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Stadt Springe lehnt Katzen-Verordnung ab

SPRINGE. Der Naturschutzbund Springe fordert von der Stadt, eine Katzenschutzverordnung – die auch die Pflicht zur Kastrierung von freilaufenden Tieren vorsieht. Im Nachbarort Bad Münder gibt es eine solche Vorschrift bereits. Doch bei der Springer Verwaltung stößt der Wunsch auf Ablehnung.

Eine Katze beim Freigang: Geht es nach dem Naturschutzbund, müsste das Tier in Springe kastriert werden. FOTO: STRATENSCHULTE/DPA
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Juliet Ackermann Volontärin zur Autorenseite

Nach Angaben des Tierschutzbundes haben in Niedersachsen derzeit 86 Städte und Gemeinden eine solche Kastrations-, Kennzeichnungs- und Registrierungsverordnung für Katzen – bundesweit sind es 624. Unter den aufgelisteten Kommunen sind auch Barsinghausen, Bad Pyrmont und Bad Münder. Springe taucht in der Liste jedoch nicht auf – und das stört den Naturschutzbund: „Die Problematik ist hinlänglich bekannt. Katzen neigen zur Verwilderung, sie sind Opportunisten“, sagt Rudi Krause, stellvertretender Vorsitzender des Vereins in Springe. Krause spricht sich für die Einführung einer solchen Verordnung in seiner Heimatstadt aus. Denn das Elend der Katzen könne zur Gefahr für die Natur werden, speziell für die Vogelwelt.

Um eine unkontrollierte Vermehrung zu verhindern, sei wichtig, dass streunende Katzen – nicht nur verwilderte, auch herrenlose – unfruchtbar gemacht würden, fordert Krause: „Aber die Politik muss das wollen und die Stadt muss das umsetzen.“

Werner Mosch, Chef des städtischen Fachdienstes Ordnung, hält die Umsetzung einer solchen Richtlinie für unmöglich. Er sagt: „Eine solche Verordnung kann den Schutz von Katzen nicht gewährleisten und bewirkt nichts. Es kann nicht nachgewiesen werden, ob eine Katze einen Halter besitzt oder nicht – die Katze spricht nicht mit mir“. Außerdem gebe es für Ahndungen keine Rechtsmittel.

Anders sei aus seiner Sicht die Aktion „kostenlose Kastration“ des Landes zu bewerten: „Sie bringt etwas und ist zu unterstützen“. Tierschutzvereine, Tierheime und Betreuer von kostenlosen Katzenfutterstellen für frei lebende Hauskatzen konnten im Rahmen dieser Aktion die Tiere kastrieren, chippen und registrieren lassen, ohne auf den Kosten sitzen zu bleiben (wir berichteten). Dass der Fond von 200 000 Euro bereits nach zwei von acht vorgesehenen Wochen aufgebraucht war, zeigt laut Anne Zuzmann vom Naturschutzbund in Bad Münder den großen Handlungsbedarf.

Zuzmann, die sich maßgeblich für den Schutz von Katzen einsetzt, war 2012 an der Einführung der Katzenschutzverordnung in Bad Münder maßgeblich beteiligt. Sie erachtet die Regelung für wichtig: „Allein der moralische Anspruch, der Gedanke, dass uns das Katzenleid nicht egal ist.“

Als Manko sieht sie, dass die Mehrzahl der Einwohner nicht von der Verordnung wisse: „So wie es eine Hundesteuer oder eine Leinepflicht gibt, sollte es auch für Katzen gesetzliche Vorgaben geben.“

Die Stadt Bad Münder kann Ordnungswidrigkeiten im Rahmen der Verordnung mit einer Geldbuße von bis zu 5000 Euro ahnden. Tobias Pischel, dortiger Fachdienstleiter Ordnung: „Die Verordnung halte ich grundsätzlich für gelungen. Somit haben wir ein Instrument mit dem wir im Bedarfsfall eingreifen können.“ Doch er räumt auch ein: „Wir reagieren eher auf Anrufe, als dass wir agieren. Eine Kontrolle ist bei 16 Ortsteilen schwierig und wir haben keinen eigenen Außendienstmitarbeiter dafür. Für die Verwaltung ist die Umsetzung schwierig.“

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