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Oberlandesgericht Celle fällt Entscheidung im „Zwillingsfall“ / Vaterschaft lässt sich nicht zweifelsfrei klären

Steuerzahler muss für Kindesunterhalt aufkommen

Springe/Celle (ube). Urteil im spektakulären „Zwillingsfall“: Der Springer Thomas L. (29) muss keinen Unterhalt für einen neunjährigen Jungen zahlen. Die Vaterschaft lasse sich nicht zweifelsfrei feststellen, befand der 15. Zivilsenat des Oberlandesgerichts (OLG) Celle in seiner gestrigen Entscheidung.

Thomas L.

Damit wiesen die Richter die Unterhaltsklage des Kindes ab und kippten ein Urteil des Familiengerichts Hameln. Das war seinerzeit zu dem Schluss gekommen, Thomas L. müsse das Kind gezeugt haben. L. verlangte jedoch einen wissenschaftlichen Beweis für seine Vaterschaft, da auch sein eineiiger – also genetisch identischer – Zwillingsbruder eine sexuelle Beziehung mit der Mutter, die in Hameln lebt, gehabt hatte.

Zunächst hatte das OLG Humangenetiker beauftragt, mit einem langwierigen und sehr teuren Verfahren herauszufinden, welcher der beiden potenziellen Väter der Richtige ist. Mit dem Versuch, die Vaterschaft eines der beiden Männer auszuschließen, betraten die Forscher eigenen Angaben zufolge allerdings „wissenschaftlich-technisches Neuland“. Ein erstes Gutachten schlug mit knapp 95 000 Euro zu Buche – ohne jedoch ein Ergebnis zu bringen.

Das OLG hat lediglich schriftlich seine Entscheidung bekannt gegeben. Eine Urteilsbegründung liegt derzeit weder dem Kläger noch dem Beklagten vor. Es ist aber anzunehmen, dass die Richter nicht noch mehr Geld für weitere Tests bereitstellen wollten. Damit bleibt ungeklärt, wer der Vater des Jungen ist. Unterhalt muss damit weiter das Jugendamt – also der Steuerzahler – bezahlen.

Das Gericht dürfe sich nicht äußern, da Kindschaftssachen zum Schutz der Privatsphäre nicht öffentlich verhandelt werden, so eine Sprecherin. Annette Kuhlmann, die den Jungen vertritt, wollte zu dem Urteil nicht Stellung nehmen. Thomas Ls Rechtsanwalt Roman von Alvensleben sagte, er freue sich über den juristischen Erfolg. Für das Kind sei es jedoch „ein schwarzer Tag“.

L. selbst zeigte sich erleichtert, dass er nicht „einfach so zum Vater gemacht worden“ sei. „Ich habe mich gegen das Urteil des Amtsgerichts zur Wehr gesetzt, weil ich mir kein Kuckuckskind unterschieben lassen wollte.“ Das Ergebnis, so der 29-Jährige, sei allerdings aus Sicht des Kindes „moralisch nicht in Ordnung, weil jedes Kind schon wissen sollte, wer sein Vater ist“.

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