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So reagiert Springe auf die Trump-Wahl

SPRINGE. Darauf waren viele nicht vorbereitet: Donald Trump ist der gewählte Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Seine Wahl lässt nicht nur im politischen Berlin die Wellen hochschlagen – auch in Springe sorgt sie für Diskussionen.

Land der Freiheit und Demokratie: Im Gegensats zu den Donuts liegt das Wahlergebnis vielen Springern schwer im Magen.

Autor:

R. Mischer, S. Hermes und S. HELMBRECHT

Hautnah miterlebt hat Lisa Rokahr die Wahl in Amerika. Die gebürtige Springerin und frühere NDZ-Mitarbeiterin wohnt in den USA und berichtet für „FOCUS Online“ als Korrespondentin über Wahlkampf und Wahlen. „In New York sorgte der Erfolg Trumps bei den überwiegend demokratischen Wählern für Erstaunen, dann für Entsetzen. Bei den republikanischen Anhängern war es zunächst auch Erstaunen - dann pure Euphorie“, sagt die 29-Jährige. Sie habe die Wahlnacht mit den Republikanern verbracht. „Zwei Parteimitglieder haben mir im Vertrauen gesagt, dass sie einen Sieg Trumps für unmöglich gehalten haben.“ Warum Trump am Ende gewonnen hat? „Die Wähler haben kein Vertrauen mehr in das Establishment, sehen die herkömmliche Politik als gescheitert, Trump gibt ihnen eine Stimme“, sagt Rokahr. Und dafür würden sie ignorieren, dass diese Stimme auch gegen Minderheiten hetzt und rhetorisch spaltet.

„Meine größte Angst nach dieser Wahl ist, dass Trumps Einstellungen als sozial akzeptiert gelten“, sagt die Springerin. Sie habe das bei großen Wahlkampf-Events von Trump beobachtet: „Er poltert auf der Bühne, aber das Publikum ist sein noch erbarmungsloseres, dreckigeres Echo.“ Außerdem bekam sie offen geäußerte Beleidigungen, Drohungen, Rassismus auf den Events mit. Sie habe Angst, dass dort jemand im Weißen Haus sitzt, der denkt, Frauen seien weniger wert, Migranten seien Abschaum „und wir müssen jemanden für seine politische Meinung hassen. Ich habe Angst, dass er den Amerikanern vermittelt: Es ist okay, so zu denken. Denn es ist nicht okay.“

„Ich habe ein komisches Gefühl im Bauch“, sagt CDU-Chefin Elke Riegelmann. Ob Hillary Clinton allerdings die richtige Kandidatin für die Demokratische Partei war, bezweifelt sie. „Das wird den Ausschlag gegeben haben, dass die Amerikaner sich am Ende für Trump entschieden haben.“ Bis 2 Uhr nachts habe sie die Wahl im Fernsehen verfolgt. Riegelmann: „Ich wünsche uns allen viel Glück und dass das Schreckensgespenst, das uns aufgemalt wurde, nicht so schrecklich ist.“

Gleichzeitig möchte die Chefin des Springer CDU-Stadtverbands Trump nicht als „Bösewicht“ hinstellen. „Die Amerikaner haben gewählt, das müssen wir jetzt hinnehmen und wir sollten allen Dingen eine Chance geben.“ Sie hofft, dass die Wahl auch für Deutschland ein gutes Ende nehmen wird.

SPD-Bundestagsabgeordneter Matthias Miersch äußert sich besorgt über die Wahl des Unternehmers ins Weiße Haus: „Der Ausgang der Wahl in den USA beunruhigt mich zutiefst und zeigt: Wir müssen Solidarität, Weltoffenheit und Vernunft immer wieder aufs Neue demokratisch verteidigen und gegen Hass und Populismus aufstehen.“

Zuschauen reiche nicht, jeder Einzelne sei in der Verantwortung. „.Das gilt nicht nur für die USA, sondern auch für Europa“, meint Miersch. Alle müssten hart dafür arbeiten, „dass die Alltagssorgen der Menschen nicht in Angst und Abschottung umschlagen“.

Überrascht über den Wahlausgang war Thomas Hüper-Maus von den Grünen. „Ich hoffe, dass Trump als Politiker und Präsident anders auftritt, als im Wahlkampf, sonst wäre das eine Katastrophe“, sagt er. Immerhin habe Trump noch zwei Vertretungskammern, Senat und Repräsentantenhaus, die „ihn im Zaum halten“. Es werde „nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird“, ist sich Hüper-Maus sicher. Warum die Amerikaner Trump gewählt haben, kann er sich nicht erklären. „Mir fehlen die Worte. Ich kann mir kaum vorstellen, dass so ein pöbelnder Mensch in Deutschland gewählt worden wäre. Die Frustration muss hoch sein.“

Die Wahl sei auch Thema an seinem Arbeitsplatz gewesen. „Keiner bejubelt das. Viele haben Angst, aber so weit bin ich noch nicht, man muss jetzt abwarten, was geschieht.“

Bürgermeister Christian Springfeld bezieht klar Stellung: „Es ist furchtbar. Da möchte man eigentlich gar nicht drüber sprechen.“ Er betont, dass die Wahl in den USA auf die Springer Kommunalpolitik keine Auswirkungen habe. Auf seinem Facebook-Account postet der Bürgermeister zwei Daten:
„09-11/11-09.“ Letzteres kennzeichnet das Datum der Terroranschläge vom 11. September. Das erste Datum ist der Tag der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten.



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