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Stadt Springe will „Coworking Space“ schaffen: Land gibt 300 000 Euro

Während die Stadt das Geld aus dem Topf „Perspektive Innenstadt“ noch ausgibt, steht schon das nächste Großvorhaben an: In Springe soll ein sogenannter „Coworking Space“ entstehen. Das Land gibt auch hier Fördergelder – in Höhe von 300 000 Euro. Ein möglicher Standort ist bereits im Gespräch.

Autor:

Christian Zett und Marita Scheffler

Entsprechende Informationen der Neuen Deister-Zeitung hat das zuständige Regionalministerium beim Land bestätigt: Man habe der Stadt Springe bereits am Dienstag, 20. Dezember, einen entsprechenden Antrag bewilligt, den die Verwaltung unter dem Titel „Ankerplatz – Coworking Space Springe“ gestellt hatte. Mit den 300 000 Euro, die für das Vorhaben nach Springe fließen sollen, hat die Stadt die maximal mögliche Fördersumme erhalten.

Was ist ein „Coworking Space“? Grundsätzlich bezeichnet der englische Begriff gemeinsam genutzte Arbeitsräume, die Selbstständige oder Unternehmen je nach Bedarf anmieten können. Je nach Ausstattung stellt der Betreiber des Angebots Technik, Infrastruktur, Mobiliar oder Verpflegung. In Springe soll laut Ministerium aber noch mehr passieren: Die Räumlichkeiten sollen auch für digitale Weiterbildungsangebote, aber auch für Workshops aus anderen Bereichen zur Verfügung stehen. Die Stadt strebe Kooperationen mit örtlichen Unternehmen, Sportvereinen, Kreativen und Schulen an, teilt eine Sprecherin mit.

Stadt hatte Projekt bisher nicht öffentlich gemacht

Das Geld für das Projekt stammt aus dem Topf „Zukunftsräume für Niedersachsen“. Es richtet sich an niedersächsische Klein- und Mittelstädte wie Springe, die Versorgungsfunktionen für ihr Umland wahrnehmen, etwa beim Handel oder bei Medizin oder Kultur. Ziel des Programms ist es, Projekte zu fördern, die diese sogenannte Ankerfunktion stärken – mit „Raum zum Experimentieren“.

Möglicher Standort: das frühere Bison-Bürogebäude an der Industriestraße. Foto: Deutsch

Die Stadt hatte ihr Engagement bei dem Programm bislang unter dem Deckel gehalten – auch im Haushaltsentwurf, den der Rat im Dezember beschloss, war – wohl auch mangels Förderbescheid – von der Idee noch nicht die Rede. Dabei war der Vorlauf beträchtlich: Kommunen, die Geld aus dem Topf erhalten wollen, müssen zunächst eine Interessensbekundung und erste Projektideen einreichen – und nach Aufnahme in das Programm einen ausführlichen Projektantrag stellen. Insgesamt hat das Land seit dem Start von „Zukunftsräume“ im Jahr 2019 nach eigenen Angaben 98 Projekte mit 18,6 Millionen Euro gefördert.

Darunter befanden sich auch bereits „Coworking Space“-Projekte: Im Sommer erhielt etwa Brake nördlich von Bremen einen Zuschuss des Landes. Dort lobte die damalige Regionalministerin Birgit Honé das Angebot als „Chance zur nachhaltigen Belebung der Innenstadt“, sprach von einem „regelrechten Coworking-Boom“ auch durch die Coronapandemie. Pendler könnten genauso profitieren wie Familien. Schon im Jahr zuvor hatte auch Delmenhorst einen solchen „Space“ angeschoben.

Die große Frage: Welcher Standort kommt in Frage?

Die entscheidende Frage: Wo soll das Projekt angesiedelt werden? Stadt und Land verweisen auf einen Termin Mitte Februar, bei dem die offizielle Übergabe des Förderbescheids stattfinden und bei dem es auch nähere Informationen geben soll. Gut möglich ist auch, dass der genaue Standort auch noch gar nicht feststeht.

NDZ-Informationen zufolge ist eine recht konkrete Option auch das ehemalige Bison-Bürohochhaus hinter dem Bahnhof. Das Gebäude, Baujahr 1963, hatte Bison-Enkel Kai Greten 2021 übernommen und saniert. Unter anderem ist dort eine Autowerkstatt eingezogen – für die Greten eine ähnliche Idee wie einen „Coworking Space“ hatte: Kunden könnten dort, vor allem bei längeren Wartezeiten auf ihr Fahrzeug, einfach einen Arbeitsplatz samt Technik nutzen.

Für die oberen Etagen hatte Greten 2021 noch Mieter gesucht – und ausdrücklich auf einen „Coworking Space“ als möglichen Nutzer verwiesen. Für den Standort spricht aus Stadt-Sicht sicherlich die relative Nähe zum Zentrum Springes – und vor allem die zum Bahnhof.

