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September ist so trocken wie seit fast 50 Jahren nicht mehr

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VON SASKIA HELMBRECHT UND RALF T. MISCHER

SPRINGE. Freizeitsportler und Wanderer sind froh – Kleingärtner und Landwirte eher nicht: Der September ist so trocken wie seit fast 50 Jahren nicht mehr. Und weil es auch im Sommer verhältnismäßig wenig Niederschlag gab, hat das viele Auswirkungen auf das Leben in der Stadt. Wir haben alles Wichtige zur Trockenheit zusammengefasst.
„Es ist definitiv trockener als in einem September üblich“, sagt der lokale Wetterexperte Karl-Hermann Heinze. Lediglich 8 Millimeter Regen sind im September bisher über dem Deister niedergegangen. So wenig Schauer in einem September gab es hier zuletzt im Jahr 1969 – damals gingen sogar nur fünf Millimeter über dem Stadtgebiet nieder. Als Durchschnittswert für einen September hat Heinze eine Niederschlagsmenge von 58 Millimetern errechnet. Da ist Springe in diesem Jahr weit drunter. Mit Folgen.

Etwa für Kleingärtner: „Der Rasen verbrennt fast überall“, sagt Peter Ettel, Vorsitzender des Kleingartenvereins Osttangente. Und meint, dass das Grün wegen chronischem Wassermangel, braun, trocken und unansehnlich wird. An den Obstbäumen fielen bereits die Früchte ab. Ebenso wie das Laub. Die späteren Kartoffeln würden dieses Jahr nur sehr klein werden. Zucchini und Tomaten müssten noch mehr gegossen werden.
„Bei uns auf der Anlage ist die Trockenheit das beherrschende Thema. Alle warten und hoffen auf Regen“, weiß Ettel. Sollte es im Herbst und Winter noch ausreichend regnen, könnten sich die Bäume und Pflanzen wieder erholen, ist Ettel überzeugt. Bei kleinwüchsigen Bäumen sei die Chance geringer, dass sie sich erholen. Denn durch die wenigen Wurzeln könnten diese Baumarten von sich aus schon weniger Wasser aufnehmen – Ettel rät allen Gärtnern, sie mehr zu gießen.

 

„Wir müssen uns jetzt auf die Trockenperioden einstellen. Auch die Pumpen werden das nicht auffangen können“, ist er sich sicher. Gleichzeitig stellt er klar: Dem Klimawandel könne man nicht mehr im Kleinen begegnen: „Da ist ein Umdenken in der großen Politik dringend erforderlich. Es gibt dutzende Klima-Gipfel und doch passiert nichts.“
Auch Kreislandwirt Björn Estorf aus Gestorf schlägt Alarm: „Es müsste jetzt dringend regnen.“ Die Kartoffelernte werde etwa durch die große Trockenheit massiv erschwert: Es bildeten sich harte Erdklumpen, welche die Arbeit der Erntemaschine beeinträchtigen und auch die Kartoffeln selbst beschädigten. Die Folge: Ernteeinbußen.


Mit großer Sorge blickt auch Stadtförster Bernd Gallas auf die trockenen Bäume im Deister. Viele seien schon welk und würden Laub abwerfen. „Wir haben das besonders an Standorten festgestellt, die sonst eher gut bewässert sind“, sagt Gallas. Dass das Laub bereits jetzt auf den Boden fällt, ist eher ungewöhnlich, weiß Heinze: „Üblicherweise geschieht das erst Ende Oktober.“
Im östlichen Revierteil des Stadtforstes ist es aber bereits jetzt soweit: Die Bäume dort würden sich nicht gut auf die Trockenheit einstellen – anders als an kargen Felsen. „Da kommen die Bäume besser mit wenig Wasser zurecht.“ Das Laub ist aber seine geringste Sorge. Er befürchtet negative Konsequenzen für die kommenden Jahre. „Die Bäume könnten nachhaltig Schaden nehmen und krank werden. Bei manchen Buchen drohen sogar langfristige Schäden, andere könnten absterben.“ Es gab bereits eine ähnliche Trockenphase in den 1950er-Jahren. „Aus unseren Dokumenten wird deutlich, dass der eigentliche Schaden erst Jahre später eintritt.“ Trocken sei es schon häufig am Deister gewesen. „Aber dass es so extrem ist, ist wirklich selten.“


Gallas weist auch auf die Waldbrandgefahr hin. Ein Funke könnte schon reichen, um ein Feuer zu entfachen. „Man sollte wirklich vorsichtig sein“, appelliert er. Und wünscht sich, dass es rund 100 Millimeter pro Quadratmeter regnen würde: Dann könnten sich die Wälder erholen. „Ein starkes Unwetter würde aber nichts bringen, dann würde das Wasser vom Boden abprallen. Besser ist ein langsamer, leichter Regen über mehrere Tage.“
Zwiegespalten ist Wisentgehege-Leiter Thomas Hennig: Derzeit wird im Tierpark eine neue Fütterungsanlage für die Wisente gebaut. Für die Bauarbeiten ist das trockene Wetter sogar hilfreich. Den Tieren mache das Wetter nichts aus, sagt Hennig. Die bekommen wie gewohnt ihr Trinkwasser. Bemerkbar mache sich die Trockenperiode aber finanziell: Damit die Teiche, zum Beispiel bei den Fischottern, nicht austrocknen, müssten diese auch nachts konstant bewässert werden. „Dieses Jahr ist es noch extremer geworden, als in den Vorjahren“, so Hennig.



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