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Springer Ratsfrauen diskutieren über Frauen in der Politik

SPRINGE. Wie steht es heute um das Engagement der Frauen in der Lokalpolitik? Wo liegen die Schwierigkeiten? Und was halten die Frauen eigentlich von dem neuen Paritätsgesetz? Diese und viele weitere Fragen beantworteten nun im Rahmen einer Diskussionsrunde Springer Politikerinnen.

Lena Rödiger (links) diskutiert gemeinsam mit Ratsfrauen und Gästen über 100 Jahre Frauenwahlrecht und Springer Lokalpolitik. FotoS: Sza

Autor:

Patricia Szabo

Anlässlich von 100 Jahren Frauenwahlrecht hatten Springes Gleichstellungsbeauftragte Lena Rödiger und die Vorsitzende des Frauentreffs, Angelika Strohecker, eingeladen, um mit und über Frauen in Springer Kommunalpolitik zu sprechen.

Im Vorfeld hatte Strohecker im Stadtarchiv gestöbert und berichtete, was sich seit 1945 in Springe getan habe: Mit Hilde Rose (SPD) und den parteilosen Marie Hüper und Elisabeth Rokahr stellten sich nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gleich drei Frauen zur Wahl. Bei 19 Gemeindevertretern sei dies eine Quote von 15,8 Prozent gewesen, sagte Strohecker.

Ausschließlich männlich seien die politischen Vertreter dann zwischen den Jahren 1956 und 1964 gewesen. Erst 1981 habe die Frauenquote in der lokalen Politik erneut die 15-Prozent-Marke erreicht. Mit der Gebietsreform in den 1970er Jahren erhöhte sich die Anzahl der Gemeindevertreter auf 31, während die Zahl der politischen Vertreterinnen stets zwischen vier und sieben schwankte. Seit 2016 sind elf von 36 Ratsleuten weiblich. Damit spiegelt die Zahl von 30 Prozent den bundesdeutschen Schnitt.

Offen berichteten die Politikerinnen darüber, wie sie zur politischen Arbeit kamen. Ihr Vater (CDU-Fraktionschef Wilfred Nikolay) habe sie dazu bewogen, sagte Ann-Kristin Nikolay. Die Politik sei in der Familie stets ein Thema gewesen. Und weil es laut der Studentin in der Stadtpolitik an Frauen und jungen Leuten mangele, wurde sie umgehend in den Rat gewählt. Anfangs sei sie das „Küken“ gewesen. Inzwischen sei sie aber eingearbeitet und: „Ich werde gehört“.

Dass die familiäre Prägung eine große Rolle spielt, wurde es auch bei den anderen Politikerinnen deutlich. Schwabe ist nach eigenen Angaben über ihre politisch engagierte Mutter aktiv geworden. In der Kommunalpolitik sei man im Gegensatz zur Bundespolitik „nah am Bürger“, sagte sie. „Aber man braucht einen langen Atem“, ergänzte Schulz-Debor. „Politik wird vornehmlich von Männern gemacht“, sagte Rödiger, die die Veranstaltung moderierte. Die Gleichstellungsbeauftragte wollte wissen, wie sich traditionelle Rollenbilder auf die Arbeit auswirken. „Es liegt an der Mehrfachbelastung“, war sich Sabine Schiepanski (parteilos) sicher. So sei die Vereinbarkeit von Familie, Beruf und politischer Arbeit, die viel Kraft koste, kaum zu stemmen. Familiengründung ist auch für Nikolay ein Thema: „Ob ich dann noch Zeit habe, mich politisch zu engagieren, steht in den Sternen“, sagte sie. Schließlich seien Familie, Arbeit und Hobby schwer miteinander zu vereinbaren. „Man braucht das Rückgrat des Partners, sonst geht es nicht“, ergänzte Kreipe, die als Mutter mit der politischen Arbeit in Springe begann.

Rödiger stellte die Frage in den Raum, ob die Themengebiete Familie, Soziales, Kultur von Frauen leichter zu besetzen seien. Es sei „typisch“, dass die Frauen die sogenannten weichen Ausschüsse besetzten, sagte Schulz-Debor. Kreipe erinnert sich: „Die Tatsache, dass ich in den Finanzausschuss wollte, irritierte manche Herren“. Thematisiert wurde auch das in Brandenburg verabschiedete Paritätsgesetz, nach dem Männer und Frauen gleiche Anzahl an Plätzen in Parlamenten erhalten. „Auf das Grundgesetz angewendet, ist das Paritätsgesetz verfassungswidrig“, sagte Kreipe. Laut der SPD-Politikerin hätte das Gesetz zunächst vom Bundestag verabschiedet werden müssen. Für die Parteien bedeute es, dass sie die Kandidaten nicht mehr frei aufstellen können und schließlich gehe es primär darum, die Menschen zu begeistern. Anders sieht es Schulz-Debor. Das Gesetz sei ein guter Weg, um Frauen in die Ämter zu bekommen. Auf Dauer funktionierten Quotenregelungen aber nicht. „Quo vadis, Springe?“, fragte Röttiger abschließend und schlug vor, 100 Jahre in die Zukunft zu blicken. „Wir sind im Umbruch“, ist sich Schulz-Debor sicher. Laut Kreipe ist die Teilhabe vorhanden: „Frauen haben inzwischen genug Selbstbewusstsein entwickelt“ sagte sie.



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