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Szenen einer kalten Jahreszeit: zwischen frierendem Obst und gestrandeten Müllsäcken

Springe – ein Wintermärchen

Springe (jemi, ric, zett). Er kommt jedes Jahr so sicher wie das Amen in der Kirche. Und doch schreibt er immer wieder neue Geschichten, der Winter – kleine und große, leise und laute. Die Neue Deister-Zeitung hat sich aufgemacht, die Episoden dieses noch so jungen Springer Winters zu sammeln.

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Der Wochenmarkt: „Ordentlich geräumt“, habe sie, die Stadt, lobt Marktmeister Peter Eicke. Sowohl in Springe als auch in Eldagsen könne daher diese Woche regulär verkauft werden – na ja, zumindest fast: Für Obst und Blumen ist es auch heute zu kalt, einige Händler bleiben dem Geschehen daher fern. Auch ältere Kunden registriert Eicke in diesen Tagen seltener – das wird sich in den Bilanzen bemerkbar machen. An Weihnachten und Silvester findet der Markt wieder bis 12 Uhr statt.

Die Müllabfuhr: Springe ist im Winter kein Segen für die Fahrzeuge der aha: viel Schnee und viel Gefälle. Das hat dazu geführt, dass bereits in dieser Woche nicht alles abgeholt wurde. Die Otto-Wehner-Straße und die Straße Am Ebersberg konnten am Montag nicht angefahren werden, berichtet aha-Sprecher Stefan Altmeyer. Auch in Völksen und Lüdersen kam es zu Problemen. Das Unternehmen bittet die Anwohner, die Säcke ein Stück die Straße herunter zu tragen, wenn das Haus oben an einem Berg liegt. „Das wäre eine große Hilfe für unsere Mitarbeiter“, sagt Altmeyer. Alle Springer, die Biotonnen nutzen, sollten etwas Papier hineinlegen, damit der Inhalt nicht festfriert.

Die Winterreifen: Wer jetzt noch Winterreifen benötigt, hat ganz einfach Pech gehabt – und „muss sein Auto stehen lassen“, sagt Händler Henning Jung trocken. Zum einen wegen der neuen Winterreifenpflicht, zum anderen, weil es kaum noch etwas zu kaufen gibt. Auch in Jungs Fachgeschäft wird es schwierig, noch den passenden Reifen zu finden. „Es gibt zwar noch einige Modelle, allerdings nicht mehr in der üblichen Vielfalt“, erklärt Jung. Nach der Einführung der Winterreifenpflicht sei der Ansturm riesig gewesen. Das würden die Händler und Großhändler ausnutzen und hätten die Preise teilweise um das Drei- bis Vierfache erhöht. Die Industrie stellt derweil keine Winterreifen mehr her. Dort sei bereits die Produktion für die Sommersaison eingeläutet, so Jung.

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Die Polizei: Seit Einführung der Winterreifenpflicht schauen die Springer Beamten bei Verkehrskontrollen und Unfällen genauer hin, was die Autos untenrum tragen. Gezielte Überprüfungsaktionen gab es bislang aber nicht, sagt der Leiter Einsatz- und Streifendienst, Lutz Fricke. Ohnehin würden sich die Fahrer auf das Wetter einstellen. „Die meisten sind sehr besonnen unterwegs“, freut sich Fricke. Das würde dann auch zu weniger Unfällen führen – wenngleich die Zahl der Blechschäden momentan hoch ist. Im Vergleich zu anderen Gegenden habe es aber noch keine schweren Unfälle seit Wintereinbruch gegeben.

