weather-image
30°

Stadtwerke Springe übernehmen die Wasserlieferung

SPRINGE. Der Zweikampf um das Springer Wassernetz steht vor einem überraschenden Ausgang:

Bis zum 30. April konnten sich Unternehmen für die Wasserkonzession bewerben: Purena gewann zwar die Ausschreibung, verliert aber die Kunden. FOTO: MISCHER
saskia

Autor

Saskia Helmbrecht Redakteurin zur Autorenseite

Zwar behält Versorger Purena aller Voraussicht nach die technische Hoheit – gibt aber Kunden und Vertrieb an die Stadtwerke ab. Das bestätigte die Stadt-Tochter jetzt auf NDZ-Anfrage. Demnach übernehmen die Stadtwerke ab März 2019 die Wasserlieferung an alle Kunden in Springe – außer in Altenhagen I, wo die Bürger vom Wasserbeschaffungsverband Mühlenbachtal versorgt werden.

Purena hatte das Springer Wassernetz in den vergangenen 29 Jahren komplett allein betrieben – von der Quelle bis zum Kunden. Als die Stadt 2016 verkündete, den im Juni kommenden Jahres auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern, meldeten die Stadtwerke ihr Interesse bereits öffentlich an. Kurios: Beworben haben sie sich im Ende April ausgelaufenen Bewerbungsverfahren trotzdem nicht: Einziger Kandidat war Purena – folglich hat der Versorger die Ausschreibung auch gewonnen.

Purena gehört größtenteils der Avacon AG, an der der Eon-Konzern über eine Tochter wiederum die meisten Anteile hält. Doch statt dort wie bislang um Strom- und Gasnetz mit Stadt und Stadtwerken zu streiten, hat man offenbar hinter den Kulissen etwas ausgehandelt: Die Stadtwerke übernehmen die Kunden und rechnen ab nächstem Jahr nicht nur wie bislang für ihre Kunden Strom und Gas und für die Stadt Abwasser ab, sondern für alle Springer Haushalte Wasser. Man werde im Kundenbüro „Zum Oberntor“ Interessierte künftig auch zum Thema Wasser beraten, so Geschäftsführer Marcus Diekmann: Sowohl der Wasservertrieb als auch der Hausanschlussverkauf werde in Zukunft durch die Stadtwerke erfolgen.

„Den Kunden bietet diese neue Struktur den Vorteil, dass sie nur noch einen Ansprechpartner für alle Energiearten, Wasser und Abwasser in Springe haben“, wirbt der Geschäftsführer. Ziel sei es, so den Wasserpreis in Springe stabil zu halten.“ Die Purena bringe ihre Erfahrung in den technischen Betrieb ein; die Stadtwerke ihre Kundennähe vor Ort.

Die Stadtwerke haben anders als bei Gas und Strom offenbar bewusst darauf verzichtet, die gesamte Konzession und damit das Netz zu übernehmen. „Die Wasserversorgung ist Teil einer künftigen Zusammenarbeit, die auch über das Wasser hinausgeht“, sagt Diekmann. Auch technisch und personell wollen die beiden Unternehmen zusammenarbeiten. Bürgermeister und Stadtwerke-Aufsichtsrats-Chef Christian Springfeld begrüßt, dass die Purena an Bord bleibt. „Wir streben eine zehnjährige Laufzeit mit der Option auf Verlängerung an.“ Mit Purena habe die Stadt einen „verlässlichen Partner. Und gerade beim Wasser ist das eine große Vertrauenssache.“

Der bestehende Vertrag mit dem Versorger hätte laut Springfeld sowieso überarbeitet werden müssen. „Da ist zum Beispiel nichts zu einem Vertragsende oder einem Wechsel geregelt, vieles ist schwammig formuliert.“ Jetzt habe man die Chance, einen neuen Vertrag nach aktuellen Ansprüchen aufzusetzen. Die Verhandlungen sollten jetzt so schnell wie möglich abgeschlossen werden, um Klarheit zu schaffen, sagt Springfeld.

Purena-Geschäftsführer Hinrich Beckmann freut sich, die Ausschreibung gewonnen zu haben. Er sei sicher, dass man in den anstehenden Verhandlungen zusammenkommen werde.

Anzeige
Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare