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Springes Bauern sagen Südlink den Kampf an

SPRINGE. Am Tag, nachdem Netzbetreiber Tennet verkündet hat, dass die Stromtrasse Südlink nun doch durch Springe führen soll, herrscht bei Landwirt Friedrich Henkels Erstaunen und Sprachlosigkeit. Der Südlink soll quasi direkt vor seiner Haustür, dem Gut Bockerode bei Mittelrode, verlaufen.

Wenn die Südlink-Stromtrasse tatsächlich kommt, bedeutet sie das Aus für die Kartoffel-Messe in Bockerode. Foto: Archiv/Swen Pförtner
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Saskia Helmbrecht Redakteurin zur Autorenseite

Als stellvertretender Bezirkslandwirt weiß Henkels auch, dass weitere Landwirte im Stadtgebiet „dramatische Folgen“ befürchten.

Die Stromautobahn solle mehrere Flächen diagonal „zerschneiden“, sagt Henkels. Welche Auswirkungen das für die landwirtschaftlich genutzten Böden haben wird, sei noch unklar. „Konkret weiß noch niemand etwas.“ So seien bei den Landwirten viele Fragen offen: Welche Früchte können die Bauern in Zukunft noch anbauen, können überhaupt die bisher beliebten, aber tiefwurzelnden Zuckerrüben noch gepflanzt werden?

Kommentarlos hinnehmen wollen die Landwirte die Pläne laut Henkels nicht. Bereits während einer ersten Öffentlichkeitsbeteiligung vor rund eineinhalb Jahren hatte Henkels mehrere Einwände gegen das Vorhaben schriftlich eingereicht. Neben den Argumenten, dass es sich bei betroffenen Flächen um Landschaftsschutzgebiete handelt und Naturdenkmäler betroffen sein könnten, spiele der Trassenverlauf auch bei der internationalen Kartoffel-Fachmesse „Potato Europe“ eine Rolle, so Henkels. „Die Messe bei uns in Bockerode auszurichten, wäre dann unmöglich – unter anderem, weil die Homogenität der Flächen nicht mehr gewährleistet wäre.“ Das wäre für eine Freilandausstellung, bei der zahlreiche Maschinen im Einsatz vorgestellt werden, jedoch fatal. Und: Durch die Erdkabel, die unterirdisch verlaufen sollen, erwärme sich der Boden um rund zwei Grad Celsius. „Das heißt, wir hätten da nie wieder Schnee – und wir hätten eine stärkere Verdunstung.“

Temperaturen von 70 Grad Celsius Leitkern des Südlinks

Ganz so dramatisch sieht Tennet-Sprecher Mathias Fischer die Situation nicht. Nur im Leitkern des Südlinks herrschten Temperaturen von 70 Grad Celsius. Um den Isoliermantel herum sei es nicht wärmer als 40 Grad Celsius. Und weil die unterirdische Trasse in anderthalb Metern Tiefe verlegt wird, werde die Restwärme abgeleitet, so Fischer. Sollte es zu Ertragseinbußen kommen, hat das Unternehmen zugesichert, Entschädigungen zu zahlen. Es dürfe nicht bei einmaligen Zahlungen bleiben, sagt auch Henkels – und schließt sich damit der Meinung des Landvolks an, das wiederkehrende Entschädigungen fordert. „Viele Flächen sind verpachtet, eine Einmalzahlung wäre demnach also sinnlos“, so Henkels. Es sei ein „Unding“, dass Landwirte, auf deren Grundstück eine Windanlage steht, Entschädigungen erhalten – beim Transport des Stroms finanziell leer ausgehen sollen.

Fest steht: Die Gelassenheit, mit der etwa Springes Bau-Chef Jörg Klostermann auf die Nachricht von Tennet reagierte, teile man bei den Landwirten nicht. Das sagt auch Torsten Nordmann, Fachanwalt für Agrarrecht beim Landvolk Hannover. Die Aussage von Klostermann, die Kabel würden so tief liegen, dass Landwirte einfach über die Fläche „drüberpflügen“ könnten, sei „schlichtweg falsch“ – und „hoffentlich bloß dem Umstand geschuldet, dass man sich offenbar bis zum Vormittag im Rathaus der Stadt Springe inhaltlich nicht mit der Thematik auseinandergesetzt hat“, schreibt Nordmann in einer Stellungnahme.

Für das Landschaftsbild mag die Erdverkabelung in der Tat angenehmer sein, wie Klostermann der NDZ sagte. Damit ende bereits die Liste der positiven Aspekte. „Dieser Vorteil wird von der Allgemeinheit mit enormen Mehrausgaben bezahlt und bedeutet für die Landwirte einen weitaus höheren Eingriff in ihre Grundrechte, als es bei einer Freileitung der Fall gewesen wäre.“

Gleichzeitig kritisiert Nordmann, dass landwirtschaftliche Belange bei den Planungen von Tennet und der Bundesnetzagentur bislang keine Rolle gespielt hätten. Die Informationspolitik von Tennet bezeichnet Nordmann als „Salami-Taktik“. Schädliche Auswirkungen würden solange bestritten, bis sie nicht mehr zu leugnen seien. Die Erdverkabelung bedeute für die Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen Nutzflächen durchaus Probleme, so Nordmann. „Seit Dezember 2018 ist uns eine Liste der drohenden Bewirtschaftungseinschränkungen bekannt.“ Für Springe interessant: Kulturen unter Folie wie Erdbeeren oder Kartoffeln seien dann genehmigungspflichtig. „Der drohende Eingriff wird von den Landwirten mit Sicherheit nicht klaglos hingenommen werden.“ Kommende Woche sei eine Besprechung geplant.



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