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Straße nach Gestorf: Haariges Überholmanöver vor Gericht

VÖLKSEN/GESTORF. Das wäre fast ins Auge gegangen: Weil ein LKW-Fahrer aus Sehnde beim Überholen eines Rüben-Transporters fast einen Unfall verursacht hatte, musste er sich jetzt vor dem Springer Amtsgericht wegen des Vorwurfs der Straßenverkehrsgefährdung verantworten.

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Autor:

ANNE BRINKMANN-THIES

Im vergangenen Herbst war der 61-jährige Berufs-Kraftfahrer mit einem voll beladenen 40-Tonner auf der Kreisstraße 216 in Richtung Gestorf unterwegs. Eine lange Autoschlange habe sich hinter einem Traktor mit zwei Anhängern gebildet, berichtete der Mann vor Gericht. „Peu á peu haben die Fahrzeuge überholt“, schilderte er die Situation. Kurz vor der Abfahrt nach Mittelrode sei er selbst ausgeschert. Da sei der Traktor mit etwa 30 Stundenkilometern unterwegs gewesen. „Die Gegenfahrbahn war mindestens auf einer Strecke von einem Kilometer frei.“ Und: Von seinem erhöhten Fahrersitz aus habe er die gerade Strecke gut beobachten können.

Während seines Überholmanövers habe der Traktorfahrer dann aber auf 60 Stundenkilometer beschleunigt – und dabei auch telefoniert. Plötzlich sei auf der Gegenfahrbahn eine weiße Geländelimousine (SUV) aufgetaucht, die offenbar auch schneller als die dort damals erlaubten 100 Stundenkilometer fuhr.

Er habe das Überholen nicht schnell genug beenden können, berichtete der Angeklagte. „Ich wollte abbrechen, aber das ging nicht, weil hinter mir schon zwei weitere Autos mit Überholen begonnen hatten“, erklärte der 61-Jährige. Der Fahrer des weißen SUV musste ausweichen, indem er auf einem Radweg neben der Fahrbahn zum Stehen kam. Und auch das landwirtschaftliche Gespann wich nach rechts aus. So konnte der Lastwagen durch die entstandene Lücke fahren. „Was sollte ich anderes machen?“, fragte der Angeklagte in Richtung der Richterin und des Staatsanwalts. Alternativ hätte er höchstens selbst in den Graben fahren können, sagte der Mann, der sich bislang nichts hat zu Schulden kommen lassen.

Dass er beschleunigt haben soll, während der Lastwagen ihn überholt hat, bestritt allerdings der Traktorfahrer, der aus Alvesrode stammt. Sein Gespann sei kontinuierlich mit 40 Stundenkilometern unterwegs gewesen, um Rüben nach Nordstemmen zu transportieren. Eine höhere Geschwindigkeit sei für das Gespann ohnehin nicht erlaubt, so der Landwirt.

Die Situation beschrieb er vor Gericht so: „Das war wirklich haarsträubend“. Nur, weil er selbst nach rechts auf den Grünstreifen ausgewichen sei, habe ein Unfall vermieden werden können. Das entgegenkommende SUV habe scharf bremsen müssen. Allerdings konnte der Landwirt nicht ausschließen, dass der Angeklagte das Manöver nicht abbrechen konnte, weil es hinter ihm keine Lücke mehr gab.

Genau deshalb aber sprach das Gericht den Mann frei. „Im Zweifel für den Angeklagten“, begründete die Strafrichterin das Urteil.

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