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Wie Springe bis 2013 für eine ausreichende Kleinkinderbetreuung sorgen will – und muss

Stadt kämpft um jeden Krippenplatz

Springe (zett). Die Zeit läuft: Bis 2013 muss die Stadt die Zahl ihrer Krippenplätze für Kinder unter drei Jahren von bisher 20 auf 140 erhöhen. Während der Städte- und Gemeindebund bereits Alarm schlägt und den dann auch geltenden Rechtsanspruch der Eltern auf einen Krippenplatz verschieben will, ist Springes Jugendfachbereichsleiterin Dagmar Wiese-Cordes verhalten optimistisch.

Die Betreuung für unter Dreijährige – wie hier in Altenhag

„Wir haben eine Planung, mit der wir dieses Ziel erreichen wollen“, erklärte sie auf NDZ-Anfrage. Für etwa 50 Prozent der benötigten Krippenplätze gebe es finanzielle Fördermittel, so Wiese-Cordes. Doch Geld allein reicht nicht – auch Standorte für Kinderkrippen braucht die Stadt. Die 20 bestehenden Plätze sollen unter anderem mit einer ganzen Reihe aktueller Projekte ergänzt werden:

Allein 30 Plätze sollen in der Roten Schule in den ehemaligen Räumen des Jugendzentrums entstehen. „Wenn alles gut geht, wollen wir hier zum 1. August eröffnen“, kündigt Wiese-Cordes an. Noch in diesem Monat will offenbar auch das Deutsche Rote Kreuz, das in Springe bereits mehrere Kindertagesstätten betreibt, mit einer Krippe an den Start gehen. 15 Plätze kann Wiese-Cordes auf ihrer Liste verbuchen, wenn es in den früheren Räumen der DRK-Kleiderkammer An der Bleiche losgeht.

15 Kinder sind inzwischen in der Altenhagener Krippe des DRK unterwegs, um sechs oder sieben weitere Plätze will sich laut Wiese-Cordes die Eltern-Initiative „Deisterkrümel“ bemühen.

„Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen“ sagt der Volksmund – und so hofft Wiese-Cordes bei den aktuell fehlenden gut 50 Plätzen auch auf die kommenden Wochen. Im März soll der Jugendhilfeausschuss entscheiden, ob eine weitere Krippe in Alvesorde – wie vom dortigen Ortsrat gewünscht – oder in Völksen entstehen soll: „Wir brauchen für dieses Gebiet in jedem Fall auch einen Standort“, sagt sie. Auch den von dem Unternehmen Octapharma nach der Erweiterung an der Eldagsener Straße angedachten Betriebskindergarten könnte Wiese-Cordes in ihrer Statistik verbuchen.

Ein weiterer wichtiger Baustein ist für die Stadt der Bereich der sogenannten nicht institutionaliserten Betreuung. Die Arbeit von selbstständigen Tagesmüttern und -vätern wird bisher in Sachen Krippenplätze offiziell nicht berechnet. Dazu zählt zum Beispiel auch der bereits bestehende Betriebskindergarten des Leuchtenherstellers Paulmann in Völksen. „Es gibt Bestrebungen, die Tageseltern auch in die Berechnung einzubeziehen, gerade im ländlichen Bereich“, sagt Wiese-Cordes. Für kleine Ortsteile wie Lüdersen, wo sich eine eigene Krippe nicht lohne, würde eine entsprechende Änderung „sehr helfen“, glaubt sie.

In ihrer Planung setzt die Fachbereichsleiterin auch auf den anhaltenden Geburtenrückgang in Springe – und der ist dramatisch. Alle drei Jahre wird auf der Grundlage dieser Daten der Bedarf an Krippenplätzen neu berechnet. Verzeichnete die Stadt etwa zwischen 1997 und 1999 noch 959 Geburten, waren es von 2006 bis 2008 nur noch 688. Und der Trend geht weiter bergab. Weniger Geburten bedeuten langfristig weniger Kindergartenkinder: „Mit ein paar baulichen Veränderungen können wir dann in Zukunft Gruppen für ältere Kinder in Krippen umwandeln“, hofft Wiese-Cordes.

Bei allem Optimismus ist ihr die Sorge über die Mammutaufgabe anzumerken. Denn wenn sich an der Gesetzeslage nichts mehr ändert, könnten Eltern, deren Kinder in Sachen Krippenplätze leer ausgehen, die Stadt Springe verklagen. „Der Bund schafft ein Gesetz und wir als kleine Kommune müssen das Geld aufbringen“, sagt Wiese-Cordes. „Und wenn das Konjunkturpaket läuft, ist unsere Hochbauabteilung ausgelastet, da haben wir kaum Kapazitäten für den Krippenbau.“ Die Zeit läuft.

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