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Schwägermann: Millionenprojekt statt Gasthof

BENNIGSEN. Mindestens bis Ende Mai will Stefan Schwägermann den altehrwürdigen Gasthof in Bennigsen noch betreiben. Was danach passiert, steht schon fest.

Bis zum Frühsommer ist im Gasthof Schwägermann noch in Betrieb. Ackermann
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Christian Zett Redaktionsleiter zur Autorenseite

Ein Gerücht ist wie eine dieser Scherz-Kerzen auf Geburtstagskuchen, die man nicht so recht ausgepustet bekommt. Das erlebt seit einiger Zeit auch Stefan Schwägermann. Egal, wie sehr er sich stemmt gegen den Tratsch im Ort, der altehrwürdige Gasthof seiner Familie sei längst zu: Diese Info hält sich hartnäckig. Dabei sind die Fakten klar: Der Gasthof ist geöffnet, der Betrieb läuft – mindestens bis Ende Mai. Danach, das stimmt auch, wird zugemacht. Und abgerissen.

Auf dem mehr als 5000 Quadratmeter großen Gelände sollen bis 2019 vier Mehrfamilienhäuser mit bis zu 40 Eigentumswohnungen entstehen. Hinter dem etwa sieben Millionen Euro teuren Projekt steckt die Firma „TiMa Immobilien“ mit Marco Herrmann und Tim Gebauer, die das Grundstück von Schwägermann gekauft hat.

Zurzeit lasse man einen neuen Bebauungsplan erarbeiten, erklärt Herrmann. Die Wohnungen sollen demnach barrierearm gestaltet werden, die Häuser zwei- bis dreistöckig plus Staffelgeschoss werden. „Der Bedarf ist da“, sagt Herrmann: In Bennigsen seien Wohnungen dieser Art schon lange nicht mehr gebaut worden. Er hofft, im Sommer loslegen zu können und die Arbeiten im Jahr darauf abzuschließen. Angelockt werden sollen nicht nur Interessenten aus der näheren Umgebung, sondern auch etwa aus Hannover.

Entstehen sollen auf der 5000 Quadratmeter großen Fläche vier Mehrfamilienhäuser. Skizze: ARCHITEKTEN RIEMER & NIEMEIER
  • Entstehen sollen auf der 5000 Quadratmeter großen Fläche vier Mehrfamilienhäuser. Skizze: ARCHITEKTEN RIEMER & NIEMEIER

Bis dahin will Stefan Schwägermann im Gasthof noch das normale Programm fahren: Die Öffnungszeiten bleiben gleich, Veranstaltungen und Feiern sind möglich: „Wir haben in den nächsten Monaten noch Geburtstage, Jahresversammlungen, Konfirmationen – das ganz reguläre Geschäft.“ Auch der Tanz in den Mai soll nicht ausfallen.

Wer anruft, den informiert Schwägermann über den Stand der Dinge: „Aber es gibt auch viele, die fragen nicht mal mehr nach. Die bleiben einfach weg.“ Dabei will der Gastronom auch nach dem Aus des alteingesessenen Gasthauses in Bennigsen aktiv bleiben: Seit drei Jahren betreibt er parallel das Clubheim des FC Bennigsen: „Da geht es auf jeden Fall weiter“, sagt er. Voraussichtlich im Mai will sich Schwägermann noch mal mit einer Feier von Geschäftspartnern und Freunden von seinem alten Standort verabschieden.

Wer mit dem Bennigser über die Ursachen der Schließung spricht, der ist schnell auch bei einem von Bennigsens Vorzügen angelangt: der guten Anbindung nach Hannover. „Wir sind ein Schlafort geworden“, sagt der Gastronom: „Die Leute arbeiten in Hannover. Und sie feiern da.“

Dazu komme die zwischenzeitlich enorme Dichte gastronomischer Betriebe in Bennigsen: Zu Spitzenzeiten zählte Schwägermann elf Konkurrenten. „Für einen Ort mit 4000 Einwohnern ist das ein dichtes Angebot“, glaubt er.

Aber auch das Freizeitverhalten vieler Leute habe sich verändert. Einstige Stammgäste wie die Mitglieder des Gesangvereins lösten ihren Club auf, andere traditionelle Großveranstaltungen verloren ihre Anziehungskraft: „Wir hatten hier früher sechs Bälle im Jahr.“ Heute ist keiner mehr übrig – „nicht, weil die Veranstaltungen schlecht waren. Sondern weil es die Leute nicht mehr interessiert hat“, sagt Schwägermann.

Für Bennigsen stellt der Abschied vom Gasthaus im Frühjahr oder Frühsommer in jedem Fall eine Zäsur dar. Nach eigenen Angaben gibt es den Betrieb in verschiedenen Formen bereits seit dem Jahr 1859 – Stefan Schwägermann leitet den Gasthof in siebter Generation. In den Anfangsjahren, so beschrieb es das Unternehmen auf seiner Internetseite, betrieb die Familie einen Laden, in dem sie selbst angebaute Lebensmittel verkaufte. Nebenbei entstand eine Gaststätte, die dann zum Hauptgeschäft wurde. Zuletzt hatte in Bennigsen „Daniels Speisenwirtschaft“ geschlossen, das frühere Gasthaus Stamme an der Hauptstraße. Folgt in einigen Monaten Schwägermann, fehlen Vereine und Gruppen immer mehr Räume für Treffen: Der Ortsrat etwa kommt heute im Mehrzweckraum der Sporthalle der Grundschule zusammen.

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