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Warum eine Frau eine Waffe illegal zuhause lagerte – und wie die Polizei durch Zufall darauf stieß

Scharfes Schießeisen im Kleiderschrank

Springe. Am Ende klang die Geschichte in den Ohren des Richters Felix Muntschick wohl ein bisschen zu fantastisch: Wie kam die Frau in den Besitz der scharfen Pistole? Warum informierte sie nicht umgehend die Polizei? Hatte tatsächlich ein Krimineller versucht, ihr das Schießeisen auf einer Kirmes unterzujubeln?

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Autor:

VOn Markus Richter

Angeklagt war die 44-Jährige aus einem Springer Stadtteil wegen zweier Verstöße gegen das Waffengesetz: Sie war ohne Erlaubnis im Besitz einer 9-Millimeter-Pistole samt Munition. Das Gesetz sieht dafür empfindliche Strafen vor. Doch die Frau präsentierte dem Gericht eine Erklärung: Sie arbeite für eine Schaustellerfirma, die auf der Herbstkirmes in Köln eigene Fahrgeschäfte betrieben hatte. Dort können die Kunden ihre Taschen und Rucksäcke für eine Karussellfahrt im Kassenhaus hinterlegen. Eine für den Abbau benötigte Maschine sei plötzlich ausgefallen – im ganzen Trubel landeten dann alle Sachen, die anscheinend den Schaustellern gehörten, in einem Wohnwagen. Mit dabei: eine Ledertasche. Am Abend des 16. November 2010 habe sie das Fundstück entdeckt. „Ich habe die Pistole gesehen, sie aber nicht angefasst.“ Anstatt umgehend die Polizei zu informieren, verwahrte die Angeklagte die halbautomatische Waffe zunächst in ihrem Kleiderschrank auf. Spätestens seit gestern weiß sie, dass das ein Fehler war – schließlich hat sie als Sportschützin ohnehin zwei Waffenschränke zuhause („die konnte ich aber nicht öffnen“) und Kenntnis darüber, was verboten und was erlaubt ist.

Erschwerend kam hinzu, dass die Kinder der zweifachen Mutter die Pistole hätten finden können. „Sie wussten, dass dadurch schlimme Dinge passieren können“, warf ihr der Richter vor. Mit einmaligem Durchladen wäre die Waffe schussbereit gewesen.

Dann folgte die Razzia. Am Morgen des 17. November – die Frau war außer Haus und hatte die Pistole angeblich wegen der Vorbereitungen des Weihnachtsmarktes in Hameln vergessen – durchsuchten 80 Polizeibeamte und vier Staatsanwälte auch die Räume der Familie. Ermittelt wurde wegen Korruptionsverdachts im Zuge der lukrativen Standvergabe (NDZ berichtete). Dabei fiel den Beamten eben auch die Waffe im Kleiderschrank in die Hände. Es war eines von mehreren Verfahren, die nach den Durchsuchungen eingeleitet wurden. Für den Rechtsanwalt war seine Mandantin „nur das letzte Glied einer Kette“. Ein Unbekannter habe die Situation ausgenutzt, um eine scharfe Waffe loszuwerden. Der Staatsanwalt erkannte die „unglücklichen Umstände“ an. Der Richter indes hatte größere Zweifel. Er verhängte eine Geldstrafe von 800 Euro – trotz mildernder Umstände. Möglich sei schließlich, dass die Frau die Pistole länger als eine Nacht besaß. „Wenn viele Zufälle zusammentreffen, spricht das immer etwas gegen die Wahrheit.“

In Springe haben über 700 Einwohner eine oder mehrere von 3000 registrierten Waffen.



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