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Brandschutz: Wie gefährlich ist die Situation am OHG Nord? Bei der Stadt ist man sich nicht einig

„Schnellstmöglich stilllegen“

Springe. Wie gefährlich ist der Standort Nord des Otto-Hahn-Gymnasiums? „Personengefährdung, Türme müssen schnellstmöglich stillgelegt werden“, warnen die Fachleute der Stadt in einem Haushaltsvermerk – und das schon im zweiten Jahr hintereinander. Doch innerhalb der Verwaltung gibt es offenbar zwei Meinungen zum Thema: Er würde die dringliche Warnung „so nicht unterschreiben“, sagte Bürgermeister Jörg-Roger Hische gestern. Er will stattdessen abwarten, wie sich die Schullandschaft in den kommenden Jahren verändert.

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VON CHRISTIAN ZETT

Auf drei Etagen werden Schüler an der Militsch-Trachenberger-Straße unterrichtet: Neben den fünften und sechsten Jahrgängen des Gymnasiums nutzen nach Angaben von OHG-Schulleiterin Dr. Kerstin Prietzel inzwischen auch einzelne Klassen der benachbarten Grundschule am Ebersberg die umstrittenen Türme mit dem dazwischengebauten Treppenhaus: „Nach dem Umzug der Schüler aus Altenhagen gab es da einen erhöhten Raumbedarf.“ Was es bis heute nicht gibt, sind die gesetzlich vorgeschriebenen Fluchttreppen, die den Kindern und Jugendlichen im Brandfall einen Weg aus dem Gebäude ermöglichen, wenn das Treppenhaus unbenutzbar ist.

Prietzel äußert sich zurückhaltend. „Die Stadt übernimmt die Verantwortung“, macht sie zunächst klar – und schiebt dann hinterher: „Ich mache mir aber keine akuten Sorgen.“ Es sei bislang keinerlei Gefährdung aufgetreten. Sobald der Runde Tisch Schule seine Entscheidung über die künftige Standortverteilung der Schulen getroffen habe, sollten die Türme nicht mehr genutzt werden, so Prietzel. Genau darauf spekuliert offenbar auch die Stadt: „In Abhängigkeit vom Schulkonzept“ hat sie in den Haushaltsvermerk geschrieben und zunächst 5 000 Euro Planungskosten für dieses Jahr eingeplant; weitere 35 000 Euro für den tatsächlichen Bau der Fluchttreppen stehen gar erst für das Jahr 2015 im Etat. „Das passt nicht zu der Dringlichkeit, die da formuliert wird“, räumt auch Hische ein. Er sieht die Lage jedoch weitaus weniger kritisch: „Uns droht nicht morgen eine Brandgefahr. Niemand muss Angst haben, dass die Rettungswege nicht zur Verfügung stehen.“

Hartes Urteil:

„Energetisch einfach Käse“

Bekannt ist die kritische Situation bei der Stadt schon länger. Der im Frühjahr nach Hameln abgewanderte Bau-Chef Hermann Aden hatte vor einem Jahr erklärt, die Türme seien nicht nur brandschutztechnisch schwierig, sondern auch „energetisch einfach Käse“. Wie man das Problem angehen könne, wisse er aber auch nicht – der Abriss sei eine Option.

Wie oft die Stadt das Problem hin- und hergeschoben oder umgeplant hat, lässt sich an den Haushaltsvermerken der vergangenen Jahre ablesen: Die Forderung einer „schnellstmöglichen“ Schließung war auch im Etat für 2013 schon enthalten. Damals planten die Fachleute aber noch 120 000 Euro über drei Jahre für die Sanierung ein. 2012 fehlte der eilige Hinweis noch, dafür gab es schon konkrete Vorschläge, das nötige Geld (nur 22 000 Euro) für einen Umbau aus Baumaßnahmen an der Sporthalle Gestorf sowie Grundschule und Kita in Eldagsen abzuzweigen. Passiert ist das jedoch nicht. 2011 sollten es wiederum 54 000 Euro sein.

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