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Mit Betrugsmasche Springer Bürger abgezockt: 38-Jähriger muss wieder ins Gefängnis

Seine Spielsucht stürzte ihn in den Ruin

Springe (ric). Sein Geständnis war der Auftakt: „Ich bin schuldig“, sagte der 38-Jährige gestern bei seiner Verhandlung am Springer Amtsgericht. Was dann folgte, war die erschütternde Lebensgeschichte eines Mannes, der vieles hatte und alles verlor. Und der jetzt wegen gewerbsmäßigen Betrugs wieder in den Knast muss.

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Der in Deutschland geborene Mehmet A. hat einen türkischen Pass, keine Ehefrau mehr, dafür ein prall gefülltes Vorstrafenregister und jede Menge Sucht- und Geldprobleme – ohne erkennbaren Ausweg. Dabei lief früher alles so gut: Als gelernter Gießereimechaniker arbeitete A. jahrelang bei VW, war Facharbeiter mit einem gesicherten Einkommen, fuhr eine Nobelkarosse, hatte viele Freunde. 2003 dann trennte sich die Firma von ihm – weil er täglich sturzbetrunken bei der Arbeit war. Zuvor war nach nur zwei Jahren seine Ehe gescheitert. Dafür fand der Hannoveraner neue Leidenschaften: Haschisch und Glücksspiele. Immer wieder verzockte er Geld an Automaten. Dann die Sportwetten. Und die dramatisch gestiegenen Summen: tausende Euro Einsatz pro Tipp. „Mein Vater besaß zehn Häuser in der Türkei, die musste er alle verkaufen.“ A. trieb sich und seine Familie in den Ruin, hatte längst den Überblick verloren. Heute glaubt er, bisher eine halbe Million Euro verspielt zu haben. Um sich als Arbeitsloser dieses teure Leben zu ermöglichen, fing er nicht nur an, sich privat Geld zu leihen und sich horrende Zinsen aufzulasten – er betrog auch seine Mitmenschen: In Springe sprach er gutgläubige Passanten an, sagte, er habe sein Portemonnaie im Auto gelassen, die Tür sei zu und der Schlüssel im Zündschloss. Daher brauche er dringend Geld für eine Zug- oder Taxifahrt.

Zehnmal glaubten ihm die Springer, aber auch Menschen in anderen Orten der Region. Das Geld versprach er zurückzuzahlen – ohne das jemals ernsthaft vorgehabt zu haben. Die ergaunerten Summen lagen in zwei Fällen bei 100 Euro. 25 Taten wurden wegen Geringfügigkeit eingestellt. Schon seit 1998 stapeln sich bei der Staatsanwaltschaft Akten über den Mann. Verurteilt wurde er bereits wegen 36-fachen Betrugs, dann wegen der gleichen Masche in 37 Fällen: drei Jahre Gefängnis.

Dort verhielt sich A. zumindest im geschlossenen Vollzug vorbildlich – während er bei einem Freigang wieder Leute betrog. Nach zwei Dritteln der Haftzeit wurde er entlassen – mit drei laufenden Bewährungen und 1400 Euro in der Tasche. „Das Geld habe ich in zwei Tagen in einer Spielhalle verzockt.“ A. schlug seine eigene Abschiebung in die Türkei vor, dort sei er weniger gefährdet, rückfällig zu werden. Ein Wunsch, dem Richterin Pamela Ziehn natürlich nicht nachkommen konnte. Stattdessen nannte sie es einen „Hammer“, dass der Angeklagte auch seine Bewährungshelferin belogen hatte – bis vorgestern wusste sie noch gar nichts über die neuen Vorwürfe. „Ich habe ihr bekifft einen vorgespielt“, räumte der Mann ein.

Jetzt muss A., der bei der Verhandlung mehrfach in Tränen ausbrach, wieder für ein Jahr und vier Monate hinter Gitter. Ziehn lehnte den Vorschlag des Pflichtverteidigers ab, nur eine stationäre Therapie aufzuerlegen: „Er geht nicht offen und ehrlich mit seinen Problemen um“, sagte die Richterin.



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