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Springe: Innenstadtumbau abgeblasen

SPRINGE. Der Traum von einem neu gestalteten Stadtzentrum ist geplatzt. Die Unternehmer Peter Othmer und Dennis Melching haben das Millionenprojekt für den Umbau der Innenstadt rund ums Alte Rathaus abgeblasen. Stadt und Investoren schieben sich gegenseitig die Schuld für das Aus zu.

Diesen Gebäudekomplex (Blick vom Nordwall) wollten die Investoren durch Neubauten ersetzen. Daraus wird nun nichts. FOTO: MISCHER
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Christian Zett Redaktionsleiter zur Autorenseite

Das im Januar 2017 bekannt gewordene Millionenprojekt für den Umbau der Innenstadt rund ums Alte Rathaus ist abgeblasen.

Die Entscheidung markiert den Endpunkt einer längeren Auseinandersetzung zwischen den Verantwortlichen im Rathaus und den Investoren. Beide Seiten beschuldigen einander gegenseitig, nicht genug für den Erfolg des Projekts getan zu haben. Laut Othmer brachten für ihn und seine Mitstreiter zuletzt zwei Ereignisse das Fass zum Überlaufen: Zuerst signalisierte die Stadt, eine extra aus dem Rathaus erbetene Bauvoranfrage (wir berichteten) doch nicht genehmigen zu können.

Am Freitag vergangener Woche hatte Baufachbereichsleiter Jörg Klostermann dann Melching in einem von beiden Seiten bestätigten Telefonat vorgeschlagen, auch mit Blick auf Erweiterungswünsche weiterer Supermärkte nun doch einen kleineren Markt-Bau anzupeilen. Aus Sicht der Investoren stellte die Stadt damit plötzlich das gesamte Projekt in Frage: „Wenn wir kleiner bauen, ist das für uns wirtschaftlich nicht mehr machbar“, sagt Othmers Sohn Mathias, der ebenfalls an den Verhandlungen beteiligt war.

Aus Sicht der Investoren ist die jüngste Entwicklung symptomatisch: Man habe sich bei Gesprächen mit der Stadt immer wieder als Problem behandelt gefühlt – und nicht als Partner. Öffentlich diskutierte Knackpunkte waren der geplante große Parkplatz, dessen Lage direkt an der Fünfhausenstraße schließlich der Rat durchboxte – aber auch der von der Stadt geforderte Architektenwettbewerb.

Die Investoren betonen jetzt, sie hätten auf Wunsch der Stadt in den vergangenen Monaten und Jahren immer wieder neue Varianten vorgelegt, die dann abgelehnt worden seien. Eine hohe fünfstellige Summe sei allein in die Planungskosten geflossen. Konkrete Gegenvorschläge, was möglich sei, habe es aber kaum gegeben.

An vielen Stellen sei die Zusammenarbeit mit der Stadt gut gelaufen, betonen Melching und Othmer, erwähnen Gespräche mit Stadtwerken oder Stadtentwässerung in Sachen Fernwärme- und Kanalnetz.

Peter Othmer hat nach eigenen Angaben bereits den Rewe-Konzern über die Absage informiert; gestern sprachen die Investoren dann auch mit verkaufswilligen Grundstückseigentümern.

Die Stadt erwischt der Schritt kalt: Bürgermeister Christian Springfeld erfuhr von der Absage am Freitagabend durch die NDZ. Er bedauere den Schritt sehr. Man habe den Investoren „jeden roten Teppich ausgerollt“: Diese hätten jedoch bis auf die nicht realisierbare Bauvoranfrage nie konkrete, belastbare Pläne vorgelegt, aus denen man einen Bebauungsplan habe erstellen können: „Wir haben quasi gefleht, dass wir gesagt bekommen, was die Investoren machen möchten.“

Auch die telefonische Anfrage von Klostermann sei der Versuch gewesen, machbare Alternativen aufzuzeigen. Die Stadt könne unterstützen: „Aber die Arbeit, zu planen und zu bauen, können wir den Investoren nicht abnehmen.“ Man stehe nach wie vor für alle rechtlich machbaren Varianten zur Verfügung.

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