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Schatzfund in Eldagsen

ELDAGSEN. Kurz vorm Freischießen gibt es in Eldagsen nur noch ein Thema: Den Fund der Schießscheibe aus dem Jahr 1912. Der liegt zwar schon einige Monate zurück, aber der Vorsitzende des Schützenrates, Mirko Treichel, lässt das Stück gerade wieder lebendig werden.

Mit Scheibe: Renate Mahlert und Olrik Mahlert mit der Scheibe. Foto: Mischer
Mischer

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Ralf T. Mischer Redakteur zur Autorenseite

Treichel trägt die Namen der Sieger bei den Schießen zusammen – auch die der Wettbewerbe vor dem Zweiten Weltkrieg.

Diese Geschichte hat gleich mehrere Anfänge: Zuerst ist da der Schießwettbewerb, anlässlich dessen die Schützen, wie heute, ihr „bestes Blech“ erhielten. 1912 wurden diese Bleche auf eine Holzscheibe geklebt, das erste von 1907, weitere Jahrgänge folgten. Den zweiten Anfang nimmt die Geschichte im Jahr 1981. Damals wurde ein Schuppen an einem Fachwerkhaus an der Langen Straße abgerissen. In dem Gebäude fanden die Arbeiter die Stadt-Scheibe von 1912 wieder. „Sie war als Teil des Fußbodens verwendet worden“, erinnert sich Renate Mahlert (80) an den Fund zurück. Mahlert spielt auch bei diesem Anfang eine Rolle: Vor wenigen Monaten hat sie die Scheibe in einem Kleiderschrank in ihrem ehemaligen Haus in der Langen Straße wiederentdeckt. Seitdem herrscht bei den Eldagser Schützen großes Hallo.

Und das Rätselraten beginnt: Wie kam die Scheibe in das Haus des damaligen Besitzers? Der hieß Oswald Döpke, war ein berühmter Schauspieler, Regisseur und Drehbuchautor – und starb 2011 in München. Warum hatte er die Stadt-Scheibe einfach im Fußboden verbaut? Und: Wer hatte die Scheibe einst eigentlich gewonnen?

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Zumindest diese Frage wird Stück für Stück aufgeklärt. Denn Treichel ist nicht nur Schützenrats-Chef, sondern auch begeisterter Heimatforscher. Nach einem Blick ins NDZ-Archiv stellte er fest, dass 1912 beim Schießen der damalige Bürgermeister Joachim de Vries höchstpersönlich bei der Bürgerscheibe die Nase vorn hatte.

Seine und die anderen Scheiben hat Olrik Mahlert, Sohn von Renate Mahlert, nun in Sicherheit gebracht. Nachdem seine Mutter ihm das gute Stück überlassen hat. Immerhin ist das Fundstück für ihn als begeisterten Schützen und zugleich Hauptmann der Jägerjungschützen von besonderer Bedeutung: „Die Scheibe wird sicher verwahrt.“ Ob sie fürs traditionelle Postenstehen der Jägerjungschützen kurz mal an die frische Luft gebracht wird, steht noch nicht fest. Auch möglich, dass sie nur kurz gezeigt wird. Immerhin ist das Fundstück in der Stadt heiß begehrt: „Die müssen wir haben, die müssen wir haben, hat man mir immer wieder zugerufen“, erinnert sich Renate Mahlert an die Zeit kurz nach dem Wiederauffinden der Scheibe.

Für Treichel ist die Scheibe vor allen Dingen deshalb interessant, weil sich anhand von ihr die Geschichte etlicher Traditionen der Eldagser Schützen rekonstruieren lässt. Etwa die Geschichte des „besten Blechs“: „Die rundausgeschnittenen und weiß lackierten Bleche wurden pro Schützen ausgegeben und dokumentierten damit anschließend sein Schießergebnis.“ Der beste, mittige Schuss ermittelte damals wie heute den Sieger um die städtische Königswürde. „Dieser beste Teilerschuss wird auch heute noch in den Eldagser Schützenvereinen Bestes Blech genannt, obwohl seit dem Bau des neuen Schießstandes ab 1975 nicht mehr auf die in Einzelarbeit hergestellten Bleche geschossen wird“, erläutert Treichel einen Teil der Schützentradition.

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