weather-image
22°

Schützenfest: Stadt will Ausnahmen vom Lärmschutz

SPRINGE. Während die Ausrichter in Gesprächen über die Zukunft des Volks- und Schützenfestes verhandeln, verfolgt die Stadt parallel eine weitere Strategie: Sie will sich weiter für eine Rückkehr der Traditionsveranstaltung auf den Burghof stark machen

Musik beim Schützenfest: Geht es nach der Stadt, soll es das nicht nur zentral, sondern auch später am Abend geben. FOTO: Archiv

Autor:

SASKIA HELMBRECHT UND CHRISTIAN ZETT

Die Stadt hat beim Land per Eingabe gefordert, dass es Ausnahmen vom Lärmschutz gibt.

Bürgermeister Christian Springfeld hatte sich schon zuvor an den Gesprächen über einen Umzug ins Zentrum beteiligt – doch nach dem Protest einiger Anwohner hatten sich die Vereine dagegen entschieden. Doch auch andernfalls habe der Standort Nachteile: „Länger als bis 23 Uhr darf man aber auch dort offiziell und gegen den Willen der Anwohner keinen Krach machen“, so Springfeld. Die frühe Uhrzeit reiche jedoch weder ihm selbst noch den Veranstaltern: „Ich möchte Ausnahmen zulassen dürfen.“

Um das zu erreichen, geht Springe jetzt den offiziellen Weg: Die Verwaltung hat über den Städtetag ans zuständige niedersächsische Umweltministerium appelliert, Ausnahmen wie das Feiern in einigen Nächten bis 3 Uhr genehmigen zu dürfen. Spontan hätten sich der Forderung aus Springe mehrere Kommunen angeschlossen, „weil die das gleiche Problem haben“. So der Bürgermeister.

In anderen Bundesländern sei es bereits möglich, den Feierschluss in wenigen Nächten deutlich nach hinten zu verlegen. In Niedersachsen sei man mit 23 Uhr sogar schon eine Stunde im Ausnahmebereich.

Springfeld kritisiert aber auch Anlieger, die mit aus seiner Sicht überzogenen Maßnahmen gegen Feiern vorgehen: „Grundsätzlich bin ich ja der Meinung, dass sich jeder auch mal Ohrstöpsel reinmachen kann.“ Leider griffen „einige lieber zum Rechtsanwalt als zum Ohrstöpsel“ – diese Leute säßen „lieber verbittert mit der Handy-App hinterm Jägerzaun und überwachen penibel die Einhaltung der Grenzwerte als mitzufeiern, in Urlaub zu fahren, oder eben sich die Ohren dicht zu machen.“ Ein solches Vorgehen sei zwar das gute Recht der Bürger – es ärgere ihn aber trotzdem, so der Bürgermeister“ – „und deswegen will ich das Recht an der Stelle ändern“.

Grundsätzlich halte er sowohl den Standort Innenstadt als auch „die uneingeschränkte Zusammenarbeit der Vereine nach Eldagser Vorbild“ für „unumgänglich“.

Vize-Verwaltungschef Gerd-Dieter Walter hat sowohl Verständnis für die Absage der Schützengilde als auch für die Anwohner, die auf ihrem Ruhe-Recht bestehen. „Die Argumentation von Heinrich Schwarze ist schlüssig“, sagt Walter. Eine Verlegung des Festes auf den Burghof würde das generelle Problem des Schützenfestes aber auch nicht lösen: „Früher hatte das Fest eine andere Bedeutung für die Bewohner. Heute gibt es eine Vielzahl an Möglichkeiten.“ Viele Springer würden zum Feiern weiter wegfahren, weil sie mobil sind. „Die Attraktivität hat gelitten, das wird man akzeptieren müssen.“ Es gebe zu viele ähnliche Veranstaltungen. „Das Volksfest muss wieder zu etwas Besonderem gemacht werden.“ Walter könnte sich auch vorstellen, dass das Event nicht mehr jährlich stattfindet, sondern im Abstand von mehreren Jahren – und dann unter der Regie aller Vereine. „Natürlich wäre es traurig, wenn das Fest wegfiele. Aber wenn das Interesse nachgelassen hat, müssen andere Wege gefunden werden.“

Der frühere Ortsbürgermeister Carsten Marock hat indes mit Unverständnis auf die Absage der Schützengilde für das kommende Jahr reagiert. Er habe sich in seiner Amtszeit auf Wunsch des Vereins dafür eingesetzt, dass dieser 2018 – im Jahr seines 125-jährigen Bestehens – die Ausrichtung des Festes erhalte. „Dass sie dann jetzt absagen, weil sie eingeschnappt sind, ist sehr schade“, so Marock. Das Ortsratsmitglied sieht für die aktuellen Probleme mit dem Standort auch die Ausrichter selbst in der Verantwortung: Diese hätten früher auf die Anwohner zugehen müssen – vor einer öffentlichen Diskussion über den Umzug des Festes.

„Eldagsen führt im Feiern drei zu null gegen Springe“, so fasst es Ratsherr und SPD-Fraktionschef Bastian Reinhardt zusammen. „Die Springer müssen aufhören zu nölen“, findet er klare Worte. In der Kernstadt, so Reinhardt, werde die Tradition nicht ausreichend hochgehalten. „Mein Tipp: Macht es wie in Eldagsen mit dem Schützenrat.“

Wenn das Fest dann auf dem Burghof stattfinden soll, hätte man ein größeres Team, um diese Herausforderung zu stemmen – „und die Kritikpunkte der Anwohner gemeinsam anzugehen“.

Ähnlich wie Walter kann sich auch Reinhardt vorstellen, dass das Fest nur noch alle zwei Jahre stattfindet. „Es gibt viele Möglichkeiten, aber für einen alleine ist es schwer, den Anforderungen Herr zu werden.“ Er wünscht sich, dass sich alle Beteiligten an einen Tisch setzen und über viele verschiedene Ideen sprechen. „An Eldagsen wird Springe wohl aber nie ran kommen.“



Anzeige
Weiterführende Artikel
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt