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Schützenfest: Rückzieher vom Neustart

SPRINGE. Sie wollten das Volks- und Schützenfest wieder ins Zentrum bringen – doch jetzt haben die fünf ausrichtenden Vereine einstimmig einen Rückzieher gemacht: Bei einem internen Treffen beschlossen sie, den geplanten Umzug auf den Burghof abzublasen.

Das Volks- und Schützenfest bleibt auf dem Festplatz am Hallenbad – das haben die Ausrichtr entschieden. Foto: Archiv
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Sandra Hermes Redakteurin zur Autorenseite

„Die Hürden für uns als Ausrichter waren einfach zu hoch“, sagt Spielmannskorps-Chefin Christa Heinzel. Die Musiker sind in diesem Jahr verantwortlicher Ausrichter – erstmals unterstützt von den anderen Vereinen sowie der Feuerwehr. Es habe sich unter den Anwohnern eine zu große Front gebildet, gegen die sie hätten ankämpfen müssen. Die Beschwerden während der Veranstaltung seien programmiert. „Was bringt es uns, wenn wir ein tolles Fest haben, aber zwei Anwohner an den drei Tagen jede Kleinigkeit notieren, die schief läuft und am Ende sogar Rechtsanwälte eingeschaltet werden?“, fragt Heinzel.

Die Vereine könnten die Wünsche der Nachbarn nicht zu deren Zufriedenheit erfüllen. „Auch wenn um 23 Uhr die Musik ausgemacht wird, können wir nicht garantieren, dass alle Gäste gleich den Heimweg antreten“, sagt die Spielmannscorps-Chefin. Man könne keinen Trupp abstellen, der kontrolliere, ob jeder Gast ordnungsgemäß die Toilette aufsuche und sich nicht im Vorgarten eines Anwohners erleichtere. „Und wenn jemand zu viel trinkt und er am Ende sein Essen wiedersieht, haben wir darauf auch keinen Einfluss“, sagt Heinzel. Das Gleiche gelte für Grölereien nach 23 Uhr.

Sie gibt offen zu: „Wir hätten es uns schon sehr gewünscht, wieder auf dem Burghof feiern zu können.“ Der Standort sei einfach deutlich attraktiver als der Festplatz am Hallenbad. Enttäuscht fügt sie hinzu: „Die Vereine organisieren das Fest für ihre Stadt, um gemeinsam mit allen Bürgern zu feiern.“ Bei so viel Widerstand bringe das aber nichts und mache schlicht auch keinen Spaß. „Wir machen das alle ehrenamtlich. Der Organisationsaufwand ist groß und beginnt bereits ein Jahr vorher. Der Lohn soll eine fröhliche Gemeinschaft in unserer Stadt sein und kein Fest, das nur von Beschwerden bestimmt ist“, erklärt Heinzel.

Und noch ein weiterer Grund habe zu der Kehrtwende geführt. „Alle Vereinsvorstände hegen ernsthafte Zweifel daran, dass es überhaupt zu einer Wiederholung des Festes in der Innenstadt kommt, wenn wir jetzt schon Gefahr laufen, hinterher mit einer langen Beschwerdeliste konfrontiert zu werden.“ Die Erfahrung habe gezeigt, dass ein Wechsel vom Hallenbad in die Innenstadt und wieder zurück einen größeren Schaden für das Schützenest bedeute als er jetzt schon gegeben ist, sagt Heinzel.

Auch Ortsbürgermeister Karl-Heinz Friedrich ist unglücklich über die Entscheidung. „Wir waren schon auf der ersten Sitzung mit den Anwohnern geknickt, dass die Gegenwehr so groß ausfällt“, sagt er. Der Standort am Hallenbad sei einfach unattraktiv. „Klar, da gibt es mehr Parkplätze, aber ansonsten ist das zu weit draußen und zu dunkel“, so der Ortsbürgermeister. Er hätte es zumindest gern versucht, das Schützenfest auf dem Burghof auszurichten. „So hätten wir auch herausgefunden, ob es am Standort liegt, dass immer weniger Gäste kommen.“ Er findet es schade, dass das Fest aufgrund einiger Beschwerden nicht in die Innenstadt zurückgeholt werden kann. „Wer keinen Lärm haben will, darf nur noch auf Beerdigungen gehen, da hat man dann Ruhe“, betont Friedrich.

Bürgermeister Christian Springfeld fällt spontan nur ein Wort ein: „Schade.“ Die Vereine hätten sich so viel Mühe gegeben, mit den Anwohnern ins Gespräch zu kommen. „Aber die Arbeit war nicht umsonst, auch wenn das Schützenfest dieses Jahr nicht auf dem Burghof gefeiert wird, ist das Thema für mich noch nicht vom Tisch. Auch für zukünftige Debatten war der Austausch sinnvoll.“ Nichtsdestotrotz könne er nicht verstehen, warum sich einzelne so gegen die Standortverlagerung wehren. „Wer mitten in der Stadt wohnt, muss damit rechnen, dass es mal lauter wird.“

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