Die Busse: Als in der vergangenen Woche die ersten Flocken fielen, da mussten im gesamten Gebiet der Regiobus die Fahrgäste immer wieder mal auf ihre Busse warten. Doch inzwischen habe sich die Lage beruhigt, sagt Unternehmenssprecher Tolga Otkun. Insbesondere der Betriebshof in Eldagsen sei gut gerüstet für den Schnee: „Die Fahrer sind geschult – und kennen das ja auch schon. Die Deisterlage ist einfach noch mal etwas anderes als unsere restlichen Verkehrsgebiete.“ Schon früh morgens, bevor die ersten Fahrzeuge den Hof in Eldagsen verlassen, räumen Mitarbeiter den Schnee, streuen und wärmen die Busse vor. Winterliche Freude kommt bei Otkun und vielen seiner Kollegen trotzdem nicht so richtig auf: „Aber gegen die Straßenlage können wir nun mal nichts machen.“

Die Ordnungshüter: Aufgehäufter Schnee, dort, wo einst Parkbuchten waren, scheinen immer mehr Autofahrer zur Park-Anarchie zu bewegen. Das Ordnungsamt greift ein, wenn widerrechtlich gehandelt wird. Nur beim Überschreiten von im Schnee nicht mehr sichtbaren Markierungen drückt die Stadt ein Auge zu.

Die Stadt: Der Räumdienst des Bauhofs ist fast ununterbrochen unterwegs. „In den vergangenen Tagen haben wir gegen Mitternacht aufgehört und um 4 Uhr morgens mit der nächsten Schicht begonnen“, berichtet Chef Jürgen Olschewski. 40 Mitarbeiter kümmern sich derzeit darum, dass die Straßen in der Kernstadt und den Ortsteilen einigermaßen befahrbar sind. 50 Tonnen Salz seien bereits auf den Springer Straßen gelandet. Damit es nicht wie im vergangenen Winter ausgeht, kam bereits in dieser Woche eine Ladung Nachschub. Problematisch seien die Räumarbeiten vor allem in den kleinen Stichstraßen. Die Wege werden durch den an die Seite gepackten Schnee immer schmaler, sodass die Autos auch immer weiter auf der Straße stehen. „Da kommen wir dann mit den großen Pflügen beim besten Willen nicht mehr hinein“, sagt Olschewski.

Der Skiclub: Bergab ging es gestern Nachmittag am Deister: Der Skiclub hatte bei 40 Zentimeter Schneehöhe seinen Lift am Kurzen Ging geöffnet. Die Bedingungen seien ideal, hieß es. Deshalb soll heute auch der zweite Lift am Steinbruch aufgebaut werden – und, so hofft der Club, am Wochenende in Betrieb gehen. Auch auf der Loipe können sich die ersten Skifahrer inzwischen tummeln. Aktuelle Informationen gibt es an den Schneetelefonen des Vereins: 05041/618 81 und 62727.

Die Stadtverwaltung hat unterdessen bei einer Besprechung gestern Morgen im Rathaus beschlossen, am kommenden Wochenende in Sachen Skigebiet nicht aktiv zu werden. Die organisatorischen Hürden seien zu hoch, um kurzfristig städtische Mitarbeiter einsetzen zu können, so Bürgermeister Jörg-Roger Hische: „Wir wollen beobachten, ob es auch ohne unseren ordnenden Einsatz geht.“

Der andere Skiclub: Ski gefahren wird auch im 281 Kilometer weit entfernten Morsbach (NRW). Der dortige Skiclub TuS Waldbröl hat die Pisten freigegeben – und zwar im Ortsteil Springe.

Die Versicherungen: Harald Meine fürchtet den Frühling, ein bisschen zumindest. Denn dann, wenn es taut und grünt, hat der Versicherungsberater der LVM in Springe beobachtet, passieren fast mehr Unfälle als jetzt im tiefen verschneiten Winter: „Die Leute fahren dann einfach nicht mehr so vorsichtig wie jetzt“, sagt Meine. Bislang sei er mit Verkehrsunfällen und Knochenbrüchen noch „relativ verschont“ geblieben. Anfang dieses Jahres machte ihm und seinen Kunden das Eis auf den Straßen erheblich mehr zu schaffen.

Die Wetterprognose: Kurz gesagt: Es wird wärmer. Am Sonnabend erwarten die Meterologen für Springe bis zu 6 Grad über dem Gefrierpunkt. Und was dann von oben kommt, ist eher ungemütlich: Die Niederschlagswahrscheinlichkeit beträgt 90 Prozent. Die Stadt warnt in diesem Zusammenhang vor „Überflutungsereignissen“ und bittet die Bürger, entsprechende Vorsorge zu treffen.



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