Ausgelegt ist das Förderprogramm für die „ Innenstadt- und/oder Zentrenförderung“; demnach müssten die Räume recht zentral liegen. Theoretisch könnte die Stadt natürlich eigene Räume nutzen – dem würde aber der Verweis auf die Raumknappheit in der Verwaltung entgegenstehen, die ein Grund für den geplanten Ausbau des Rathauses ist. Je nach Größe des „Coworking Spaces“ ist natürlich auch die Anmietung von Räumen möglich – etwa in leerstehenden Ladenlokalen wie dem des Schuhhauses Rose, in dem zuletzt auch das Pop-Up-Familiencafé „Kleine Pause“ stattfand.

Das würde auch dem Delmenhorster Modell entsprechen: Dort gibt es seit Oktober (also mehr als ein Jahr nach dem Förderbescheid) unter dem Titel „Hyrst“ acht Arbeitsplätze in einem ehemaligen Ladenlokal in der Innenstadt. Auch VHS-Kurse finden dort etwa statt. In Gifhorn hat sich ebenfalls ein entsprechend vom Land gefördertes Angebot in der Innenstadt angesiedelt.

Versuch in Bennigsen scheiterte

Es ist nicht der erste Versuch der Stadt, in Springe ein solches Angebot zu etablieren: Schon 2018 sollte über ein anderes Förderprogramm ein „Coworking Space“ im ebenfalls städtischen Bennigser Bahnhofsgebäude etabliert werden. Die Idee damals: Wer sonst mit der S-Bahn oder mit dem Auto von Bennigsen aus nach Hannover ins Büro pendelt, arbeitet stattdessen von dort – und spart so Zeit, schont die Umwelt – und stärkt idealerweise noch den heimischen Handel oder die heimische Gastronomie in der Mittagspause.

Auch in Völksen gab es einen „Workspace“-Test – er liegt knapp zwei Jahre zurück. Die SPD Völksen mietete Ende Februar 2021 den örtlichen Dorfgemeinschaftsraum für drei Wochen an und stellte ihn Völksenern kostenlos als mobilen Arbeitsplatz zur Verfügung.

Vor allem für Familien sei das Arbeiten im Homeoffice nicht nur eine organisatorische Herausforderung, sondern auch eine nervliche Belastung, erklärte Initiatorin Christina Sohns damals – es war eine der Corona-Hochphasen. Berufstätige und auch ältere Schüler konnten den Raum neben dem Feuerwehrhaus drei Stunden täglich gebührenfrei nutzen; inklusive Tischen, Stühlen, WLAN, Teeküche und sanitären Anlagen.

„Nachfrage war begrenzt“

„Die Nachfrage war begrenzt“, erinnert sich Ortsbürgermeister Phillipp Langrehr an den Versuch. Es habe zwar Nutzer gegeben, und es habe auch Nutzer gegeben, die mehrfach vorbeikamen, „aber der Bedarf war wirklich nicht groß“. Fortgesetzt wurde das Projekt deshalb nicht.

Die Gründe? Viele hätten sich ihr Homeoffice gut eingerichtet und sich mit der Situation arrangiert, glaubt Langrehr. Alle benötigten Unterlagen und den Laptop einzupacken, um es sich an einem anderen Ort bequem zu machen, sei eine nicht zu unterschätzende Hürde. Und diejenigen, die nach einem mobilen Büro suchen, hätten längst eins gefunden.

Spannend dürfte sein, wie das unverhoffte Projekt in die riesigen städtischen Aufgabenlisten der kommenden Jahre passt: Zwar ist hier der bauliche Aufwand womöglich geringer: Trotzdem muss im Rathaus Planungs- und Umsetzungsarbeit rund um das Vorhaben geleistet werden. Zuletzt war neben allen großen Bauprojekten auch die Umsetzung des Förderprojekts „Perspektive Innenstadt“ ein großes Thema.

Innenstadt: Bürger sollen mitreden

Teil des Programms „Perspektive Innenstadt“ ist auch ein Konzept für Springes Zentrum: Wie soll es dort künftig aussehen, was soll sich ändern? Gut 50 000 Euro soll das Papier kosten, das unter Zeitdruck entsteht: Wegen der Förderrichtlinien muss es bis Ende März fertig und abgerechnet sein.

Entsprechend eng ist auch der Zeitplan – und die Stadt warnt vorab: Es könnten „nicht alle Erwartungen in ein solches Konzept erfüllt werden“. Um trotzdem das Beste rauszuholen, sollen die Bürgerinnen und Bürger mitreden: Zusammen mit dem beauftragten Planungsbüro lädt die Verwaltung dazu ein, sich über den Planungsstand zu informieren und Rückmeldungen zu geben, die in das endgültige Konzept einfließen sollen. Die Pläne und Erläuterungen hängen ab Donnerstag, 12. Januar, und dann bis einschließlich Mittwoch, 25. Januar, im Veranstaltungsraum der Tourist-Information im Erdgeschoss des Alten Rathauses, Zum Niederntor 26. Möglich ist die Einsicht in die Pläne jeweils montags bis freitags von 10 bis 15 Uhr.




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