weather-image
16°

Sonja Beißwenger liest aus dem neuen Band von Ulla Hahn

SPRINGE. Wie viel Zweifel stecken in dem Glück, endlich eine Heimat gefunden zu haben? Diese Frage wurde während der Lesung von Schauspielerin Sonja Beißwenger im Gemeindehaus St. Andreas aufgeworfen – und wurde nur bedingt beantwortet.

Schauspielerin Sonja Beißwenger liest aus „Wir werden erwartet“, dem vierten Band einer Bücherreihe von Ulla Hahn. Darin geht es um Protagonistin Ulla, die im Kommunismus Halt sucht. Foto: Krause

Autor:

Reinhold Krause

Gut 40 Besucher lauschten den Worten von Beißwenger, die während ihrer 120-minütigen Lesung aus dem letzten Teil einer vierbändigen Reihe von Ulla Hahn vortrug. Die 38-jährige gebürtige Heilbronnerin verlieh der Lesung ihr eigenes Kolorit und erntete für die lebhafte Darstellung des Romantextes verdienten Applaus.

Begonnen hatte sie die Romanreihe 2001 mit „Das verbogene Wort“, dem 2009 der Bestseller „Aufbruch“ folgte. Mit „Spiel der Zeit“ setzte die Erfolgsautorin und Lehrbeauftragte 2014 die Reihe fort, dem sie 2017 mit dem letzten Band „Wir werden erwartet“ ein Ende bereitete. Damit die Zuhörer einen besseren Einstieg in das letzte Werk bekamen, gab Beißwenger einen kurzen Abriss der vorausgegangenen Handlungen.

Mit der Romanfigur Hildegard Palm, Hilla genannt, arbeitete die Autorin fast ihr eigenes Leben auf: Angesiedelt im studentischen Milieu der Siebzigerjahre, zwischen Köln und Hamburg, verliert sie durch einen Unfall ihren Verlobten Hugo. Die schwerste Krise ihres Lebens beginnt und führt sie nach Hamburg. Das Schicksal durchkreuzt ihre Pläne. Hilla sucht Halt, findet Menschen die mit ihrer marxistischen Weltanschauung für eine friedvolle, gerechtere Welt kämpfen.

Hilla unterliegt der Faszination für den Kommunismus und wird Mitglied der Deutschen Kommunistischen Partei. Nach aufgekommenen Zweifeln, sich einer Illusion hingegeben zu haben, gewinnt sie am Ende die Erkenntnis, dass Freiheit ohne die Freiheit des Wortes nicht möglich ist.

Der Autorin Ulla Hahn ist es mit dem Werk gelungen, plausibel darzustellen, wie sich ab 1968 ein junger Mensch für den Kommunismus begeistern und radikalisieren konnte. „Dass die DDR der bessere Staat war, friedliebender, gerechter, sozialer, bezweifele ich kaum. Trotz Mauer und Schießbefehl? Ja. … In meinen Augen war sie vor allem ein Schutzwall gegen die Flucht der Ewiggestrigen, damit den aufrechten Genossen ihr neues Land nicht kaputt ging“, schreibt Hahn auf Seite 516. Doch die Protagonistin Hilla findet schlussendlich aus der Verblendung heraus und zeigt sich auch mit ihren Eltern versöhnlich.



Anzeige
Weiterführende Artikel
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt