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Ein Ereignis auch auf Kosten der Steuerzahler

Staatsjagd: Geschenke und Einnahmen

Springe. Die Staatsjagden im Springer Saupark – über Jahrzehnte waren sie auch geheimnisvoll und stets elitär. Nach dem Verbot durch Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) beschäftigt sich der Landtag nun erstmals mit Zahlen zu Trophäen, Einnahmen und vor allem den Kosten für den Steuerzahler.

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Autor:

VOn Markus Richter

Zwölf CDU-Abgeordnete hatten eine Kleine Anfrage gestellt. „Spiegelt der Landwirtschaftsminister falsche Tatsachen vor, um die Jagd in Niedersachsen in ein schlechtes Licht zu rücken?“, wollen sie im Hinblick auf das Ende der Traditionsveranstaltung wissen. Neun Punkte fordern die Abgeordneten zu klären, jetzt liegt die schriftliche Antwort vor. So geht es unter anderem um die Summe, die jeder Gast für die Teilnahme „abzudrücken“ hatte. Die lag demnach im Zeitraum der vergangenen fünf Jahre bei je 50 Euro. Für die Bewirtung kam indes der Steuerzahler auf, und zwar mit bis zu 6000 Euro für zwei Veranstaltungen im Jahr, bei denen vor allem hochrangige Politiker und wichtige Vertreter der Wirtschaft dem gesellschaftlichen Treiben frönten. „Bei der Auswahl der Jagdgäste waren die jägerische Erfahrung und das Können der gesellschaftlichen Stellung nachgeordnet“, teilt Meyer mit.

Ende Juli sprach sein Ministerium von „hochherrschaftlichen Riten aus der Kaiserzeit“ und „pompösen Veranstaltungen“. Der Minister erinnerte daran, dass es „immer wieder Streit um die Auswahl und Veröffentlichung der Teilnehmer sowie die Kosten der Veranstaltung gegeben“ habe. Den Disput, den man sich ersparen wolle – er kommt wieder auf.

Nicht überraschend war, dass die CDU sofort auf die Barrikaden ging. Offenbar spekuliert man in den Reihen der Opposition auf einen Regierungswechsel – und die Wiedereinführung der Staatsjagd.

Gestrichen hat Meyer auch die „Extra-Trophäen“ auf Kosten der Steuerzahler. Pro Jahr hatten die Minister vor ihm Geschenke an Prominente gemacht und den Landesforsten so um bis zu 12 500 Euro geringere Einnahmen bereitet. Auf die Kosten von 1000 bis 2500 Euro pro Hochwildtrophäenjäger wurde in diesen Fällen großzügig verzichtet. Dieses „Freikontingent“ sei beim letzten Mal überzogen worden: Ein Promi hatte 2012 einen Muffelwidder der Klasse I erlegt, im Vorfeld auf das damals noch geplante „Ministerkontingent 2013“. Einnahmen wurden aber dennoch erzielt, legt die Regierung offen: Für insgesamt 24 Abschüsse in den fünf Jahren waren das 24 066 Euro.

Kommerzielle Veranstaltungen im Saupark und anderen Wäldern soll es laut Meyer aber weiterhin geben. Deren Erlöse sind eine der größten Einnahmequellen der Forstämter. Darüber hinaus unterstützten Jäger auch den Streckenerfolg und damit die waldbaulichen Ziele. Die Landesregierung, betont diese in der Antwort auf die Anfrage noch einmal, fordere eine ökologische Jagd, ausgerichtet an den Erfordernissen des Tierschutzes. Nicht mehr zeitgemäß seien jedoch jene Staatsjagden im Saupark „früher gegeben vom Kaiser, jüngst noch vom Ministerpräsidenten oder Landwirtschaftsminister, mit prominenten Gästen als vorrangig gesellschaftliches Ereignis“.

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