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Springe: Die Folgen des Hochwassers

ELDAGSEN/GESTORF/BENNIGSEN. Nur nach Boitzum musste die Feuerwehr nicht ausrücken – bislang. In allen übrigen Ortsteilen sorgte der Dauerregen mit Regenmengen von zeitweise mehr als fünf Litern je Quadratmeter pro Minute für insgesamt 50 Einsätze für die Ehrenamtlichen von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk.

Nächtlicher Einsatz in Bennigsen: Bei einem Handwerksbetrieb pumpen die Feuerwehr Wasser ab, das zuvor großflächig auf das Gelände gelaufen war. FOTOS (2): CAP

Besonders stark getroffen hat es Bennigsen und Eldagsen, wo Keller vollgelaufen waren und Straßen gesperrt werden mussten.

Vor dem Eingang stehen Einsatzkräfte, deren Jacken und Hosen vom Regen durchnässt sind. Einer von ihnen macht einen Witz über ein Paddelboot, das er sich bei Amazon bestellen will: Galgenhumor bei den Hilfskräften. Im Eldagsener Feuerwehrhaus, das zur Einsatzzentrale umfunktioniert wurde, hängen überall Landkarten, die Ausschnitte des Krisengebiets zeigen, auf einer Tafel steht, wo gerade wie viele Männer im Einsatz sind. Den Überblick behält Springes Feuerwehrchef Herbert Tschöpe, der gerade Niedersachsens Ministerpräsidenten Stephan Weil (SPD) über die Lage informiert: „Wir sind seit gestern Abend hier, zuerst war es ein lokaler Einsatz – aber es wurde immer mehr, immer mehr, immer mehr.“ Weil besuchte am Nachmittag die Einsatzzentrale in Eldagsen sowie Hochwassergebiete. „Es regnet weiter bis morgen habe ich gehört“, überbrachte der Ministerpräsident den Ehrenamtlichen eine eher schlechte Nachricht. Die kannten die aber bereits und stellten sich auf eine lange Nacht ein.

„Wir planen, nach neun Stunden Einsatzzeit eine Ablösung zu organisieren“, sagte Tschöpe – und wusste zu berichten, dass Bürgermeister Christian Springfeld seinen Urlaub im Sauerland abbricht und ebenfalls einen Besuch der Ehrenamtlichen plane. „Sagen Sie ihm, dass ich schon da war“, feixte Weil – und machte sich in einem Tross aus Feuerwehrautos und Dienstwagen auf den Weg zum Wasser.


Freibäder


Ein Freibad ohne Wasser ist wie ein Auto ohne Motor. Doch in diesen Tagen gibt es in den Bädern in Bennigsen und Eldagsen einfach zu viel davon. Doch in Bennigsen und Eldagsen gibt es nach diesem Dauerregen eindeutig zu viel davon. „Heute Morgen haben wir die Frühschwimmer noch reingelassen, aber danach war Schluss. Auch morgen bleibt das Freibad dicht“, sagt Chefin Martina Riemer. „Wir versuchen hier gerade, zu siebt das Schlimmste zu verhindern.“ Keller und Kiosk waren bereits morgens um 10 Uhr vollgelaufen gewesen. Ansonsten habe es aber keine Schäden gegeben. „Am Donnerstag nehmen wir den Badebetrieb wieder auf.“

Auch im Freibad Eldagsen hatte der Dauerregen Konsequenzen. „Wir mussten das DLRG-Zeltlager abbrechen“, berichtet Wolfram Feuerhake, Chef des Freibadvereins. Eigentlich hätten die Ferienkinder ihre Zelte erst am Sonnabend wieder abbauen wollen. Mehr sei aber nicht passiert. „Aktuell gehen wir auch davon aus, dass das geplante Volleyballturnier am Wochenende stattfinden kann“, so Feuerhake.


Landwirtschaft


Auch den Landwirten treibt das Regenwetter die Sorgenfalten ins Gesicht: Wenn man jetzt zu Fuß über die Felder gehen würde, könnte man das Getreide am Boden auswringen“, sagt Hilmar Kickel, Landwirt und Lohnunternehmer aus Springe. Der Großteil der Weizenhalme liegt am Boden .

Waren viele Springer Landwirte vorige Woche noch voller Hoffnung auf hohe Qualitätsstufen und Erträge weckt der lang anhaltende, ergiebige Regen Befürchtungen. Statt mit schwerem Erntegerät gehen die Springer Landwirte gerade in Gummistiefeln zu Fuß über die Felder um zu überblicken wie die Lage ist. Hilmar Kickel schöpft außerdem Wasser aus seiner Maschinenhalle.

„So wie es aussieht, können wir mindestens eine Woche lang nicht auf die Felder“, sagt sein Berufskollege Björn Estorf. In Gestorf seien in 27 Stunden 100 Liter Wasser pro Quadratmeter gefallen. „So viel hatten wir erst einmal, zu Pfingsten 1997“. Anders als damals verteile sich der Niederschlag dieses Mal aber auf einen größeren Zeitraum: „Da will ich die Ernte nicht schlechtreden.“ Brotweizen sei angestrebt, selbst wenn Futterweizen daraus würde, hänge es vom Markt ab, wie hoch die Einbußen ausfielen. Ein Problem: Bleibt das Getreide tagelang nass, beginnt es zu keimen. Trocknen die Körner vor der Ernte nicht ausreichend, muss es später aufwendig nachgetrocknet werden. Unkenrufen, wonach die Ernte gleich in der Biogasanlage landen könnte, mag Estorf kein Gehör schenken. „So etwas habe ich erst einmal erlebt.“ Die Ernteumstände seien zur Zeit miserabel. Bleiben die Halme am Boden, könne der Mähdrescher nur langsam fahren. Je niedriger eingestellt, desto eher kämen Sand und Steinchen mit. „Das sorgt für Verschleiß an unseren Geräten“, sagt Estorf.


Wisentgehege


Der Regen verwandelte Wege und Tieranlagen im Wisentgehege in riesige Teiche und Bäche. „Wir hatten Angst, dass das Wasser in die Häuser läuft“, sagt Gehege-Leiter Thomas Hennig, der mit seinem gesamten Team in Gummistiefeln versuchte, den Massen Herr zu werden. „Alleine können wir aber nicht dagegen ankämpfen.“ Die Tiere hätten zwar ähnlich wie die Menschen keine Lust auf das miese Sommerwetter, weitere Auswirkungen gab es aber nicht. Am Montag habe der Niederschlag noch dazu geführt, dass sich die Teiche füllten. „Weil es sehr lange trocken war, waren die Teiche quasi leer“, so Hennig. Aber auch die kamen an ihre Kapazitätsgrenze. „Ich kann mich nicht daran erinnern, dass schon mal so viel Regen runterkam.“ Trotzdem hatte sich der Gehegechef dazu entschieden, den Tierpark nicht zu schließen, dichtgemacht werde nur bei Sturm und Glatteis, um eine Gefährdung der Besucher auszuschließen. „Trotzdem hat natürlich niemand einen Grund, bei dem Wetter heute zu uns zu kommen.“rtm/shrm/kw/sah



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