen Personalausweis: Die Sängerin hat ihre US-amerikanische Staatsbürgerschaft abgegeben. FOTO: brinkmann-thies

Autor:

anne brinkmann-thies

Die Wahl Trumps war dann für die seit mehr als 30 Jahren im Raum Springe lebende und musizierende Sheehan quasi der Auslöser, über diesen Schritt ernsthaft nachzudenken: Die deutsche Staatsbürgerschaft anstelle der US-amerikanischen anzunehmen. Denn für die Mutter zweier erwachsener Söhne, die sich um die Region Hannover und den Landkreis Hameln-Pyrmont einen Namen als Sängerin, Songwriterin und Musikerin gemacht hat, steht seit Langem fest: „Ich bleibe in Deutschland“.

Dass sie als im Ausland lebende US-Amerikanerin nach einem relativ neuen Steuergesetz Foreign Account Tax Compliance Act (FACTA) auch eine Steuererklärung in den USA abgeben musste, hat sie schließlich in dem Entschluss bestärkt, ihren Pass zurückzugeben.

Doch das war leichter gesagt als getan. Denn sich von den USA loszusagen, ist zum Einen teuer. 2300 Euro hat Sheehan dafür hinblättern müssen. Und viel Zeit und Energie aufwenden müssen, um überhaupt beim US-amerikanischen Konsulat in Frankfurt vorsprechen zu können. „Sechs Wochen habe ich versucht, dort einen Termin zu bekommen, um meinen Pass abzugeben“.

Eine eher vage Zusage per E-Mail, an einem Tag im März um 9 Uhr in Frankfurt zu sein, nahm sie wahr – und fuhr vergeblich vier Stunden lang in die Main-Metropole. Heute nicht, hieß es dort lapidar. Unverrichteter Dinge musste sie den Rückweg antreten. Schließlich schickte sie ein Einschreiben samt Rückschein zum Konsulat. Dann ging alles ganz schnell – und rechtzeitig genug, um sich für die einmal im Jahr stattfindende Einbürgerungsfeier in Hameln anzumelden.

Die Einbürgerung am 5. September mit Frauen und Männern aus vielen Ländern sei sehr schön gewesen. Sheehan, die zunächst in Boston und dann in London Film- und Theaterwissenschaften studiert hat und Mitte der 1980er Jahre mitsamt ihrem Fahrrad nach Deutschland kam, ist hier schon lange heimisch.

Mit ihrem Mann Peter, den sie beim Freiwilligendienst Service Civil International kennengelernt hat, lebte und arbeitete sie einige Jahre am Energie- und Umweltzentrum in Eldagsen. Dann zog die Familie nach Dörpe.

Sue Sheehan, die im letzten Jahr ihren Master of Arts für Weltmusik und Musik an der Uni Hildesheim gemacht hat, spielt in mehreren Gruppen und gründete einige Bands, zuletzt die „Sue Sheehan Band“: „American Songwriting mit irischen Wurzeln“, beschreibt sie die Lieder, die sie selbst getextet und komponiert hat. Denn Sheehans Vorfahren stammen aus Irland. Vielleicht auch deshalb zieht es die kreative Deutsche mit den US-amerikanischen Wurzeln oft in die Welt hinaus. Aber auch in die USA reist sie mit ihrem neuen Pass regelmäßig – denn dort lebt nach wie vor ein Teil ihrer Familie.



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