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Landeskriminalamt warnt Springer Lehrer und Eltern vor kursierender Handy-Botschaft

Schulen reagieren auf Todesdrohung

Springe. Als die Nachricht vom Landeskriminalamt in seinem E-Mail-Postfach landet, weckt sie bei Schulleiter Andrej Klimenko Erinnerungen. Es ist noch nicht lange her, da liefen junge Mädchen weinend durch die Flure der Gerhart-Hauptmann-Schule. Grund: ein Kettenbrief, verschickt per E-Mail. Inhalt: eine Todesdrohung.

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VON CHRISTIAN ZETT

Was für Erwachsene schnell als makaberer Scherz zu erkennen ist, verunsichert Kinder und Jugendliche. Auch deshalb leisten die Springer Schulen schon jetzt Aufklärungsarbeit – bevor eine neue, perfide Sprachnachricht die Stadt erreicht.

Die Botschaft, die inzwischen auch das LKA beschäftigt, kommt per Sprachnachricht aufs Handy: Dem Empfänger wird mit dem Tod gedroht, wenn er die Botschaft nicht schnell genug und oft genug weiterleitet. Verbreitet wird sie mit dem kostenlosen Programm „Whats App“ für moderne Mobiltelefone. Die Anwendung hat auch bei vielen Springer Kindern und Jugendlichen die klassische SMS abgelöst, mit ihr verschicken sie täglich hunderte, tausende Nachrichten – als Text oder per Sprache. Die Botschaften lassen sich auch beliebig weiterleiten, von Handynummer zu Handynummer.

In der kurzen Botschaft heißt es, die Nachricht müsse möglichst schnell an 20 Empfänger geschickt werden. Geschieht dies nicht, so werden angeblich der Empfänger, aber auch die Mutter des Empfängers sehr bald getötet. Was nach einem schlechten Scherz unter Jugendlichen klingt, hat durch die rasend schnelle Verbreitung per moderner Technik bei Polizei und Schulen Alarm ausgelöst. Einen konkreten Fall hat noch keiner der Springer Schulleiter registriert.

Vorsorglich sind sie und ihre Lehrerkollegen trotzdem aktiv: „Wir haben das sehr intensiv thematisiert“, sagt Klimenko, der Teil eines dreiköpfigen Schulleiter-Teams an der Hauptschule ist. Vor allem, weil die Nachricht gesprochen ist, entfalte sie auf jüngere Schüler eine besondere Wirkung: „Sie sind eben noch gutgläubig, behütet.“ Durch den Vorfall mit der E-Mail seien viele Schüler aber sensibilisiert: „Wenn es Gesprächsbedarf gibt, wenn die Nachricht auftaucht, dann wenden sie sich an uns“, ist Klimenko überzeugt.

Nebenan im Otto-Hahn-Gymnasium kennt man die unheilvolle Sprachnachricht ebenfalls: „Sie ist aber hier nicht im Umlauf, soweit ich weiß“, sagt der stellvertretende Schulleiter Stephan Kohser. Trotzdem sei das gesamte Kollegium über die Warnung des Landeskriminalamts informiert worden. „Die Nachricht stoppen oder löschen können wir nicht. Also wollen wir informieren und beruhigen“, erläutert Kohser die Strategie am OHG.

Ohnehin sei der Umgang auch mit solchen Auswüchsen der modernen Technik Teil des Unterrichts: So absolvieren alle jungen Schüler am Gymnasium die sogenannte „Cyberlicence“, die sie befähigen soll, sich sicher im Internet oder mit Smartphones zu bewegen.

An der Heinrich-Göbel-Realschule sei man durch das LKA-Schreiben „hellhörig“ geworden, sagt Leiter Frank Kasburg. Auch er weiß, dass „besonders jüngere Kinder wirklich Angst kriegen“. Dass es sich nicht um einen Text, sondern um eine Sprachbotschaft handelt, sei „perfide“ – „das hören sich viele wirklich bis zum Ende an“.

Eltern, deren Kinder mit der Drohung in Kontakt bekommen, rät das Landeskriminalamt: „Besprechen Sie mit den Kindern dieses Phänomen. Empfehlen Sie, die Nachricht zu löschen und nicht weiter zu verbreiten.“ Eine Strafanzeige bei der Polizei sei nicht erforderlich.

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