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Stadt: Neue Investoren-Anfragen für Springer Zentrum

SPRINGE. In Sachen Innenstadt-Umbau kehrt noch lange keine Ruhe ein – und: Das Interesse an Springes Mitte ist offenbar groß. Nach der Absage des Millionenprojekts durch Dennis Melching und Peter Othmer hätten sich am Montagmorgen gleich mehrere mögliche Investoren im Rathaus gemeldet, erklärte Bürgermeister Christian Springfeld auf Anfrage

Die Investoren wollen die „Woolworth“-Immobilie nun sanieren. Foto: Scheffler
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Christian Zett Redaktionsleiter zur Autorenseite

Springfeld sprach von „drei Anrufen“. Die Politik schwankt unterdessen zwischen Enttäuschung und Optimismus.

Einer der Interessenten habe sogar konkret angefragt, ob er in die bestehenden Verträge für das Großprojekt samt Rewe-Markt, Einzelhandel und Praxen einsteigen könne, so Springfeld. Problem: Diese Verträge gibt es noch gar nicht. Zuvor hatten Othmer und Melching nach vielen Gesprächen mit der Stadt und mehreren inhaltlichen Auseinandersetzungen den Stecker gezogen (wir berichteten).

Springfeld will das anhaltende Interesse möglicher Geldgeber nun nutzen: In Absprache mit der Politik wolle die Verwaltung über das aktuell diskutierte Grundstück hinaus Ideen für die Innenstadt entwickeln lassen. Denkbar sei etwa ein Wettbewerb, der zeige, was überhaupt möglich sei und was nicht: „Das kann auch ein studentisches Projekt sein – es geht nicht um Details, sondern um Ideen.“

Ein Wettbewerb für die Gestaltung des von Othmer und Melching geplanten Neubaus war einer der Knackpunkte zwischen Stadt und Investoren: Letztere lehnten einen solchen Architekten-Wettbewerb ab – fühlten sich aber von der Stadt wiederholt zur Finanzierung und Durchführung gedrängt.

Mit den neu interessierten Investoren wolle man nun weitere Gespräche führen, so Springfeld: „Wir müssen sehen, was die vorhaben, ob das seriös und machbar ist.“ Ihm sei wichtig, dass etwas vorangeht in Springe: „Wenn sich eine Tür schließt, geht eine andere auf.“

Springfeld steht zu seinen Äußerungen, man habe Othmer und Melching jeden roten Teppich ausgerollt: „Die Entscheidung, das ganze abzusagen, kam von den Investoren und nicht von der Stadt.“ Dass die beiden nun stattdessen eine Sanierung des bestehenden „Woolworth“-Gebäudes planen, „finde ich gut“, so Springfeld – „wenn alles eine Nummer kleiner wird, ist es auch schneller und einfach machbar“.

Unterdessen diskutiert auch die Politik über das Aus des Millionenprojekts – und über die Folgen. Einig sind sich die Ratsfraktionen in einer Sache: in ihrem Bedauern über das Scheitern.

CDU-Fraktionsvize Oliver Groseck spricht von einer „vertanen Chance für die Innenstadt“. Wichtiger als die Suche nach einem Verantwortlichen sei jedoch die interne Aufarbeitung. „Wir haben viele große Projekte in Springe und können es uns nicht leisten, dass noch mehr scheitern.“ Othmer und Melching hätten mit ihrem Projekt „einen unglaublichen Impuls“ für die Belebung der Innenstadt gegeben: „Die Idee, mehr Leben reinzubringen ist wichtig“ – man müsse sie weiter verfolgen.

„Am Ende“, glaubt SPD-Fraktionschef Bastian Reinhardt, „ist wichtig, dass etwas passiert“. Auch er setzt sich dafür ein, „detailliert aufzuarbeiten“, was genau zum Aus des Projekts führte. Er gehe davon aus, dass die Verwaltung in den sicher nicht immer leichten Verhandlungen ihre Arbeit gemacht habe. Mit seinen ersten, kritischeren Einschätzungen dazu im sozialen Netzwerk Facebook (wir berichteten) habe er „niemanden persönlich angreifen wollen“. Es sei ihm darum gegangen, die Größe und Brisanz des Projektes zu verdeutlichen: „Um etwas in der Innenstadt zu bewegen, war das die beste Option der letzten Jahre.“

Die Grünen blicken in die Zukunft – das scheint zumindest die Botschaft von der Fraktionsvorsitzenden Ursula Schulz-Debor zu sein: Würde das aktuelle „Woolworth“-Gebäude saniert und locke neue Mieter an, „dann wäre das eine Lösung, mit der wir gut leben könnten“. Womöglich gelinge es dann auch, wieder einen kleinen Nahversorger in einem anders als bislang zugeschnittenen Gebäude anzusiedeln: Der dortige Rewe schloss vor mehr als fünf Jahren.

Matthias Lenz, Sprecher der Gruppe FDP/Freie Wähler Springe, sieht die Verantwortung für das Scheitern auf beiden Seiten: „Ich denke nicht, dass alles getan wurde, um das Projekt möglich zu machen.“ Die Investoren hätten sicher impulsiv gehandelt – anderseits habe er bei der Stadt immer wieder „Vorbehalte“ vernommen. „Überflüssig“ sei in seinen Augen der immer wieder von der Stadt ins Spiel gebrachte Gestaltungswettbewerb. Lenz hofft, dass in einem sanierten „Woolworth“-Gebäude gleich mehrere Fliegen mit einer Klappen zu schlagen wären: Es lasse sich vielleicht samt Apotheke und Drogeriemarkt zu dem lange erhofften Gesundheitshaus ausbauen.

Mangelndes Geschick im Umgang mit den Investoren bescheinigt der Verwaltung auch AfD-Fraktionschef Wolfram Bednarski: „Wenn man um eine Frau wirbt, muss man sich auch sensibel verhalten“. Grundsätzlich unterschreibe er aber den Wunsch nach einer Belebung der Innenstadt: „Das möchten wir alle parteiübergreifend.“

Besonders in Schutz nimmt die Stadtverwaltung Linken-Ratsherr Udo Selent: Die Verantwortlichen für Bau und Planung hätten ihre Arbeit gemacht: „Ihre Aufgabe ist eben auch, die Innenstadt zu schützen.“ Die Investoren seien teils arrogant aufgetreten: „Ich hatte das Gefühl, ihnen fehlt der Respekt vor den Entscheidungsträgern.“ Daran sei das Projekt aber nicht gescheitert. Unter dem Strich habe sich die Situation zwischen beiden Seiten aber „aufgeschaukelt“.



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