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SPD-Fraktionschef: „Neue Kita wichtiger als Veranstaltungen“

Der Stadt fehlen 215 Kita-Plätze. In einigen Tagen sollen Politik und Stadt erstmals öffentlich über mögliche Lösungen sprechen. Der Sozialausschuss-Vorsitzende und SPD-Fraktionschef Bastian Reinhardt erklärt im NDZ-Interview, welches Vorgehen er sich vorstellt - und welche Standorte er bevorzugt.

Auf dem Festplatz am Hallenbad finden Schützenfest, Osterfeuer und Zirkus-Vorstellungen statt. Steht hier bald eine Kita? FOTO: MISCHER

Seit Anfang August gibt es in Niedersachsen und damit in Springe den beitragsfreien Kindergarten. Finden Sie das gut?

Ja. Ich habe vor einigen Jahren die Erhöhung der Beiträge in Springe politisch begleitet. Da ist die heutige Situation natürlich entspannter. Für die Eltern ist die Beitragsfreiheit gut, die Springe alleine nicht hätte finanzieren können. Wichtig ist, dass es nicht zulasten der Kommunen und Träger geht. Das wird sich zeigen müssen. Für die Familien ist das auf jeden Fall super.

Man könnte ja auch sagen: Wer eine gute Betreuung für seine Kinder will, soll dafür zahlen.

Ja, das ist richtig. Wenn man mehr als den gesetzlichen Standard von 8 bis 12 Uhr möchte, muss man auch bereit sein, seinen Beitrag zu leisten. Wenn sich die Öffentlichkeit es so wie jetzt leisten kann, dafür gerade zu stehen, ist das prima. Ich bin nur gespannt, was passiert, wenn die Steuereinnahmen beim Land deutlich zurückgehen.

In Springe bleibt das Problem, dass die Stadt für 215 Kinder keine bedarfsgerechten Betreuungsplätze hat.

Klar, es fehlen Plätze. In der Krippe, aber auch in der Kita. Ich habe selbst viele Bekannte, die vor dem Problem stehen. Das ist bei jedem Grillabend ein Thema. Ich sage da das, was ich jetzt auch sage: Es gibt Planungen für Anfang oder Mitte 2019. Und: Die Situation hat sich in den vergangenen Jahren zugespitzt. Vor fünf oder sechs Jahren haben wir noch darüber geredet, dass wir eine Grundschule in der Kernstadt zumachen, weil die Kinderzahlen zurückgegangen sind. Glücklicherweise haben sich die Geburtenzahlen geändert. Dazu kommt die Zuwanderung.

Das Thema bedarfsgerechtes Angebot ist natürlich schwierig: Wir können nicht so flexibel sein, dass wir jedes Jahr ein paar Plätze auf- oder abbauen können.

Sie haben gesagt, es gibt Planungen. Wie sehen die aus?

Ich glaube, es macht keinen Sinn, irgendwo eine riesige Kita hinzustellen und damit alle fehlenden Plätze abzudecken. Wir müssen ein differenziertes Angebot erhalten – in den Ortsteilen, aber auch bei den Trägern. Im Kleinen werden wir Gruppen erweitern müssen, neue Gruppen schaffen. Und dazu Neubauten. Beim Thema Tagesmütter sehe ich weniger Möglichkeiten. Durch immer mehr Vorschriften ist der Beruf unattraktiver geworden. Und die, die es machen, sind in Springe voll ausgebucht.

Die Stadt hat per Zeitungs-Anzeigen nach Grundstücken gesucht; Sie selbst haben auch Flächen ins Spiel gebracht.

Da gab es dankenswerterweise viele Rückmeldungen. Das wertet die Stadt gerade aus, sodass wir in der nächsten Sitzung von Sozialausschuss und Planungsausschuss (am 21. August, d. Red.) gemeinsam schauen können, was wo möglich ist.

Was können Sie sich vorstellen?

Die Stadt hat ja schon angesprochen, dass der Bereich Hallenbad eine Option ist. Das ist aus meiner Sicht sinnvoll. Am liebsten wäre mir die Liegewiese des Hallenbads. Dann hätten wir parallel den Festplatz noch. Aber selbst, wenn wir den nehmen: Dann wäre mir eine Kita wichtiger als zwei oder drei Veranstaltungen im Jahr. Vor allem, wenn sie so wie das Schützenfest so unsicher geworden sind.

Klingt aber auch so, als würde das nach Straßen und Kanälen, Rathaus, Schulen und Feuerwehren die nächste Millionenausgabe für Springes Minus-Haushalt.

Genau deshalb haben wir mit der CDU zusammen schon so lange auf Prioritätenlisten und Kapazitätsplanungen gepocht. Wir werden jedes Jahr ein stabiles, schaffbares Investitionsniveau erreichen müssen. Und dann schauen, was damit möglich ist. Im Zweifel, das muss man auch sagen, hat dann für mich eine Kita eine höhere Priorität als ein Feuerwehrhaus oder ein Kanal.

Mir ist unter dem Strich wichtig, dass wir eine Betreuung schaffen, die möglichst nah am Wohnort der Eltern ist – damit man sie nicht durchs Stadtgebiet schicken muss. Und: Wir können noch so schöne Gebäude bauen, wenn wir kein Personal finden. Da müssen wir in den Wettbewerb gehen. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Stadt da auch zusätzliche Kitas als Träger übernimmt. Vielleicht sogar in einer Art Eigenbetrieb, wie wir ihn für das Abwasser schon haben.

Müssen Stadt und Träger denn auch am Angebot schrauben? Wer im Schichtbetrieb arbeitet oder alleinerziehend ist, der kann mit den aktuellen Öffnungszeiten nicht immer etwas anfangen. In manchen Städten gibt es 24-Stunden-Kitas...

Klar, das ist ein Problem, das wir uns anschauen müssen. Und wenn es notwendig ist, müssen wir über eine Flexibilisierung der Öffnungszeiten reden. Spielraum ist da auch – nur: Eine 24-Stunden-Kita kann ich für Springe im Moment schwer greifen. Wo wir ran müssen, sind die Vergabekriterien für Plätze: Sind die noch aktuell?

Wie sieht es denn im Ganztag- und Hortangebot aus?

Da ist der Neubedarf nicht ganz so riesig und die Betreuungsquote nicht so kleinteilig wie in der Krippe oder Kita. Aber es gibt auch Brennpunkte wie Völksen. Im Grunde müsste man auch da die Grundschule perspektivisch neu bauen und dann Platz für Kita und andere Betreuungsangebote schaffen. Die Frage ist auch da nur: Wo bauen?



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