weather-image

Springe wird zur Landeshauptstadt der Gleichberechtigung

SPRINGE/BOITZUM. Springe wird heute zu einer Art Landeshauptstadt der Gleichberechtigung: In der Kapelle in Boitzum findet die erste gleichgeschlechtliche kirchliche Trauung auf dem Gebiet der Landeskirche Hannover statt. Andreas Frädermann (37) heiratet – und zwar Andreas Frädermann (48), geborener Bosse.

270_0900_72975_IMG_20171204_WA000217.jpg
zett2

Autor

Christian Zett Redaktionsleiter zur Autorenseite

Beide tragen schon seit vier Jahren den gleichen Namen – seit sie damals ihre Lebenspartnerschaft standesamtlich besiegelten.

Ein Sprecher der Landeskirche bestätigte auf NDZ-Anfrage, dass es sich nach seinem Kenntnisstand um die erste Trauung im Bereich der Landeskirche handele, seitdem Bischof Meister erklärt hatte, für ihn sei bei gleichgeschlechtlichen Paaren „Segnung gleich Trauung“. Das Gebiet der Landeskirche erstreckt sich von Cuxhaven im Norden über Ostfriesland im Westen und Lüneburg im Osten bis Hann. Münden im Süden.

Zur Zeit sei in den Gemeinden noch die Handreichung aus dem Jahr 2014 gültig, mit denen bislang die entsprechenden Segnungsgottesdienste gestaltet werden. Momentan arbeite die Landeskirche eine entsprechende Handreichung für Pastoren aus, die die Gleichstellung dann auch reflektieren solle, so der Sprecher: „Am Ablauf wird sich aber nicht groß etwas ändern.“ Künftig sollen die gleichgeschlechtlichen kirchlichen Trauungen auch offiziell ins gleiche Kirchenregister eingetragen werden wie die zwischen Mann und Frau.

Getraut werden die Frädermanns heute von Pastor i. R. Eberhard Jaeger. Die Heimatgemeinde der beiden Eldagser habe die Trauung abgelehnt, sagt der jüngere Ehemann.

Jaeger ist Kunde im Friseursalon des Paars. Er hatte mit den beiden schon einen Segnungsgottesdienst nach den bisherigen Regeln der Landeskirche gefeiert – und auch dieses Mal spontan zugesagt. Der 77-Jährige, einst Pastor in Hannover und heute mit seiner Frau wohnhaft am Kloster Wülfinghausen, sagte der NDZ, er habe im Vorfeld viele Gespräche mit der Landeskirche geführt, um sich auf die Zeremonie vorzubereiten. Diese sei nicht nur für das Ehepaar persönlich bedeutsam: „Ich finde, es ist wichtig, dass diese Diskriminierung aufhört.“ Homosexualität sei auch im Umfeld der Kirche immer präsent gewesen, aber lange unterdrückt worden. Für ihn ist auch der Ort der Trauung symbolisch: „Wir sind hier im kleinen Boitzum im Geiste viel weiter als anderswo.“

Am Donnerstag dieser Woche hatten Frädermanns ihre Hochzeit schon im Alten Rathaus in Springe besiegelt – vier Jahre nach der standesamtlichen Lebenspartnerschaft, die sie damals auf dem Gutshof Jeinsen in Gestorf begingen. Sie sind das dritte gleichgeschlechtliche Paar, das in Springe seit Oktober geheiratet hat – seit es die Ehe für alle auch in Deutschland gibt. Alle drei hatten bereits eine Lebenspartnerschaft besiegelt: „Umwandlung“ nennt sich die Änderung zur Ehe recht bürokratisch, aber wenig romantisch. Die Eheleute stört das nicht: „Es fühlt sich eher noch richtiger an“, sagt der gebürtige Frädermann.

Apropos Bürokratie: Ein großes technisches Problem habe man rechtzeitig zur ersten Trauung gelöst, sagt Standesbeamtin Martina Haugwitz. Vorher konnte die Stadt nur Urkunden ausstellen, in denen die Rubriken „Mann“ und „Frau“ vorgegeben waren – ein unglücklicher Umstand, wenn sich zwei Männer oder zwei Frauen das Ja-Wort geben sollen. Weil sich beide Zeremonien nicht mehr unterscheiden, ist die Ehe für alle bei der Stadt längst Routine. Dort will auch die Landeskirche hin.



Anzeige
Weiterführende Artikel
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt