weather-image
23°

Springer bedrohen 15-Jährigen mit Waffe

SPRINGE. Sie sollen einen 15-jährigen Schüler mit einer Waffe bedroht, ihn geschlagen und ihm mit dem Tod gedroht haben: Ein 18- und ein 19-jähriger Springer mussten sich wegen Nötigung und gefährlicher Körperverletzung vor dem Jugendgericht verantworten.

270_0900_55180_Amtsgericht_Springe_Foto_ric.jpg

Autor:

Anne Brinkmann-Thies

Die jungen Männer bestritten zwar die Tatvorwürfe. Doch Jugendrichter Christian Lubrich war nach der Anhörung von sechs Zeugen von der Schuld der beiden jungen Männer überzeugt. Er verurteilte sie zu je 150 und je 80 Stunden Hilfsdiensten. Zudem müssen sie an Wochenendkursen zur Berufsberatung teilnehmen.

Im Dezember vergangenen Jahres waren die beiden Springer in der Kooperativen Gesamtschule (KGS) Wennigsen aufgetaucht und hatten gezielt nach dem 15-Jährigen gesucht. Sie gaben sich dem Schulleiter gegenüber als Cousins aus, die dringend mit mir sprechen wollten, berichtete das Opfer in seiner Zeugenaussage. Der Schulleiter erteilte den Springern Hausverbot. Doch die fingen den Neuntklässler nach Schulschluss ab und zerrten ihn hinter einen Busch nahe der Bushaltestelle. „Sie sagten, sie wollten nur mit mir reden“, berichtete der Schüler. Doch der 19-Jährige habe plötzlich eine Waffe aus seinem Gürtel gezogen, ihm gegen die Stirn gedrückt und befohlen, sich bei einem Mädchen – der Ex-Freundin des Opfers – zu entschuldigen. Der 19-Jährige habe zu ihm gesagt: „Knie dich hin“, erinnert sich der Schüler. „Das habe ich dann auch gemacht.“

„Ich glaube, dass die Waffe echt war, sie sah aus wie ein Revolver“, berichtete er. Der Freund des 19-Jährigen habe ihn dann noch mindestens ein Mal mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen. Dann drohte er ihm: „Wenn du zur Polizei gehst, bringe ich dich um.“ Der 15-Jährige leidet nach eigenen Angaben noch heute unter Schlafstörungen und war wegen Panikattacken in Behandlung.

Die Angeklagten ließen den Schüler dann wieder aufstehen und drängten ihn zur Bushaltestelle, wo die Ex-Freundin stand. „Ich habe mich dann bei ihr entschuldigt, obwohl ich gar nicht wusste, wofür“, berichtete der 15-Jährige. Der jüngere Angeklagte forderte das Mädchen auf, ihren Ex-Freund zu ohrfeigen, „Das habe ich nicht gemacht“, sagte sie. Daraufhin habe der Angeklagte das Opfer ins Gesicht geschlagen. Von den Vorfällen hinter den Büschen habe sie nichts mitbekommen, berichtete sie.

Der 15-Jährige habe sich respektlos gegenüber Frauen gezeigt, erklärte der 19-jährige Angeklagte. Offenbar hatte sich die Ex-Freundin des Opfers bei dem jüngeren Springer über das Verhalten ihres Ex beklagt. Darauf hatten sich die beiden jungen Springer auf den Weg nach Wennigsen gemacht.

Sein Kumpel und er hätten nur mit dem 15-Jährigen reden wollen, sagte der ältere Angeklagte. Niemand habe ihn geschlagen. „Ich bin sogar noch dazwischen gegangen, als es zwischen meinem Kumpel und ihm lauter wurde“, sagte der Springer, der auch bestritt, eine Waffe oder auch eine Spielzeugwaffe zu besitzen. „Wenn ich einem kleinen Jungen Angst machen will, dann brauche ich dafür keine Waffe“, sagte er.

Genau die haben aber auch einige der Mitschüler gesehen, die als Zeugen vor dem Amtsgericht ausgesagt haben. Übereinstimmend erklärte sie, dass der 19-Jährige dem Neuntklässler einen glänzenden Revolver an die Stirn hielt und der sich niederknien musste. Einen dieser Mitschüler soll der 19-Jährige rund zwei Wochen nach den Vorfällen an der Schule anonym angerufen haben und auch ihn bedroht haben, wenn er weiter Nachforschungen anstelle. Er schlage ihn so zusammen, dass er „sein Steißbein nicht mehr vom Jochbein unterscheiden“ könne, soll der Angeklagte gesagt haben. Der räumte den Anruf ein, bestritt aber Drohungen.

Den 19-Jährigen verurteilte das Gericht zu 150 Stunden Hilfsdiensten, den jüngeren zu 80 Stunden Hilfsdiensten. Beide Angeklagten kündigten an, die Arbeitsstunden nicht leisten zu wollen und gegen das Urteil Rechtsmittel einzulegen. Schon während der Verhandlung musste Richter Lubrich beide immer wieder ermahnen, sich an die Sprechfolge im Gerichtssaal zu halten.

Als der 18-Jährige dem Jugendrichter und dem Staatsanwalt auch während des Plädoyers und der Urteilsbegründung immer wieder ins Wort, fiel, verhängte das Gericht schließlich ein Ordnungsgeld in Höhe von 150 Euro gegen ihn. Zahlt er dieses Geld nicht, muss er drei Tage in den Arrest.



Anzeige
Weiterführende Artikel
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt