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Stelle einer Gleichstellungsbeauftragten wird teuer

SPRINGE. Not amused – so könnte man die Haltung von Bürgermeister Christian Springfeld beschreiben, wenn es um die anstehende Einstellung einer hauptamtlichen Gleichstellungsbeauftragten geht.

Steht bereit: Anke Niemand
katharina

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Katharina Weißling Redakteurin zur Autorenseite

„Das ist immer blöd, wenn das Land uns Kommunen zu etwas zwingt und dann nur einen Teil der Kosten übernimmt“, führt er aus, warum gerade dieses Thema ihn eher verstimmt.Denn eigentlich ist die Stadt Springe mit der aktuell kostengünstigen Lösung einer ehrenamtlichen Gleichstellungsbeauftragten zufrieden. Der Posten schlägt mit einer Aufwandsentschädigung von 300 Euro pro Monat zu Buche. „Und ich finde Frau Niemand macht das gut“, bemerkt Springfeld.

Aus seiner Sicht ist Gleichstellung kein wunder Punkt der Verwaltung. „Ich behaupte, wir können hier über alles reden und meine Tür steht sowieso immer offen“, setzt er hinzu. Wohl wissend, dass eben diese Haltung nicht messbar in Zahlen oder Statistiken ist. Zwar seien viele Frauen für die Stadt beschäftigt, in den oberen Führungsrigen aber auch in Springe lange zu suchen und das wörtlich. „Auch wenn wir ausdrücklich darauf hinweisen finden wir nicht immer die qualifizierten Bewerberinnen, die wir suchen.“

Unterdessen hat Personalchef Gerd-Dieter Walter schon nachgerechnet, was die Forderung des Landes für den Haushalt der Stadt bedeutet. „Wir rechnen mit Personal- und Arbeitsplatzkosten von insgesamt 30.000 bis 40.000 Euro pro Jahr“, beziffert er die zu erwartenden Kosten der zu schaffenden Halbtagsstelle mit mindestens 19,5 Wochenstunden. Vom Land ist bereits bekannt, dass es sich voraussichtlich mit 12.000 bis 20.000 Euro pro Gleichstellungsbeauftragter beteiligen wird. „Ich finde das einfach bedauerlich“, kommentiert Personalchef Gerd-Dieter Walter diese Art des Landes, den Kommunen Ausgaben aufzubürden, die diese aus eigenem Antrieb heraus nicht tätigen würden. Im konkreten Beispiel muss die Stadt mit unausgeglichenen Mehrkosten in Höhe von etwa 16.000 Euro rechnen.

Schon jetzt ist klar, dass die Stadt die eingeräumten Fristen, um diese Vorgabe umzusetzen, großzügig ausnutzen will. Denn eigentlich gilt die Regelung bereits seit dem 1. Oktober dieses Jahres. Springe dagegen will die Stelle wohl erst im Frühjahr ausschreiben. Mit einer Besetzung rechnen Walter und Springfeld im Sommer. Inwiefern sich der Posten dann von der bisherigen Arbeit der Gleichstellungsbeauftragten unterscheiden soll, ist noch unklar. „Voraussichtlich wird ein pflichtiger Aufgabenstandard für Gemeinden ab einer Einwohnerzahl von 20.000 Euro geschaffen“ heißt es in einer Pressemitteilung des Landes. Die hauptberufliche Gleichstellungsbeauftragte soll vermehrt nach außen, also für Bürger tätig werden.

Bei Anke Niemand, die diesen Job ehrenamtlich seit zehn Jahren macht und dafür bis zu zehn Stunden im Monat aufbrachte, gehen durchschnittlich drei Anfragen von Frauen ein, die bei ihr Rat und Hilfe suchen. Die Frauenbeauftragten-Sprechstunde stellte sie schon trotzdem ein. „Weil sie kaum genutzt wurde“, erklärt Niemand, die hauptberuflich in Hannover arbeitet. In der übrigen Zeit als Gleichstellungsbeauftragte sichtet sie Personalpläne, spricht bei Stellenbesetzungen ein Wort mit, wenn sie es für nötig hält.

Anke Niemand kann sich gut vorstellen, sich auch für den hauptamtlichen Posten der Gleichstellungsbeauftragten zu bewerben. „Für mich ist das eine Herzensangelegenheit“, sagt sie. Und auch Christian Springfeld hält sie grundsätzlich für geeignet. Spontan gefragt, welche Projekte sie im Falle des Falles gern verwirklichen würde, sagt Niemand: „Improvisationstheater.“ Das eigne sich für viele Menschen. Sie selbst kennt es seit etwa einem Jahr.

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